Lange Zeit habe ich mich kaum mit dem Thema Feminismus auseinandergesetzt. Ich hatte das Gefühl, dass mich dieses Thema nicht wirklich betrifft und ich verband es aus unerklärlichen Gründen oft mit Negativem. Als ich mich jedoch intensiver mit den Beweggründen und Zielen auseinandersetzte, merkte ich, dass nicht nur Frauen, sondern die ganze Gesellschaft von dieser Bewegung profitieren kann.

Feminismus einfach erklärt

Eine Studie hat festgestellt, dass das Thema Feminismus häufig mit etwas Negativem in Verbindung gebracht wird. Dies liegt möglicherweise daran, dass viele Menschen eine falsche Definition im Kopf haben. Somit möchte ich euch kurz und knapp grundlegende Informationen und Fakten aufzeigen, damit ihr die Ziele von Feministen besser versteht.

Der Kampf gegen Unterdrückung und Benachteiligung aufgrund des Geschlechts ist eines der grössten Zielen des Feminismus. Es wird gegen Sexismus und Diskriminierung gekämpft. Frauen sollen die gleichen Rechte haben wie Männer- so die Devise. Dabei ist wichtig zu beachten, dass es nicht den einen Feminismus gibt, sondern viele verschiedene Bewegungen und Theorien, die sich für unterschiedliche Themen einsetzen und sich teilweise sogar widersprechen. 

Intersektionaler Feminismus

Eine sehr interessante Bewegung ist der Intersektionaler Feminismus. Dieser versucht zusätzliche Formen von Diskriminierung mit einzubeziehen und möglichst unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen. Diese Überlegung ist wichtig, weil viele beim Begriff Feminismus an das Frauenwahlrecht oder an das Recht auf Abtreibung denken. Das sind natürliche wichtige Punkte, für die Feministen seit langer Zeit kämpfen. Aber es gibt andere feministische Themen, die nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen, denn diese betreffen häufig keine weissen Frauen aus der Mittelschicht, sondern arme, schwarze, behinderte, und queere Frauen. Zum Beispiel haben Asylbewerberinnen, arme oder behinderte Frauen häufig mehr Probleme eine Festanstellung zu bekommen. Diese Ungleichberechtigung unter Frauen versucht ein intersektionaler Feminismus ebenfalls zu bekämpfen.

Benachteiligung im Alltag

Dass eine Ungleichberechtigung von Frauen und Männern in den Bereichen Lohn, Anerkennung und Respekt besteht, haben wir schon oft in den Medien gelesen. Doch dies sind längst nicht die einzigen Unterschiede. Alltägliche Situationen, an welche wir uns bereits gewöhnt haben, können ebenfalls ungerecht sein.

Diese fallen dabei meist unter den „GenderDataGap“. Mit diesem Begriff wird darauf aufmerksam gemacht, dass die ganze Welt viel besser auf den Durchschnitts Mann als auf die Frauen ausgerichtet ist. Das bedeutet, wenn etwas entwickelt wird, zum Beispiel eine Maschine, ein Gesetz oder ein Medikament, werden als erstes immer Daten gesammelt. Dabei werden jedoch sehr häufig Frauen gar nicht oder nicht gut genug berücksichtigt. Ein Grund dafür ist, dass an diesen Stellen wo Daten behoben, Produkte entwickelt und Entscheidungen getroffen werden, immer noch viel mehr Männer als Frauen beteiligt sind. Laut UNESCO sind nur 28% aller Forscher und 24% aller Parlamentarier weltweit Frauen.

Nicht nur Frauen sind von dieser Wissenslücke gefährdet, sondern auch Transpersonen, People of Colour oder Menschen mit Behinderung. Dieses Problem wird glücklicherweise in der Forschung immer mehr erkannt und analysiert, doch bis diese grosse Lücke an Daten aufgeholt ist, kann das noch einige Jahre dauern. 

