Seit 2011 herrscht in Syrien Krieg. Was als friedliche Demonstration begann, in zu einem gigantischen Chaos geworden. Über eine halbe Million Menschen wurde seit Kriegsbeginn getötet, mehr als 5,5 Millionen flohen. Unzählige Milizen kämpfen gegen Syriens Diktator Assad. Sie alle haben aber ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was aus Syrien werden soll. Die Terrororganisation Islamischer Staat hat international für Angst und Schrecken gesorgt und ist später durch europäische Luftangriffe wenigstens militärisch geschlagen worden. Zu Beginn des Kriegs gab es nicht einen Tag, wo nicht in den Medien darüber berichtet wurde. Zwischenzeitlich hörte man dann praktisch nichts mehr, doch seit rund einer Woche ist der Krieg in Syrien um ein Kapitel reicher. Die USA haben nämlich ihre Truppen aus Nordsyrien abgezogen. Dies hat eine Kettenreaktion in Gang gesetzt. Höchste Zeit, sich die Interessen der unterschiedlichen Kriegsparteien wieder in Erinnerung zu rufen.

Kampf gegen das Assad-Regime

Die Demonstrationen gegen das Assad-Regime begannen im Jahr 2011. Als das Regime auf die friedlichen Demonstrationen mit Gewalt reagierte, griffen die Syrerinnen und Syrern zu den Waffen. Zu Beginn kämpften sie nur um ihre Städte und Dörfer zu schützen, später mit dem Ziel, den Diktator Assad zu stürzen. Durch diesen nun militanten Aufstand verlor das Regime die Kontrolle über einen Grossteil des Landes. Dank dem Eingriff von Iran und Russland gelang es Assad aber, die verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Das Ziel von Präsident Assad ist die erneute Kontrolle von ganz Syrien durch ihn selbst. Um dieses Ziel zu erreichen, führt er einen gnadenlosen Krieg gegen die Rebellen. Dabei schreckt er nicht von Angriffen auf Zivilisten oder zivile Infrastruktur ab. Versuche von westlichen Ländern, Assad auf politischem Weg zu stoppen, sind gescheitert.

Seit dem Abzug der amerikanischen Truppen von letzter Woche hat sich Assads Einflussgebiet noch vergrössert. Die kurdischen Rebellen, die den Nordosten Syriens unter Kontrolle hatten, wurden von der türkischen Armee angegriffen. In höchster Not wandten sie sich daraufhin an Assad, denn nur durch seine Hilfe haben die Kurden eine Chance, nicht von der türkischen Armee abgeschlachtet zu werden. Dieser Schritt bedeutet das Ende der kurdischen Selbstverwaltung im Nordosten Syriens und eine willkommene Möglichkeit für Assad, sein Einflussgebiet wieder weiter auszudehnen.

So sieht es in vielen Regionen in Syrien aus. Hier im Bild die Stadt Aleppo.

Der Iran

Der Iran gehört zu den wichtigsten Verbündeten von Diktator Assad. Die mit dem Iran verbundene und vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz unterstützt Assad in seinem Krieg gegen die Rebellen. Der Iran will durch sein Engagement im Syrienkrieg seinen regionalen Einfluss vergrössern. Ziel ist ein durchgängiges Einflussgebiet von Jemen bis zum Libanon. So soll auch der gemeinsame Feind Irans und Syriens, Israel, eingekesselt werden. Ideologisch stellt sich der Iran als Schutzmacht der Schiiten dar. In Syrien sind diese zwar in der Minderheit, doch sie besetzen die gesamte Regimeführung.

Russland

Russland ist der wichtigste Verbündete von Assad. Seit 2015 greift Russland mit Luftangriffen in den Krieg ein. Offiziell geht es dabei um die Vernichtung des Islamischen Staats, inoffiziell treffen die Angriffe die Rebellen. Dank dieser Interventionen gewann Assad die Kontrolle über grosse Teile des Landes zurück. Assad wird von Russland unterstützt, weil er mehr oder weniger eine Marionette ist. Durch ihn soll Russlands regionaler Einfluss gewährt bleiben. Der Syrienkrieg stellt auch einen Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den USA dar. Während Russland auf der Seite von Diktator Assad steht, unterstützen die USA die kurdischen Rebellen. Nach dem Abzug der amerikanischen Truppen vor rund einer Woche kann sich Russland als Sieger dieses Duells der Grossmächte betrachten. Angst vor irgendwelchen Konsequenzen muss Russland dank seines Vetos im UNO-Sicherheitsrat keine haben.

