`Depressionen sind ein schwieriges Thema. Als Freund oder Freundin kann man sich schnell überfordert fühlen, wenn ein geliebter Mensch an Depressionen leidet. Die Frage, wie man am besten mit einer depressiven Person im Freundeskreis umgeht, beschäftigt viele. Es ist wichtig, dass man als Angehörige das Krankheitsbild einer Depression richtig versteht und die Krankheit ernst nimmt.

Depressionen ist die am häufigsten verbreitete, auftretende psychische Erkrankung in der Schweiz. Rund 9% der Bevölkerung leidet an Depressionen. Zahlen und Studien zeigen, dass jeder fünfte Mensch durchschnittlich mindestens einmal im Leben von Depressionen betroffen sein wird. Hier ist es ganz egal, in welcher Einkommensklasse jemand ist, wie seine Lebensqualität ist oder wie gut sein Leben generell ist. Es kann Jeder und Jede ganz plötzlich treffen.

Da die Zahl der Betroffenen so hoch ist, ist die Chance umso grösser einmal im Leben einen depressiven Freund oder eine depressive Freundin zu haben. Deshalb ist es umso wichtiger, das Krankheitsbild zu verstehen, um nicht noch mehr Schaden bei der depressiven Person zu verursachen.

Die Krankheit sucht in einem selbst immer das Negative im Leben. Die Depression vergrössert die negativen Aspekte, die sie findet und rückt sie so ins Zentrum. Menschen mit psychischen Erkrankungen sind oft auf die Hilfe aus ihrem sozialen Umfeld angewiesen und zählen auf Unterstützung. Wie unterstützt man aber Jemanden, dessen Alltag an Motivation und Hoffnung mangelt und keine Freude mehr empfindet und sich am liebsten nur noch zurückziehen möchte?

Das Krankheitsbild der Depressionen

  • Depression ist eine eigenständige Erkrankung, die nicht unbedingt als Folge von schwieriger Lebensumstände ausgelöst wird.
  • Betroffene haben keine Schuld an der Erkrankung. Sie haben das Pech, die Veranlagung zu Depressionen bekommen zu haben.
  • Die Erkrankten sind nicht für die Heilung verantwortlich. Genauso wie bei anderen Krankheiten wie Fieber oder Husten Ärzte und Ärtzinnen für die Heilung verantwortlich sind, sind auch bei Depressionen die Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen verantwortlich.
  • Betroffene können ihre Beschwerden zu Beginn nicht einordnen bzw. sind sich nicht bewusst, dass es sich um Depressionen oder einer anderen psychischen Störung handelt. Oftmals spielen sie ihre Symptome, Traumata oder Gefühle mit Witzen herunter, sodass Angehörige sich keine Sorgen machen.
  • Menschen mit Depressionen leiden unter einem vermindertem Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, an Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, vermindertem Appetit, Gefühle von Wertlosigkeit, Schlaflosigkeit oder zunehmenden Ängsten. Oftmals verlieren Betroffene ihr Interesse an ihren Hobbys oder an Dingen, die ihnen Spass machen. Nicht allzu selten können nach eine Weile Suizidgedanken hinzukommen.

Umgang mit einem depressiven Menschen

Erkrankte fühlen sich durch ihre Depressionen erschöpft, hoffnungslos, geben sich oft selbst die Schuld und schämen sich über ihren Zustand. Durch diese Gefühle fehlt es ihnen an Initiative, sich Hilfe zu holen. Aus diesen Gründen ist es umso wichtiger, die erkrankte Person zu motivieren. Betroffene sollen motiviert werden, sich bei professionellen Fachärzten bzw. Fachärztinnen Hilfe zu holen.

Um selber Belastungen zu vermeiden durch „zu viel helfen wollen“ können Angehörige meistens den Betroffenen oder die Betroffene oft nur dabei unterstützen, eine Behandlung durchzuführen und diese durchzuhalten. Als Freund oder Freundin kann man die erkrankte Person dazu ermutigen, sich helfen zu lassen. Um den ersten Schritt zu gehen, kann man auch gemeinsam den ersten Termin beim Facharzt oder der Fachärztin vereinbaren. Man sollte aber beachten, dass man jemanden nur helfen kann, wenn er oder sie auch wirklich die Hilfe annehmen will.

