Wir Menschen murmeln öfters vor uns hin, als es uns bewusst ist. Egal ob bei der Arbeit, zu Hause beim Einkaufzettel schreiben oder in der Dusche, unsere Selbstgespräche sind ein fester Bestandteil und treuer Begleiter unseres Alltags. Geschätzt führen über 90 Prozent der Menschen Gespräche mit sich selbst – in Gedanken, sowie auch mit ausgesprochenen Worten. Sind Selbstgespräche nur eine Angewohnheit, ist es normal und wieso reden wir eigentlich mit uns selber?

Wann wir mit uns selber reden

Wir beginnen schon sehr früh im Leben mit uns selber zu sprechen. Bei Kindern im Alter von zwei bis fünf ist es normal, dass sie vor sich hin brabbeln, murmeln oder singen. Kinder lernen damit Gegenstände zu benennen oder verschiedene Aussprachen von Wörtern auszuprobieren. Eine Studie hat beispielsweise dargelegt, dass vor sich hinredende Kinder Rätsel schneller lösen konnten, als diejenigen Kinder, welche die Rätsel still gelöst haben. Es ist also bewiesen, dass Selbstgespräche bei Kindern beispielsweise den Lernvorgang beschleunigen.

Wann und wie oft wir erwachsenen Menschen mit uns selbst reden, liegt in unserer Biografie. Laut diversen Studien sprechen introvertierte Menschen mehr mit sich selbst als extrovertierte. Impulsive Menschen hingegen tendieren öfter dazu, mit sich selbst zu reden, als kontrollierte Menschen. Die Häufigkeit von Selbstgesprächen von Menschen mit gewissen Eigenschaften, ist wohl weniger überraschend, wenn man mal betrachtet, wieso wir überhaupt mit uns selber reden.

Gründe für unsere Selbstgespräche

Es gibt diverse Erklärungen, weshalb wir Gespräche mit uns selbst führen. Etwas was ich besonders oft bei meiner Recherche gelesen habe, war der Begriff „Ventil“. Selbstgespräche werden oft als Ventil beschrieben, welches uns hilft unsere Impulse zu kontrollieren und zu regulieren. Selbstgespräche finden jedoch nicht nur in Krisen- oder Stresssituationen statt, sondern können auch während positiven Ereignissen stattfinden. Hier einige beschriebene Beispiele:

  • Einsamkeit:
    Manche Menschen sind einsam, besonders während der Covid-19 Pandemie ist das Gefühl der Einsamkeit erheblich gestiegen. Man vermutet, dass der Körper unbewusst so die verbrachte Zeit in Isolation mit sozialen Interaktionen zu kompensiert um sich weniger einsam zu fühlen. Diverse Menschen haben dies bereits „bestätigt“, in dem sie meinten, die Häufigkeit ihrer Selbstgespräche nahm während der Pandemie zu.
  • Stress und Emotionen:
    Während wir Stress oder überwältigende Gefühle verspüren, beginnen wir mit uns selber zu reden, um uns selbst und unsere Gedanken zu sortieren und einen Gang runterzuschalten.
  • Eigenkritik:
    Oft schimpfen wir uns aus, nachdem wir einen Fehler gemacht haben. Und ja, auch Schimpfausrufe wie „Shit“ oder „Man“ gehören dazu.
  • Konzentration:
    Beim Aufbau eines Möbelstücks oder beim Schreiben der Einkaufsliste kommt es öfter einmal vor, dass wir den nächsten Arbeitsschritt oder die nächste Leckerei laut vor uns hinsagen.
  • Motivation und Lob:
    Egal ob wir im Endspurt unserer Joggingroute sind oder uns gerade durch die letzte Stunde bei der Arbeit quälen. Wir haben doch bestimmt alle diesen Gedanken „Bald geschafft“ im Kopf. Und wenn wir die letzten Meter oder auch letzte Stunde hinter uns gebracht haben, loben wir uns ab und zu einmal. Denn Eigenlob stinkt ganz und gar nicht.

