Schön war’s mit dir! FĂŒnf Jahre voller Emotionen, unvergesslichen Momenten und Bildern. Du warst der Inbegriff fĂŒr ein neues, innovatives Jugendfernsehen. Du hast den Beobachtern gezeigt, wie es geht. Mit deiner frischen und spontanen Art, Fernsehen und Internet miteinander zu verknĂŒpfen, hast du es allen Kritikern gezeigt, so glaubte ich jedenfalls.

Zur Vorgeschichte geht's hierBildquelle: stocksnap.com
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Bis zu deinem ĂŒberraschenden Tod waren wir Medienbeobachter ĂŒberzeugt, dass es dir gut geht. Man hat von deiner deutschen Tochter immer wieder gehört, sie wĂŒrde in finanziellen Problemen stecken. Deine Tochter lag auch schon einmal auf der Intensivstation und wurde beatmet, doch mit der vorĂŒbergehenden Einstellung des deutschen Fernsehsignals und dem mehrheitlichen RĂŒckzug auf das Internetportal ist deine Tochter dem Tod von der Schippe gesprungen. Durchschnittene Kabel, unzugĂ€ngliche Mail-Adressen, grimmige Konkursbeamte, dies kennst du nicht nur aus eigener Erfahrung, ironischer Weise wolltest du Radio 105 vor dem Konkurs retten, doch den Zuschlag erhieltest du nicht sondern Radio 1.

Eine fruchtbare Zusammenarbeit

Als Medienkoordinator der Eidgenössischen Jugendsession habe ich von dir schon vor deiner Geburt gehört. An einer Mediensitzung meinte unser damaliger Verantwortlicher (ein halbes Jahr vor Sendestart), dass da ein neues, innovatives Projekt anstehen wĂŒrde, mit welchem man eine erfolgreiche Erweiterung unserer Medienstrategie umsetzen kann. Dies wurde dann erfolgreich vollzogen. Jahr fĂŒr Jahr wart ihr fĂŒr die Jugendsession ein wichtiger Partner. Im Vorfeld der Jugendsession sowie auch im Nachgang, haben wir gemeinsam Sendungen betreut, wo Jugendliche in deinem Fernsehstudio engagiert miteinander debattierten. Vor allem die Sendung nach Abschluss der Jugendsession war fĂŒr uns Verantwortlichen eine Herausforderung. Am Sonntag, dem letzten Tag der Jugendsession, mussten wir zwischen Plenumsdiskussion, AufrĂ€umarbeiten und Staff-Abschlussessen nicht nur die zu diskutierenden Themen bestimmen, sondern auch die einzuladenden Jugendparlamentarier wollten ausgesucht werden. Bei solchen Gelegenheiten war auch ich sowohl hinter, wie vor der Kamera ein paar Mal bei dir zu Gast.

Vorfreude auf Deutschland

Als Medienkritiker hatte ich jeweils ein gespaltenes VerhĂ€ltnis zu dir. Deine jugendliche Unbeschwertheit ging mir manchmal ein wenig zu weit. Verwackelte Bilder, ungenĂŒgend vorbereitet wirkende Moderationen und ModeratorInnen vermittelten den Eindruck von mangelnder ProfessionalitĂ€t, bis ich als Medienjournalist bei dir vor Ort war und dein Vertreter Dominik Stroppel, mich vom Gegenteil ĂŒberzeugen konnte. Die Lockerheit war gewollt und ein Teil des ganz speziellen Joiz-GefĂŒhls. Dein Team bereitete sich genauso gewissenhaft auf die Sendungen vor, wie dies von anderen Sendern gepflegt wird. Ich war zu dem Zeitpunkt bei dir, als du gerade beschlossen hattest, schwanger zu werden und eine Tochter in Deutschland zur Welt zu bringen. Dementsprechend war deine Euphorie gross und ich habe mich von deiner Vorfreude anstecken lassen. Kritische Fragen, wie zu dem fehlenden Sendergesicht in Deutschland liess ich damals unter den Tisch fallen. Ich war ĂŒberzeugt, ihr wĂŒrdet es gemeinsam schaffen und eine neue Welt des Musikfernsehens kreieren. Zudem wart ihr das erste Schweizer Medienhaus, welches nach Deutschland expandierte. Normalerweise gehen Deutsche Medien den umgekehrten Weg. Dies hat der Schweizer Branche Mut gemacht.

Wer bildet kĂŒnftig ModeratorInnen aus?

Leider mĂŒssen wir uns nun aber an ein Leben nach Joiz gewöhnen. Dein deutscher Ableger wird kĂŒnftig die Schweizer Kunden auf den bisherigen Frequenzen bedienen. Ab wann das sein wird und ob die deutschen Formate den Schweizern zusagen werden, bleibt abzuwarten. FĂŒr die Schweiz, vor allem fĂŒr SRF, gilt es herauszufinden, wo man weiterhin so
gut ausgebildete und an Live-Situationen gewohnte ModeratorInnen finden kann. Mit deinem Ableben wird die Diskussion, ob Privatsender in der Schweiz eine Überlebenschance haben, wohl wieder neu lanciert. In Deutschland gibt es bei einem Online-Portal den sogenannten „Fernseh-Friedhof“. Auf diesem ruhen sinnbildlich die abgesetzten Sendungen, bis sie von Redaktoren entdeckt und vorgestellt werden. Wir haben auf unserem Schweizer Fernseh-Friedhof nicht nur einzelne Formate, sondern viel zu hĂ€ufig ganze Sender die zu Grabe getragen wurden (TV3, Tele24, U1 usw.). Diese Entwicklung muss gestoppt werden, schmerzen solche Nachrichten doch jedes Mal aufs Neue.

R.I.P

Ein Kommentar von Michael KĂŒng

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