Es gilt also die Hilfe zwar anzubieten, diese aber nicht jemandem aufzuzwingen oder jemanden zu überreden. Man kann lediglich die betroffene Person beim ersten Schritt begleiten. Gehen muss er oder sie ihn hauptsächlich selber. Man kann das Ganze wie einen Gehstock betrachten: Der Mensch muss selber die Schritte gehen, der Gehstock ist die Hilfe und die Stütze dazu. Der Betroffene oder die Betroffene muss so also lernen ein minimales Ausmass an Selbsthinsicht zu haben, diese wird später bei der Behandlung auch gebraucht.

Meistens reicht es also den depressiven Freund oder die depressive Freundin mit einfachen, kleinen Sätzen wie „ich bin für dich da, falls du mich brauchst“ oder „ich kann dir helfen einen Termin beim Arzt zu kriegen“ seine Hilfe anzubieten. Und das ganz ohne Druck aufzubauen.

Den Freund oder die Freundin motivieren und aktiv halten

Bei Menschen, bei denen die Depression noch nicht sehr weit fortgeschritten ist, hilft es, sie regelmässig zu motiveren. Eine Person, die an einer leichten Depressoion leidet, sollte man nicht mit Samthandschuhen anfassen. Lade deinen Freund oder deine Freundin regelmässig zum Spazieren oder zu einer gemeinsamen Aktivität ein um ihn oder sie aktiv zu halten. Menschen mit Depressionen können sich oftmals selber nicht aufraffen, obwohl sie das gerne tun würden, wenn sie könnten. Ihnen fehlt oftmals die Energie und Lust dazu es selber zu tun. Die meisten Personen, die an Depressionen leiden, sind dankbar, wenn es Leute gibt, die sie aus dem Haus holen.

Sollten diese Personen jedoch jedes Mal ein klares „nein“ kommunizieren oder einem Gefühle übermitteln, als würde man auf ihnen Druck ausüben, sollten diese Befürchtungen angesprochen werden. Es hilft, die Betroffenen zu fragen, ob er oder sie sich unter Druck gesetzt fühlt. Man spricht damit nur das aus, was sowieso schon da ist. Es kann gut sein, dass einem schliesslich die Hände gebunden sind, denn man kann niemanden rauszerren oder zu etwas zwingen, was der oder die Betroffene nicht möchte.

Was soll ich tun, wenn es mich als Freund bzw. Freundin anfängt zu belasten?

Eine Erkrankung eines geliebten Menschens ist verständlicherweise auch für Verwandte und Freunde eine bedeutsame Belastung. Diese ist auch ernst zu nehmen. Oftmals können Angehörige überfordert, unsicher oder können das Verhalten ihres geliebten Menschen nicht einordnen und verstehen. Diese Gefühle von Überforderung und Unsicherheit können sich durch Ärger, Vorwürfen oder das Gefühl, die erkrankte Person liebt einen nicht mehr, zeigen. Einige Angehörige leben auch mit einer ständigen Sorge, dass der oder die Erkrankte sich etwas antun könnte.

Als Angehöriger oder Angehörige kann in einem das Bedürfniss, sich zurückziehen zu wollen, entwickeln. Wer dieses Bedürfnis hat, sollte dies auch der depressiven Person offen und ehrlich mitteilen. Wer es nicht anspricht und es einfach im Stillen tut, gefährdet die Beziehung oder die Freundschaft potenziell.

Es ist wichtig, dass beide Seiten eingestehen, dass es weder die Aufgabe von Verwandten noch Freunden ist, die Depression zu heilen. Die einzige Aufgabe die Angehörige erfüllen können ist es den Kontakt zu halten, zu signalisieren, dass man für einen Menschen da ist, und Mut zu machen, die Behandlung durchzuhalten

Hilfe für Betroffene

Leidest du oder Jemand den du kennst unter einer psychischen Krankheit? Hast du sonstige Sorgen oder Probleme, die dich belasten?

Hier erhältst du Hilfe:

Beratung:
Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)
Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)
Kirchen (Seelsorge.net)
Hotline bei Angststörungen und Panik, Tel. 0848 801 109
Selbsthilfegruppen
Kinderseele, Onlineberatung für Kinder psychisch kranker Eltern

Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:
Nebelmeer – Perspektiven für suizidbetroffene Jugendliche (Nebelmeer.net);
Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);
Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

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