«Erzählt weiterhin eure mutigen Geschichten»
Ann Mayer – Schauspielerin, Moderatorin und Filmjournalistin – über ihre Verbindung zu den Jugendfilmtagen, die Faszination am Filmset und den Weg zur Schauspielkarriere.
Olivia Glatz traf Ann Mayer anlässlich der Jugendfilmtage Zürich 2026.
ZUR PERSON
Bild: Fotos: Julien MayerAnn Mayer ist Schauspielerin und Performerin aus Basel. Sie arbeitete u.a. am Schauspielhaus Zürich, am Theater Basel und am Vorarlberger Landestheater, wirkt regelmässig in Schweizer Kino- und Fernsehproduktionen mit und ist in vielen ihrer Theaterproduktionen auch als Co-Autorin tätig. Seit 2024 studiert sie an der ZHdK im Master Theater mit Fokus auf Kreatives Schreiben.
DAS INTERVIEW
Ann, wie bist du zu den Jugendfilmtagen gekommen?
Ann: Ich hatte schon durch meinen Bruder vom Festival gehört – er war 2013 mit seinem Film «Today» im Wettbewerb. Ich kannte die Jugendfilmtage also, war aber selbst noch nie dabei. Dann wurde ich 2021 in die Jury berufen. Das war leider eine Online-Veranstaltung, was sehr schade war – aber die Atmosphäre im Team hat mir trotzdem sofort gefallen. Ich dachte mir: Ich würde sehr gerne Teil dieses Festivals sein und am liebsten moderieren. Ein Jahr später wurde ich tatsächlich gefragt. Seit 2022 mache ich das nun – dieses Jahr zum fünften Mal.
Was schätzt du an den Jugendfilmtagen besonders?
Ann: Was mich jedes Mal aufs Neue begeistert, ist, wie inspirierend es für mich und alle jungen Menschen hier ist, Filmkunst in diesem Rahmen zu erleben. Es ist ausserdem ein sehr sicherer Raum – das habe ich schon beim ersten Mal gespürt. Die Atmosphäre ist super und auch das Team: Ich habe bereits drei oder vier verschiedene Festivalleitungen erlebt, und es war jedes Mal eine tolle Stimmung. Die Leitung prägt das Team enorm, und irgendwie ist es ihnen immer gelungen, einen wunderbaren Zusammenhalt zu schaffen.
Du bist Schauspielerin – schaust du die Filme mit einem anderen Blick?
Ann: Meine Funktion hier ist nicht die Bewertung der Filme, sondern die Q&As mit den Filmemacherinnen und Filmemachern. Dabei schaue ich auf verschiedene Aspekte. Wenn ich bemerke, dass eine Schauspielerin oder ein Schauspieler besonders wichtig in einem Film ist, frage ich tiefer nach – zum Beispiel, wie sie sich vorbereitet haben. Das habe ich dieses Jahr zum Beispiel oft in der jüngeren Kategorie B gefragt, weil es mich überrascht hat, wie komplexe und auch traurige Themen in den Filmen thematisiert wurden. Im Grunde versuche ich, alle Aspekte des Filmemachens zu beleuchten: Woher kam die Geschichte? Was war die grösste Herausforderung?
Wie bist du selbst zur Schauspielerei gekommen?
Ann: Ich habe schon als Kind früh Theater gespielt. Aber nach der Maturität wollte ich eigentlich Filmregisseurin werden – ich spielte mit 18 in meinem ersten Film mit und war einfach fasziniert von der Energie am Set. Ich studierte dann Filmwissenschaft, spielte aber immer auch Theater. Mitte zwanzig merkte ich: Ich will auf der Bühne oder vor der Kamera stehen. Deshalb absolviere ich jetzt meinen Master an der ZHdK und möchte mich in den nächsten Jahren auf die Schauspielerei fokussieren.
Was hat dich an deiner ersten Erfahrung am Filmset so beeindruckt?
Ann: Es war dieses Projekt, das wir in der Schweiz und in Thailand drehten – ich reiste mit der ganzen Crew dorthin. Unglaublich aufregend. Aber was mich am meisten fasziniert hat, war das Handwerk: Am Set dreht man nicht chronologisch. Ich verstand zunächst nicht, warum Kostümbildner und Maskenbildnerinnen ständig Fotos von uns machten – bis mir klar wurde, dass es um die Kontinuität geht. Eine Szene, die im Film direkt auf eine andere folgt, wird vielleicht an einem ganz anderen Drehtag gedreht und muss trotzdem identisch aussehen. Diese Kontinuitätssache hat mich total fasziniert. Es ist sehr mathematisch, obwohl hinter allem eine lebendige Geschichte steckt.
Wie schwierig ist es, in der Schweiz eine Schauspielagentur zu finden?
Ann: Das ist tatsächlich schwierig. In der Schweiz gibt es kaum Agenturen – die meisten sind in Deutschland. Und wenn man Schweizerdeutsch spricht, heisst es oft: «Wir brauchen Material, in dem Sie Hochdeutsch sprechen.» Da ich momentan noch meinen Master mache, kümmere ich mich jetzt intensiver darum. Ich habe bereits im deutschen und österreichischen Theater gearbeitet – das war sicher ein wichtiger Schritt.
Was würdest du jungen Menschen raten, die sich für Schauspielerei interessieren?
Ann: Einfach ausprobieren – es gibt an vielen Orten tolle Jugendtheater-Angebote. Wer dann weiter möchte, kann eine Schauspielschule besuchen. Was ich besonders empfehle: sich mit jungen Filmemacherinnen und Filmemachern vernetzen – zum Beispiel an der ZHdK oder anderen Filmschulen. Die suchen immer Schauspielerinnen und Schauspieler. So sammelt man Erfahrung, knüpft Kontakte und lernt das Handwerk kennen. Möglichst viel Praxis – das ist das Allerwichtigste. Und natürlich die Jugendfilmtage besuchen!
Hast du zum Schluss noch eine Botschaft an die jungen Filmemacherinnen und Filmemacher hier?
Ann: Ja: Erzählt weiterhin eure mutigen, lustigen und innovativen Geschichten – und schickt sie an die Jugendfilmtage. Ich schaue sie mir jedes Jahr wieder mit grosser Freude an.
Das Interview wurde am 13. März 2026 anlässlich der Jugendfilmtage Zürich geführt.
Bildquellen
- image: Fotos: Julien Mayer
