Als kleines Kind war mein grösster Traum, endlich erwachsen zu werden: Schon früh begann ich mit meinen Freunden unsere Eltern nachzuahmen und eifrig ältere Leute auf der Strasse zu beobachten, nur um so bald wie möglich auch wie sie zu sein. Jetzt, einige Zeit später, stellt sich mir die Frage nach der Bedeutung des Erwachsensein. Und wie es sich zeigt. Oder was es mir nützt.

Merke ich, wenn meine Jugend vorbei ist und ich den ersten Schritt in Richtung Erwachsenenleben mache? Kommt diese Erkenntnis plötzlich oder wird dies ein langwieriger Prozess sein? Werde ich mich dann anders fühlen? Reifer? Werde ich mein Leben anders leben, mit meinen Problemen besser klar kommen und alles besser im Griff haben? Oder wird es noch genau so sein wie zuvor, genau so ein Auf und Ab, wie es jetzt ist? Wird sich die Liebe immer noch so anfühlen, wie sie sich jetzt anfühlt, oder wird das Herz mit der Zeit kälter? Werden mir dieselben Dinge gefallen und werde ich die gleichen Sachen hassen? Oder werde ich irgendwann jeden Konzertbesuch meiden und stattdessen Wein lieben? Werde ich meine Gefühle, die Welt und meine Mitmenschen anders empfinden, als ich es in diesem Moment tue? Verliere ich die Freude an den kleinen Dingen? Werde ich meine jetzigen Entscheidungen bereuen oder froh sein, dass ich so entschieden habe? Werde ich ständig darüber reden, wie schwierig das Leben sei? Werde ich unglücklich sein? Oder vielleicht glücklicher?

Werde ich mich in dieser Zeit komplett verändern und nicht mehr wissen, wer ich zuvor noch war?

Ganz ehrlich: Ich weiss es nicht. Ich kann nur sagen, dass ich das zu einem Teil hoffe. Ich hoffe, dass ich erwachsen werde und dann nicht genau so sein werde, wie ich es jetzt bin. Ich hoffe, dass ich die Welt und die Existenz besser verstehe. Ich hoffe, dass ich mich reifer fühle und das Leben besser meistere. Oder, dass ich mehr Vertrauen in mich selber habe. Dass ich weiss, was ich will und was nicht, dass ich jederzeit zu meiner Meinung stehen kann. Doch wenn ich die meisten Erwachsenen anschaue, fehlt mir das. Und genau diesen Teil erhoffe ich mir nicht von meinem Erwachsenenleben: Erwachsen zu sein mit Unglück, Trauer und Hass zu verbinden. Traurig zu sein, dass ich nun auf mich alleine gestellt bin. Langsam bitter zu werden. Mir kein Glück mehr zu erlauben, weil ich „Besseres“ zu tun habe. Leute zu verachten, die noch an das Glück und an die Liebe glauben. Ständig gestresst von einem Ort zum nächsten eilen, um noch mehr Geld zu scheffeln und völlig zu vergessen, wie es sich anfühlt, wirklich zu leben. Nein, das will ich wirklich nicht.

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"And by the way, everything in life is writable about if you have the outgoing guts to do it, and the imagination to improvise. The worst enemy to creativity is self-doubt."- Sylvia Plath

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