Selbstgespräche als Symptom

Oftmals assoziieren wir Selbstgespräche mit diversen psychischen Krankheitsbildern wie beispielsweise schweren Depressionen, Demenz oder Schizophrenie. Ich kann euch jedoch beruhigen: Nur in den seltensten Fällen sind Selbstgespräche, nebst den unzähligen anderen Symptomen, ein klares Anzeichen einer Psychose.

Menschen mit einer schweren psychischen Erkrankung wiederholen oftmals denselben Satz immer wieder laut, schimpfen vor sich hin oder reden in einer lauten Lautstärke in beispielsweise Bahn und Bus mit sich selbst. Psychologen bezeichnen ganz oft diese Art von Kommunikation nicht als Selbstgespräche, da die psychisch erkrankten Menschen aus ihrer Sicht mit anderen sprechen. Mit „anderen“ sind hier Menschen, Stimmen oder sonstige anwesende Gesprächspartner gemeint, welche nicht wirklich da sind. Die Erkrankten nehmen das Gespräch viel weniger als ein Selbstgespräch war, da sie sich mit einem Gesprächspartner unterhalten, welchen sie als anwesend wahrnehmen.

Selbstgespräche während dem Alltag sind daher kein Anzeichen an einer Erkrankung, weder noch bedeutet das, dass man irre ist. Denn die Wissenschaft hat bewiesen, dass Selbstgespräche ganz oft eine sehr positive Auswirkung auf uns haben kann.

Die Benefits der Selbstgespräche

Selbstgespräche können eine erheblichen Einfluss auf unser Selbstbild und auf unsere Einstellung haben. Um von den Gesprächen mit sich selbst profitieren zu können, kommt es darauf an, auf welche Art man mit sich selber spricht. Negative Aussagen gegenüber uns selbst können uns unsicher, unzufrieden, traurig oder sogar wütend machen. Es kann schliesslich dazu führen, dass diese negativen Aussagen zu einer persönlichen, negativen Meinung werden und uns das Gefühl gibt, es laufe alles schief.

Mit unseren Selbstgesprächen verbessern und erweitern wir unsere eigene Google Suchmaschine. Bei Gesprächen mit uns selber hört unser Gehirn besonders genau hin und speichert Informationen ab, auf welche wir jederzeit wieder zurückgreifen können. Wenn wir einen Eintrag in unserer Datenbank brauchen, weiss das Gehirn genau, wo es sich befindet und ruft diesen sekundenschnell ab. Mit sich selbst zu reden, fördert also die Datensicherung und kann als ein gutes Gedächtnistraining genutzt werden.

Das Lautdenken ein effizienteres Arbeiten fördert, hat eine Studie von zwei Psychologen gezeigt. Probanden der Studie, welche die Fragen laut vor sich hinsagten, konnten sich während der Arbeit besser konzentrieren, erinnern und haben die besten Ergebnisse erzielt. Ebenfalls fand man heraus, dass analytische Fragen wie „Wenn ich das so anschraube, hält es dann besser?“ hilfreicher waren als selbstkritische Kommentare über einen selbst. Diese hatten nämlich keinerlei positiven Effekt.

Mit dem Gespräch mit sich selbst, ist es tatsächlich möglich, sich selbst gut zureden. Von einigen Psychologen wird es sogar empfohlen, sich jeden Morgen beispielsweise vor dem Spiegel ein Kompliment an sich selbst machen. Selbstgespräche sind somit nicht nur eine Gedächtnisstütze, sondern können sich tatsächlich positiv auf den Geist auswirken.

Das führen von Gesprächen mit sich selbst, ist also ganz im Gegenteil etwas verrücktes oder unnormales. Wir tun es alle seit wir Kinder sind, oftmals eben unbewusst. Und manchmal sollten wir es eben öfters einmal etwas bewusster tun.

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