Die Rebellen

Es gibt zahlreiche Rebellengruppen, die sich alle voneinander mehr oder weniger unterscheiden. Sie eint aber der gemeinsame Kampf gegen das Regime von Präsident Assad. Seit dem Eingriff Russlands verloren die Rebellen das von ihnen erkämpfte Territorium grösstenteils wieder. Mittlerweile geht es bei den Rebellengruppen eigentlich nur noch um das Überleben im grossen Kriegschaos.

Die Kurden

Die Kurden machen einen grossen Teil der Rebellen aus. Sie wollen den Syrienkrieg nutzen, um einen eigenen Staat aufzubauen. Sie waren Verbündete der USA, da beide, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven, den Islamischen Staat bekämpften. Bis vor rund einer Woche kontrollierten sie den Nordosten Syriens. Als die USA ihre Truppen abzog, nutzte dies die türkische Armee für einen Angriff auf die ihnen verhassten Kurden. Diese hatten die Wahl zwischen dem Untergang oder dem Ende ihrer Autonomie. Sie wählten letzteres und unterwarfen sich Assad, damit dieser sie beschützt.

Der Traum eines kurdischen Nationalstaats ist für die Kurden in weite Ferne gerückt.

Der Islamische Staat

Dem Islamischen Staat gelang es während dem Krieg grössere Teile Syriens zu erobern. Dies wurde unter anderem durch die Hilfe von Saudi-Arabien, das den radikalen Gruppen in Syrien ideologisch nahesteht, möglich. Saudi-Arabien führt in Syrien mithilfe des Islamischen Staats einen Stellvertreterkrieg gegen den Iran, bei dem es um die Position der stärksten Regionalmacht geht. Das Ziel des Islamischen Staats ist die Gründung eines Kalifats. Um dieses errichten zu können, kämpft er gegen alle anderen Kriegsteilnehmer. Seit den Luftangriffen der internationalen Antiterrorallianz sowie Russland ist der Islamische Staat militärisch weitgehend geschlagen. Im Zuge des Angriffs der Türkei auf die Kurden vor rund einer Woche gelang jedoch hunderten von inhaftierten Kämpfern und Sympathisanten des Islamischen Staats die Flucht. Seitdem sorgen sich die westlichen Staaten vor einem Wiedererstarken des Islamischen Staats.

Die Türkei

Zu Beginn des Kriegs war der Sturz Assads das erklärte Ziel der Türkei. Zu diesem Zweck unterstützte Erdogan verschiedene Rebellengruppen. Mittlerweilen ist das Hauptmotiv nicht mehr der Sturz Assads, sondern die Verhinderung eines autonomen Kurdenstaats. Nach dem Abzug der amerikanischen Truppen startete die Türkei eine Offensive, um die Kurden zu vernichten. Diese suchten Schutz beim syrischen Präsidenten Assad, der mit Russland verbündet ist. Somit stehen sich indirekt die Türkei und Russland gegenüber. Eine Konfrontation scheint aber unwahrscheinlich, vielmehr könnte es einen Deal geben, wonach die Türkei ihre geforderte Pufferzone an der syrischen Grenze erhält, sowie Assad den Rest des Kurdengebiets.

Die USA

Den USA geht es in erster Linie um die Ausrottung des Islamischen Staats. Als nützlichster Partner erwiesen sich die Kurden, die die USA zum Missfallen der Türkei unterstütze. Die USA flogen auch selbst zahlreiche Luftangriffe gegen den Islamischen Staat. Mit dem Truppenabzug von letzter Woche haben sie die Kurden der Türkei zum Frass vorgeworfen und indirekt den Ausbruch islamistischer Kämpfer ermöglicht. Wie es mit Syrien und ganz speziell mit den Kurden weitergeht, steht nun nach dem amerikanischen Truppenabzug mehr denn je in den Sternen.

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