Du hast sie entweder bereits durch, oder befindest dich gerade mittendrin. Die Zeit der Schule, der Ausbildung, des Studiums, des Lernens, der Prüfungen – für einige der normale Alltag, für andere der nicht enden wollende Albtraum. Aber ab wann wird dieser Albtraum zur psychischen Belastung?

Wer in der Schweiz lebt, muss sich theoretisch keine Sorgen um Arbeitslosigkeit in jungen Jahren machen. Unser Bildungssystem zeigt dir nämlich viele mögliche Varianten auf, wie du deinen Einstieg in die Arbeitswelt gestalten kannst. Dies zeigt sich auch im Vergleich mit den benachbarten Staaten. Während unsere Jugendarbeitslosenquote bei 2.2% lag (2020, SECO), befand sich diese in unseren Nachbarländern zwischen 5.6% und 29.7%.

So ganz ohne Arbeit geht’s aber nicht

Das Schweizer Bildungssystem gibt dir zwar eine klare Struktur vor, doch genau mit dieser haben viele zu kämpfen. Wer nämlich nicht im vorgegebenen Zeitrahmen die vorgegebene Leistung erbringt, wird schnell ins Straucheln kommen und nur mühsam wieder den Anschluss finden.
Bei vielen zeigt sich dies durch schlechtere Noten oder dem erhöhten Druck. Dennoch kann es auch über diese Faktoren hinausgehen und bei einigen Fällen bis hin zu Depressionen und Burnout im Jugendalter führen.

In der heutigen Zeit, in der alles schnell und fehlerfrei funktionieren muss, übertragen sich die daraus resultierenden Anforderungen auch immer mehr auf die Jugend. Viele passen sich daran an – viele nicht.
Während dies bei einigen beispielsweise an fehlender Unterstützung von Zuhause oder an einer „falschen“ Herangehensweise an den individuellen Schülern liegt, kann auch das Gegenteil wie zu hoher Druck von Aussen oder von einem selbst zu Symptomen wie Bauch- und Kopfschmerzen bis hin zu Schlafschwierigkeiten, Angstzuständen und niedriger Belastbarkeit führen.

„Da müssen wir alle mal durch“

In der Zeit, in der wir uns zu dem formen, was wir später werden und in der uns gefühlt alle Möglichkeiten offen stehen, findet man sich oftmals in einem Überfluss von Informationen wieder und weiss vorerst nicht, wie man diese filtern bzw. sich zunutze machen soll.

Du selbst, die Eltern, die Lehrer – alle haben Erwartungen an dich. Dabei haben diese meist nur die besten Intentionen, ohne dabei zu bedenken, dass hinter der Fassade immer noch ein Mensch steckt, der eigenständig denkt und fühlt. Schliesslich war jeder mal jung und im besten Fall machen viele heute das, was ihnen gefällt. Ohne andere enttäuschen und sich von der Gesellschaft zu stark abspalten zu wollen, gibt man also oftmals mehr, als man kann, ohne dabei Rücksicht auf das eigene Wohlbefinden zu nehmen.
Dazu kommen die scheinbar perfekten Leben aller anderen, die heute einfacher denn je durch verschiedenste Medien den anderen zur Schau gestellt werden können. Dabei geht oftmals vergessen, dass viele dieser Jugendlichen gerade erst dabei sind, den richtigen Umgang mit diesen medialen Werkzeugen zu lernen und dabei Richtiges von Falschem noch nicht unterscheiden können.

Mit 20 das erste Haus, das erste grosse Auto, das erste Unternehmen?

Es steht nirgends geschrieben, wann du was erreicht haben musst! Heute, wo alles so schnelllebig ist, haben viele das Gefühl, man müsse sich ab einem gewissen Alter beruflich gefunden haben. Dabei wirbt das Schweizer Bildungssystem damit, dass du dich auch noch im erwachsenen Alter umschulen und weiterbilden lassen kannst – ein grosser Vorteil der in vielen unserer Nachbarländer nicht existiert.
Ein weiterer Unterschied zu anderen Ländern ist, dass wir uns vergleichsweise früh entscheiden müssen, wie wir unsere Zukunft gestalten wollen. Während andere bis zu ihrem 18. Lebensjahrzur Schule gehen, entscheiden wir uns in der Schweiz im Durchschnitt bereits zwischen 14 und 16 Jahren, ob wir weiter zur Schule gehen oder in die Arbeitswelt einsteigen wollen.

Dass es nicht immer einfach ist, die „richtigen“ Entscheidungen zu treffen, ist klar. Daher sollte dies auch nicht im Fokus stehen, sondern dass du zu seiner Zeit die Entscheidung triffst, die sich für dich am besten anfühlt. Dies kann sich bei all den Möglichkeiten als zunächst schwierig herausstellen. Daher ist es umso wichtiger, sich genug Zeit zu lassen und alle möglichen Wege genau anzuschauen und abzuwägen, was für dich tatsächlich infrage kommt. Schlussendlich sollst du dir einen Weg suchen, der für dich stimmt, nicht für die anderen.

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