2022. New Year, New Me. Ein neues Ich im neuen Jahr. Bereit mich zu ändern, meine tiefsten Wünsche zu erfüllen und die alljährlichen Vorsätze endlich zu erfüllen.

Während wir um Mitternacht noch mit 1.2 Promille angestossen haben und uns die Bäuche mit Muffins und Teigwaren füllten, starte ich morgen eine Low-Carb-Diät. Ich treibe drei Mal die Woche Sport, um endlich meine Traumfigur zu erreichen und ich trinke ab heute keinen Alkohol mehr. Höre auf zu Rauchen und lerne ab sofort bereits eine Woche zuvor für anstehende Prüfungen.

Denn wie ich bereits sagte: New Year, New Me. Weil eine Nacht mein Leben von einem Schlag auf den anderen ändert, weil eine 22 nach dem 20 mich zu einem besseren Menschen macht und ich mich seit dem 12 Glockenschlag wie neu geboren fühle. Ist klar. Selbstverständlich.

New Year, New Me.

Ich lüge nicht mehr (auch keine sogenannten Notlügen), lasse die Finger von Süssigkeiten und fahre dem Tempolimit entsprechend Auto. Ich tanze nicht mehr ganz so verrückt, inmitten der Strasse und lasse mich nicht auf Abenteuer ein, die nicht ganz legal sind. Ich verzichte auf Roadtrips in der dunklen Nacht und versuche mich in die Gesellschaft einzureihen.

New Year, New Me.

Das neue Jahr ist der perfekte Grund sich zu ändern, etwas im Leben zu ändern und seine Fehler zu hinterfragen und gelegentlich auszubessern. Wir stossen prostend die Gläser zusammen «Auf ein frohes neues Jahr!» rufen wir laut in die Runde. Umarmen und sprechen uns Glückwünsche zu. Dann schreiben wir unsere tiefsten Wünsche auf einen Zettel und lassen sie im Lagerfeuer verbrennen. Mit dem Glauben, dass ein neues Jahr und die Wünsche an einen Neustart alles besser macht. Alles ist an das alte Jahr vergessen, die Sünden sind begraben und wir stossen darauf an. Laut grölend zu Schweizer Musik, die aus den Boxen wummert.

New Year, New Me.

Neujahrsvorsätze sind doch bloss für das eigene Wohlbefinden, um das eigene Gewissen zu besänftigen und sich einzureden, dass doch dieses Jahr «Das beste Jahr des Lebens wird!»

Ja wirklich, schreie ich hinaus, 2022 wird mein Jahr, unglaublich grossartig, ihr werdet schon sehn. Ich pack es an. Auf jeden Fall, ein Hoch auf uns, ein Hoch auf alle die es anpacken und dieses neue Jahr grossartig machen. Aber ganz ohne Diäten, die doch niemand einhält. Ich lebe für Kartoffeln und Brot, und Brownies ohnehin. Ich lebe für ein kleines Abenteuer mitten in der Nacht und ich würde Pferde stehlen mit meinen Liebsten, auch wenn es vielleicht ein bisschen illegal ist. Nur ein kleines bisschen. Aber das muss ja keiner wissen. Und auch von der wilden Nacht damals muss keiner Erfahren.

Den Tag nach Silvester schlafe ich lange aus, treibe keinen Sport, albere mit einer Freundin auf den Strassen herum und lache über Momente aus den vergangenen 12 Monaten. Halte mir den Bauch dabei und japse nach Luft. So lässt sich mein Jahr gut beginnen, ein Jahr ohne Vorsätze, die ich ja doch nicht einhalten werde. Vielmehr werde ich das pure Gegenteil ausleben und versuchen mir das neue Jahr bis zum Beginn einer Altersdemenz einzuprägen.

Ende 2022 möchte ich das Jahr hochpreisen und es feiernd hinter mir lassen, ohne zu verzichten und mit ganz vielen grossartigen Momenten.

Denn das habe ich auf meinen Zettel geschrieben, den wir letzte Nacht verbrannten und in den Sternenhimmel entliessen.

«Ganz viele grossartige Momente mit meinen Liebsten.»


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