In der Serie „Von damals für heute“, von der ich noch nicht weiss wie lange sie werden wird, stelle ich Frauen vor, die mit ihrer einzigartigen Gabe, originellen Ideen oder furchterregenden Art die Welt bis heute faszinieren. Heute berichte ich von Dorothea Christiana Leporin, die erste deutsche Ärztin.

Wer will, der kann

Dorothea Christiane Erxleben wurde am 13. November 1715 in Quedlinburg (damals Heiliges Römisches Reich, heute Deutschland) geboren. Sie war die erste deutsche Ärztin überhaupt und beendete ihr Studium sogar mit Bestnote. Damals war das eigentlich undenkbar, dass eine Frau studierte. Frauen sollten heiraten und den Haushalt machen. Die akademischen Berufe blieben der Männerwelt vorbehalten. Erxleben war die komplette Ausnahme: Denn sie war nicht nur Ärztin, sie promovierte auch.

Wie der Vater so die Tochter

Dorothea lag die meiste Zeit ihrer Kindheit im Bett. Trotzdem oder eher genau deshalb war ihr Wissensdurst fast unersättlich. Sie lernte viel von ihrem Vater Christian Polykarp Leporin, der Arzt und Gymnasiallehrer war. Nur durch die Bettlägerigkeit konnte sie an dem Unterricht, den er ihren Brüder aus seinen Lehrbüchern erteilte, teilnehmen. Frauen wurden damals nicht ans Gymnasium gelassen und konnten dementsprechend auch kein Studium absolvieren. Trotzdem hat Dorothea es geschafft, ihre Geschwister akademisch bald zu überholen. Latein zum Beispiel brachte sie sich selbst bei, was zur damaligen Zeit ebenfalls eine Seltenheit war. Privatunterricht für Mädchen gab es höchstens noch in Französisch. Bald aber konnte ihr Vater sie nicht mehr unterrichten und er suchte sich Hilfe beim damaligen Rektor des Quedlinburger Gymnasiums Thomas Eckhard.

Kampf um Bildung

Mit 16 Jahren wusste sie, dass sie Medizin studieren will, doch damals war das als Frau nicht so einfach wie heute. Im Jahr 1742 veröffentlichte sie ihr erstes Buch mit dem Titel „Gründliche Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studieren abhalten, Darin deren Unerheblichkeit gezeiget, und wie möglich, nöthig und nützlich es sey, Daß dieses Geschlecht der Gelahrtheit sich befleiße, umständlich dargeleget wird.“ Es entstand durch ihren Frust gegenüber des Verbots, das es Frauen untersagte zu studieren. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand die erste Frauenbewegung, die sich für Bildungseinrichtungen für Frauen einsetzte. Dorothea durfte jedoch mit 21 Jahren ihrem Vater in der Praxis assistieren.

Friedrich II.

Als der junge Friedrich II. an die Macht kam, versuchte Dorothea ihr Glück und bat ihn um Erlaubnis, an der Universität mit ihrem Bruder studieren zu dürfen. Tatsächlich wurde sie an der Universität in Halle zugelassen. Als dieser jedoch später in den Krieg ziehen musste und Dorothea selbst mit dem Witwer Diakon Johann Christian Erxleben vermählt wurde, kam es nie zu ihrem Studiengang. Zudem bekamen sie und der Diakon zusammen vier Kinder, für die sie sorgen musste. Trotzdem hielt das Dorothea nicht davon ab, weiterhin in der Praxis ihres Vaters zu arbeiten.

Mit dem Tod ihres Vaters war sie nun alleine für die Arztpraxis zuständig. Doch als einer ihrer Patienten starb, wurde ihr medizinische Pfuscherei vorgeworfen, woraufhin sie sich mit einer schriftlichen Erklärung verteidigte und auf die königliche Erlaubnis hinwies, die sie damals von Friedrich II bekommen hatte – mit Erfolg! Erxleben wurde dazu aufgefordert, ihre Doktorarbeit nachzureichen, was sie gewissenhaft tat. 1754 erlangte sie als erste Frau in Deutschland die Doktorwürde. Bis zu ihrem Tod, dem 13. Juni 1762, praktizierte sie als Ärztin.

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