Nicht mehr lange, da stellen wir den Weihnachtsbaum auf, stecken die Kerzen zurecht und winkeln die Lichterkette rund um das kleine, zierliche Bäumchen. Und mitten drin stehe ich. Gestresst und zerstört von den letzten paar Monaten, die letzten Ferien sind ewig her, doch das Ende ist nicht mal in Sicht. 

So versucht man, irgendwo ein bisschen Weihnachten im Dezember einzugliedern, auf einen Weihnachtsmarkt zu gehen und sich auf die so besinnliche, freundschaftsfokussierende und gemütliche Zeit zu freuen. Doch schliesslich habe ich ausser einem Glühwein nicht wirklich was weihnachtliches gemacht. Nicht mal Spotify und dessen Playlist konnte mich in Weihnachtsstimmung bringen, doch wieso ist das überhaupt ein Problem von uns jungen Erwachsenen? Ich formuliere nun einige Vermutungen:

Leistungsdruck

Der Druck vor Weihnachten nimmt etwa so zu, wie es vor jeden Ferien oder Feiertagen der Fall ist. Lehrpersonen planen 20 Prüfungen in der gleichen Woche, Dozenten geben Arbeitsaufträge in die letzte Dezemberwoche, weil man im Dezember sowieso nie was zu tun hat. Dazu kommt, dass viele Dinge vor dem Jahresende noch zu erledigen sind und das von einem auch erwartet wird.

Es verwundert also nicht, wieso Depressionen und Stress ausbrechen. Zudem wird man anfälliger auf Krankheiten, was einen noch mehr stresst, weil man dann weniger Zeit hat, um die anstehende Pendenzenliste abzuarbeiten. Wir leben nunmal in einer Leistungsgesellschaft, wo sich körperliche mentale Gesundheit hinter dem Wohl der Gesellschaft anstellt.

Weihnachten ist ein Stress

Ich weiss ja nicht, wie es euch geht, aber ein Weihnachtsgeschenk zu finden, ist nicht nur stressig, sondern umso kritischer, wenn es an finanziellen Mitteln mangelt. Ich habe immer das Gefühl, ich und meine Zeit genügen den Mensche2 nicht, sondern Materialismus muss vorherrschen. Als Kind fand ich es ziemlich toll, Geschenke zu erhalten, heute freue mich auf ein Stück Zeit der jeweils anderen Person. Geld oder Dinge bereiten mir Freude ja, aber ganz ehrlich, was gibt es Wertvolleres als Liebe und Zeit?

Das Ende vom Jahr

Schliesslich ist Weihnachten eines der letzten „grösseren“ Ereignissen, die noch in einem Jahr stattfinden. Ich empfinde genau das als Problem, es ist schlicht und einfach am Ende eines langen Zeitraums, wir haben uns abgemüht, versucht, hingebogen, Tränen vor Schmerz vergossen und am Ende ist Weihnachten und Silvester, wo auch schon wieder das sowieso nicht einhaltbare Gequasel „New Year, New Me“ losgeht. Auf Deutsch gesagt: Die Luft ist draussen, die Motivation verkriecht sich unter deinem Bett und deine Begeisterung von Weihnachten schwindet von Jahr zu Jahr.

Ganz kurz: Erwachsenwerden ist noch lange nicht so toll, wie es scheint.

Geschrieben von:

Die Erde ist noch rund, aber die Geschichten sind viereckig geworden.

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