Ob wir nun an einem Strand in Irland spazieren, in einem Fischerhafen in der Bretagne stehen oder an der Küste von Thailand Urlaub machen, man bemerkt die Bewegungen des Wassers. Weisst du was Flut und Ebbe ist?
Die Anziehungskraft des Mondes
Mal zieht sich das Meer zurück, legt glitzernde Sandbänke frei und lässt Boote auf dem Schlick liegen. Stunden später füllt sich die Bucht wieder, bis das Wasser an die Kaimauern schwappt. Dieser Wechsel aus Ebbe (niedriger Wasserstand) und Flut (hoher Wasserstand) wirkt wie ein uraltes Atmen der Ozeane. Die Hauptursache dafür? Der Mond, der auf den ersten Blick weit entfernt und unbeteiligt scheint. Der Mond übt Gravitation auf die Erde aus, genauso wie die Erde ihn anzieht. Diese Anziehungskraft wirkt auch auf das Wasser in den Ozeanen. Da Wasser beweglich ist, reagiert es deutlicher auf diese Kräfte als fester Boden.
An der Seite der Erde, die dem Mond zugewandt ist, zieht die Gravitation das Meerwasser leicht in seine Richtung. Es entsteht ein Bereich mit höherem Wasserstand: die Flut.
Auf der mondabgewandten Seite der Erde gibt es ebenfalls eine Flut. Sie entsteht, weil sich Erde und Mond um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen. Diese Bewegung erzeugt eine Fliehkraft, die das Wasser auf der Rückseite von der Erde wegzieht. So entstehen auf der Erde zwei Flutberge gleichzeitig, einer mondnah, einer mondfern. Dazwischen liegt jeweils die Ebbe.

Der tägliche Rhythmus
Da sich die Erde in 24 Stunden einmal um ihre Achse dreht, wandert jede Küste durch diese beiden „Wasserberge“. Das führt in den meisten Küstenregionen zu zwei Ebben und zwei Fluten pro Tag, jeweils im Abstand von etwa 6 Stunden und 12 Minuten. Warum nicht genau 6 Stunden? Weil der Mond sich währenddessen ebenfalls um die Erde bewegt. Für eine komplette Erdumdrehung in Bezug auf den Mond braucht es etwa 24 Stunden und 50 Minuten, deshalb verschieben sich die Gezeiten jeden Tag um etwa 50 Minuten.
Auch die Sonne spielt eine Rolle
Der Mond ist zwar der Hauptakteur, doch auch die Sonne spielt mit. Sie ist zwar noch viel weiter entfernt, aber ihre enorme Masse sorgt ebenfalls für eine merkliche Anziehung. Wenn Sonne, Mond und Erde in einer Linie stehen (bei Vollmond und Neumond) wirken sie gemeinsam und das Resultat sind besonders hohe Fluten und besonders niedrige Ebben, die Springtiden.
Stehen Sonne und Mond dagegen im rechten Winkel zueinander (bei Halbmond), schwächen sich ihre Kräfte ab. Es entstehen kleinere Wasserstandsunterschiede: die Nipptiden.
Was wenn wir keinen Mond hätten, weil Gru ihn mit den Minions gestohlen hätte?
Würde der Mond verschwinden, gäbe es weiterhin Gezeiten, allerdings deutlich schwächere, nur noch durch die Sonne verursacht. Statt mehrerer Meter Unterschied wären es in vielen Regionen nur noch einige Dutzend Zentimeter. Küstenökosysteme wie Wattgebiete würden drastisch verändert, und viele Tierarten, die sich nach den Gezeiten richten, könnten nicht überleben.

Der Mensch und die Gezeiten
Seit Jahrtausenden beobachten Menschen Ebbe und Flut. Frühe Seefahrer richteten ihre Abfahrtszeiten nach dem Stand des Wassers. Fischer wussten, wann das Meer ihnen die besten Fangmöglichkeiten bot.
Heute werden Gezeiten präzise berechnet, wichtig für Schifffahrt, Küstenbau, Offshore-Windparks und sogar für die Energiegewinnung: Gezeitenkraftwerke nutzen den Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut, um Turbinen anzutreiben.
Was ist deine Erfahrung mit Flut und Ebbe?