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Alexandra Birrer

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«Hat das nicht weh getan?» ist die klassische Frage, die ich momentan sehr häufig gestellt bekomme. Der Grund dafür: Wer mich etwas genauer anschaut, erkennt die zwei kleinen Kügelchen, die verbunden durch einen feinen Ring aus meinen beiden Nasenlöchern hängen. Oder anders formuliert: Sie sehen mein neues Septum Piercing, zu dem ich dir im Folgenden einiges erzählen werde.

Zwischen Wissen und Unwissen liegt bekanntlich eine gerade Linie, die man als Lernprozess bezeichnen kann, oder? Eigentlich klingt das plausibel, doch wenn ich mich ganz genau an diese ominöse Lernprozesse erinnere, sehe ich alles andere als Geraden. Es ist vielmehr ein auf und ab. Sozusagen eine Art Berglandschaft von Kurve, die meine verschiedenen Stadien von Verständnis und Unverständnis auf Zeit zeigt. Und dieses „Gebirge“ oder bessergesagt dieser Effekt hat auch einen Namen: Der Dunning-Kruger-Effekt.

«Nicht du jetzt auch noch», schimpfe ich mit mir selbst, als ich am Dienstagmoren im vollgestopften Pendlerzug von Olten bis Bern zu schreiben beginne. «Das Thema Coronavirus ist doch sonst schon omnipräsent! Öffnest du Instagram: Corona Memes. Jede beliebige News App: Coronavirus hier. Twitter: Coronavirus da. Und so weiter…” Es stimmt, das Coronavirus scheint momentan das schweizweit wichtigste Thema zu sein. Daraus kann nur eines folgen: Beim Öffnen von Tize wird man nun ebenfalls lesen, was sonst schon überall präsent scheint: Das Coronavirus, ein Kommentar.

Bestimmt haben wir es als Kind alle genug oft gehört, als wir zum Z’Vieri lieber Schokolade als einen blöden Apfel gewollt haben: „Der Apfel muss sein, du musst mindestens fünf Portionen Früchte und Gemüse pro Tag essen.“
Eine tendenziell eher unbeliebte Aussage. Doch mittlerweile habe ich bemerkt, dass diese Regel erstens eingehalten werden kann und zweitens sogar Spass machen könnte.

Mani Matter hat es schon vor vielen Jahren auf den Punkt gebracht: Viel zu oft im Leben stehen wir uns selbst im Weg, «wil mir Hemmige hei». Diese zeigen sich bei jedem etwas andres, doch die folgenden Beispiele werden es veranschaulichen können: «Zwar würde das Restaurant auf der gegenüberliegenden Strassenseite interessant aussehen. Doch das ist nicht wirklich etwas für jemanden wie mich. Besser ich gehe an einen altbekannten Ort» «Im Tram vor mir sitzt jemand mit richtig schönen Schuhen, doch ich kann mich jetzt nicht einfach vorbeugen und fragen, woher sie diese hat…» «Ich hätte ihn schon lange um ein Date bitten wollen, aber lieber warte ich noch ein wenig…»

Am vergangenen Sonntag hat die Schweiz einmal mehr abgestimmt und an der Urne ihre Meinung kundgetan. Doch kann man wirklich sagen, «die Schweiz» habe abgestimmt? Denn wer einen Blick auf die Stimmbeteiligungszahlen wirft, wird eher ernüchtert sein. Mit 41,2 Prozent hat nicht einmal die Hälfte aller Stimmberechtigten in der Schweiz abgestimmt. Ausserdem ist es gesamthaft gesehen ein eher unterdurchschnittliches Resultat. Was bedeutet das und wie können wir das interpretieren?

Freitag, 6:49 Uhr: Jedes Mal ist das Hoffen vergeblich, wenn du glaubst, der Bus würde früher kommen und du müsstest nicht so lange in der Kälte stehen. Doch wenigstens ist er noch so pünktlich, dass es keinen Stress geben wird, wenn du aussteigen musst. Es steigen immer etwa die gleichen Gesichter aus. Das Mädchen, mit dem du zur Schule gegangen bist, als ihr noch Kinder wart und der junge Mann, den du von der Party letztens kennst, der dich jedoch nie grüsst.

Irgendwo, weit weg von hier, brennt es. Irgendwo, weit weg von hier, landen Bomben auf der Erde. Doch selbst wenn alles so weit weg von hier erscheint, sind wir alle betroffen. Ganz ehrlich, wir wissen schon seit längerer Zeit, dass der Klimawandel existiert und dass kein Weltfrieden herrscht. Allerdings relativieren die jüngsten Veränderungen auf unserem Globus diese Perspektive. Und es stellt sich vielleicht der eine oder andere die Frage: Was, wenn sich diese zwei Konflikte treffen?