Es gibt kaum ein Mensch, der sie noch nie getragen hat – Fast Fashion. Die super billige Mode ist bei allen heiss begehrt, kein Wunder. Im Gegensatz zu anderen Produkten kostet sie oft nicht mal die Hälfte von dem, was man sonst bezahlt. Die Frage ist nur: Woher kommen diese tiefen Preise? Das kann man beantworten, sobald man sich die Produktionsumstände ansieht.

Aus dem Nichts an die Spitze der Fashion Industrie auf Kosten anderer

Kaum ein Label ging so durch die Decke wie SHEIN vor wenigen Jahren. Innert kürzester Zeit zählte es zu den meist besuchten Internetshops der Welt. Alleine im Jahr 2020 hat SHEIN schätzungsweise 8,6 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Doch nicht nur die Zahl des Verdienstes ist so hoch, auch die Anzahl an neuen Kleidungsstücken ist immens.

Quelle: simplicissimus/YouTube

Tagtäglich werden zwischen 7000 und 8000 neuen Designs im Onlineshop angeboten. Zum Vergleich: ZARA bietet jeden Tag 200 neue Kleidungsstücke an. In diesem Fall hat die Marke wohl die besten Designer der Welt, die unendlich viele Ideen haben und vor Kreativität nur so sprudeln. Stimmt! Die hat SHEIN. Nur halt ohne deren Wissen und ohne, dass die Designer etwas dafür bekommen. Oder wie man es besser ausdrückt; Sie klauen. Sie kopieren die Ideen der kleinen Designer, die auf Instagram ihre Werke veröffentlichen um verkaufen zu können.

Quelle: Pin auf Lana (pinterest.at)

Das ist unglaublich: Die können sich Designer und ihre eigenen Designs leisten. Die haben so viel Macht! Ihnen sind kleine Unternehmen völlig egal.

So die schwedische Designerin Eliza (elizations) in einem Interview mit dem Funk YouTube Kanal Offen un‘ ehrlich.

Eliza ist nur ein Beispiel von vielen dafür, wie SHEIN die Ideen von Einzelpersonen klaut. Jetzt fragt man sich vielleicht, warum man die Firma nicht einfach verklagt. Erstens ist es als kleiner Designer sehr schwer, einen chinesischen Grosskonzern zu verklagen und zweitens ist das Urheberrechtsgesetz in der Modebranche veraltet. Um „““fair zu bleiben“““: SHEIN ist bei weitem kein Einzelfall, was das Übernehmen von schon vorhandenen Designs angeht. Auch EMMIOL und AliExpress, sowie andere chinesische Grosshändler ziehen die Masche durch.

Billiger Kaufpreis = billige Herstellung

10CHF für ein Kleid, 5CHF für ein T-Shirt und maximal 20CHF für eine Jacke – ein Paradies für alle, die beim shoppen nicht zu tief in die Tasche greifen wollen. Die Hölle für alle, die sich jeden Tag in den Fabriken abarbeiten und das zu den schlimmsten Arbeitsbedingungen. Da ist ein 11 Stunden Tag nicht selten. Viele der Arbeiter nehmen dieses Pensum „freiwillig“ in Kauf. Sie kommen aus ärmeren Regionen Chinas und hoffen in Guangzhou, die Region aus der die meisten SHEIN Produkte stammen, so viel Geld wie möglich verdienen zu können. Das passiert aber auch nur, weil die Arbeiter pro Kleidungsstück so wenig verdienen, dass ihr Lohn zu normalen Arbeitszeiten nicht ausreicht. So kommt es dazu, dass das Material zu Spottpreisen an uns verkauft werden kann. Doch nicht nur die illegalen Arbeitsgewohnheiten sind ein Problem. Die Clean Clothes Campaign, die sich für bessere Arbeitsrechte einsetzt, hat es geschafft sich undercover ein Bild von verschiedenen SHEIN Fabriken zu machen. Dabei stellten sie fest, dass die Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten werden und es keinerlei Brandschutz oder Notausgänge gibt, was extrem gefährlich ist.

Plastik, Plastik… Polyester!

Nicht nur die niedrigen Löhne der Arbeiter ermöglichen uns so tiefe Kaufpreise. Natürlich hängt es auch immer davon ab, aus welchem Material die Kleidung besteht. Viele Grosskonzerne legen daher auf Polyester. Das Problem: Die Kleider werden meist nur bis zu einem Jahr getragen, bis sie im Müll landen. Dazu kommt, dass die Kleidung feinste Mikroplastik Partikel abgeben sobald wir schwitzen. Das landet dann in der Natur und schlussendlich irgendwann im Meer, was weder uns noch den Tieren gut tut, die im Wasser leben.

Werbung ausschliesslich mit Influencer

Quelle: https://youtu.be/Hq0LOeD3IrE

BibisBeautyPalace, xlaeta, Dagi Bee, sie alle machen es vor: Kaufen, kaufen, kaufen! SHEIN wirbt fast nur mit Influencer. Und auch wenn man sich dabei fragt, wie man so eine Marke unterstützen kann, ist es eine ziemlich intelligente Methode. Viele junge Menschen vertrauen ihrem Idol und hinterfragen die tiefen Preise nicht. Denn was die liebe Bibi kauft, das ist dann wohl ja auch gut, oder? Das unfassbar schnelle Wachstum von SHEIN wird fast nur von Influencer durch sogenannte „Hauls“ gefördert. Indirekt unterstützen sie damit die Arbeitsbedingungen der Angestellten und bestärken das Unternehmen genau so weiter zu machen wie bisher. Den jungen Zuschauern wird dabei vorenthalten wie die bittere Wahrheit aussieht.

Was du dagegen tun kannst

Als Einzelperson wirst du nicht die ganze Masche stürzen können, aber du kannst versuchen auf solche Marken zu verzichten. Kauf dir Kleidungsstücke, die zwar mehr kosten, aber von denen du länger etwas hast. Und natürlich: Die Herstellung von Sachen wird niemals 100% ökologisch sein, aber ein paar sind es mehr als andere. Und besser jetzt handeln als gar nie, denn wenn wir so weiter machen wie jetzt, dann haben wir alle ein grosses Problem.

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