Hier einige Beispiele, welche veranschaulichen wie Frauen durch den GenderDataGap vernachlässigt werden:


Autofahren
Eine Studie aus dem Jahr 2011 hat gezeigt, dass Frauen ein 47% höheres Risiko haben bei einem Autounfall schwer verletzt zu werden als Männer. Grund dafür ist, dass bei Crashtests für Autos oftmals nur Crashtestdummies eingesetzt werden, welche dem Durchschnittsmann von Grösse und Gewicht entsprechen. 

Medizin
Auch in der Medizin existieren deutlich weniger Daten über Frauen als Männern.
Zum Beispiel werden immer noch viele Medikamente grösstenteils oder sogar nur an männlichen Tieren getestet. Grund dafür ist, dass der weibliche Zyklus angeblich zu kompliziert zu berücksichtigen ist. Ein fahrlässiges Argument!

Ein weiteres Beispiel ist die Behandlung von Herzinfarkt.

Wenn man im Internet nach den Symptomen von einem Herzinfarkt sucht, wird ein stechender Schmerz in der Brust beschrieben. Doch das ist nur ein mögliches Symptom von vielen. Denn die Indikatoren zwischen Mann und Frau unterscheiden sich stark voneinander. Während ein Mann meist einen stechenden Schmerz in der Brust wahrnimmt, haben Frauen oft Atemnot, Bauchschmerzen oder Übelkeit.

Beschwerden werden somit bei Frauen häufig falsch gedeutet und entscheidende Minuten gehen verloren. Im schlimmsten Fall enden solche Verwechslungen tödlich. Eine Studie hat festgestellt, dass solch eine lebensgefährliche Falschdiagnose bei rund 50% aller Herzinfarkten von Frauen gemacht wird. 

Bildquelle: Abbey Lossing

Feminismus bringt allen etwas

Wir wachsen alle in einer Welt auf, in der es eine genaue Vorstellung von Männlich- und Weiblichkeit gibt. Von Geburt an steckt unsere Gesellschaft einander in Schubladen. Angefangen mit den sogenannten „Mädchen- und Jungs-Farben“ bis zu den „Geschlechter-typischen“ Spielsachen. Aber an diesen Stereotypen leiden nicht nur Frauen, sondern auch Männer.

Es ist ebenfalls wichtig sich zu fragen, wie Jungs in unserer heutigen Gesellschaft aufwachsen. Weshalb sollten Männer nicht auch weinen dürfen? Oder müssen Männer wirklich die Ernährer der Familie sein?

Die Selbstmordrate von Männern ist weltweit dreifach so hoch, wie die von Frauen.


Was macht das mit Ihnen? 
Eine Studie hat aufgezeigt, dass die Selbstmordrate von Männern auf der ganzen Welt dreifach so hoch ist, wie die von Frauen. Ein Grund für diesen erschreckenden Unterschied ist sicherlich, dass eben auch Männer sehr unter den gesellschaftlichen Vorstellungen leiden. Wenn wir somit eine Gleichberechtigung für Frauen wollen, müssen wir dasselbe auch für die Männer fordern. Diese Feststellung zeigt, dass der Feminismus genauso ein wichtiges Thema für Frauen als auch für Männer ist. Wer für Gleichberechtigung von allen Geschlechtern einsteht, ist per Definition ein Feminist.

Auch Männer brauchen Gleichberechtigung!

Fazit

Das Ziel des Feminismus sollte nicht sein, dass Frauen neu die Oberhand dieses Systems gewinnen, sondern dieses auflösen. Denn wie bereits erwähnt, sind wir alle, egal ob Mann oder Frau, von einer Ungleichberechtigung betroffen. Ob man sich in Zukunft als Feminist bezeichnet ist eigentlich völlig egal, wichtig ist nur, dass wir für eine gleichberechtige Zukunft kämpfen und diese bereits der nächsten Generation so gut wie es geht vorleben.

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