Seit Dienstag 16. Juni 2020 ist ein weiterer Teil der animierten Serie «Rick and Morty» auf Netflix verfügbar. Eine weitere Netflix-Serie? Und dann auch noch animiert? Muss ich mir das antun? Kurze Antwort: Ja.
Eine etwas ausführlichere Antwort bietet der folgende Beitrag.

Die Serie handelt von der Familie Smith, in den meisten Fällen jedoch von den namensgebenden Charakteren Rick und Morty. Dieses Duo, bestehend aus einem verrückten Wissenschaftler (Rick) und dessen Enkel Morty, erleben allerlei Science-Fiction Abenteuer, wobei an keiner Stelle mit Anspielungen auf Klassiker jeglicher Genres gespart wird. Selbst die beiden Hauptcharaktere legen eine Referenz auf die 80er-Jahre Filmlegende «Back to the Future» nahe. Viele der Folgen sind nach einem episodischen Prinzip aufgebaut, das heisst, sie lassen sich problemlos in beliebiger Reihenfolge ansehen. Dennoch gibt es eine Rahmenhandlung der Familie und deren Zusammenleben, welche je nach Staffel mehr oder weniger ausführlich weitererzählt wird.

Wieso zwei Hälften?

Nun ist diesen Dienstag die langerwartete vierte Staffel der Serie auf Netflix erschienen – jedoch nur die erste Hälfte. Der Grund dafür ist vermutlich die Aufspaltung der Staffel in zwei Teile durch die Produzenten, welche bereits in der amerikanischen Erstausstrahlung auf Adult Swim stattfand. Nachdem zwischen der dritten und dem Beginn der vierten Staffel bereits zweieinhalb Jahre vergangen waren, entstand eine relativ grosse Erwartung an die kommende vierte Staffel. Um dieser Erwartung gerecht werden zu können, hat sich das Produktionsteam dazu entschlossen zunächst die eine Hälfte zu veröffentlichen, um weitere Arbeit in die zweite stecken zu können.

Weshalb sollte ich mir das ansehen?

Sobald man sich die Serie ansieht, wird klar, weshalb zwischen den Staffeln oder Staffelteilen eine verhältnismässig grosse Distanz liegt. Mit einem unglaublich Gespür fürs Detail sind nicht nur die Geschichten geschrieben sondern auch die Animationen angefertigt. Verschiedene Vorder- und Hintergrundgeschichten sind sorgfältig ineinander verwoben, Haupt- und Nebencharaktere tauchen auf, entwickeln sich und sterben manchmal auch, teilweise mehrmals. Durch die schier unbegrenzten Möglichkeiten, welche Rick durch seine nahezu übermenschliche Intelligenz zur Verfügung stehen, eröffnet sich dieser Serie eine ebenso grosse Vielfalt an Entwicklungsmöglichkeiten, die sie auch in vollem Umfang nutzt. Unter anderem das interdimensionale Reisen lässt verschiedene Handlungsstränge und eine hohe Dichte an Charakteren zu. Viele dieser Stränge enden nur teilweise und selbst genaue Hintergründe von Hauptfiguren verbleiben oftmals nicht vollständig geklärt. Umso mehr versuchen Fans diese Fragen mit eigenen Gedanken und Theorien zu vervollständigen. Gerade dieser Aspekt von Kernsubstanz einer Serie, die viele Fragen stellt, davon jedoch nur einen Teil beantwortet, macht Rick and Morty zu einer perfekten Serie für all jene, die sich nach dem Ende einer Episode oder Staffel gerne auch eigene Gedanken zum weiteren oder bestehenden Verlauf der Geschichte machen. Und nicht nur Fragen im Rahmen der Handlung werden aufgeworfen, sondern auch solche welche die Serie als Konsumprodukt in Frage stellen oder grundsätzliche philosophische Fragen wie Bedeutung und Konsequenzen von menschlichem Handeln werden in den Raum gestellt. Also Fragen, die selbst ausserhalb vom Kontext von Rick and Morty spannende Diskurse eröffnen.

Meine eigenen Gedanken

Das ist meiner Meinung nach auch, was diese Serie so stark macht. Ich kann mit Menschen über aufgeworfene Fragen aus dieser Serie diskutieren, welche selbst nie eine Episode davon gesehen haben und dabei ein nicht minder interessantes Gespräch führen, als wenn ich mich mit einem Kenner austausche. Eine vergleichbare Reichhaltigkeit an visuellen Inhalten in 20 Minuten ist mir bisher noch nicht erschienen.

Kurz gesagt könnte man auch noch 100 weitere Bildschirme darüber füllen, weshalb «Rick and Morty» eine facettenreiche Erweiterung des kulturellen Horizonts ist. Oder aber man könnte den Bildschirm auch nutzen um sich diese Serie anzusehen. Oder mit den Worten von Morty Smith in der Episode «Rixty Minutes»:

Nobody exists on purpose.
Nobody belongs anywhere.
Everybody’s gonna die.
Come watch TV?

Morty Smith, Charakter aus „Rick and Morty“
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