Wir Menschen setzen uns in unserem Leben unzählige Ziele. Oftmals stossen wir auf Hindernisse, erleben Misserfolge und geben auf oder erreichen nur einen Bruchteil von dem, was wir uns vorgenommen haben. Wieso geben wir unsere Ziele auf und wie merke ich, ob es richtig war?

Warum und wann wir zum Punkt des Aufgebens kommen

Wenn Menschen sich Ziele setzen, verfolgen sie diese sehr hartnäckig und fokussiert und die Gefahr besteht, einen Tunnelblick zu entwickeln. Mit einem Tunnelblick, ist man nicht gefasst darauf, was einen bei der Verfolgung des Ziels aus der Bahn werfen könnte.

Einige Gründe für das Aufgeben von Zielen ist, wenn dieses plötzlich nicht mehr so attraktiv ist wie vorher. Es verliert sozusagen immer mehr an Attraktivität, welches dazu führt, dass wir es nicht mehr mit der gleichen Motivation verfolgen und es erreichen möchten.

Zweifel an der Umsetzung und der Realisierbarkeit sind andere Gründe dafür, dass wir aufgeben. Menschen beginnen zu zweifeln, nachdem sie Misserfolge und Rückschläge erlebten und weniger an die Erfolgswahrscheinlichkeit glauben. Das Ziel hier verliert weniger an Reiz, sondern es gibt zu wenig Fortschritte auf dem Weg der Zielerreichung.

Schliesslich stellt man sich die Frage „soll ich überhaupt noch weiter machen?“. Bei einem erfolgreichen und produktiven Weg zur Erreichung des Ziels würde man sich das nicht fragen. Diese Zweifel können bei Studierenden sowie Arbeitnehmenden teilweise über viele Wochen und sogar Monaten anhalten. Diese steigern sich nach einer Weile so sehr, dass man das Ziel aufgibt. Der Motivationspsychologe Eric Klinger hat dieses Geschehen in verschiedenen Phasen unterteilt:

1. Phase

Hindernisse und Misserfolge

Person stösst auf Hindernisse und erlebt Misserfolge. Man fühlt sich zurückgeschlagen und hinterfragt die Realisierbarkeit.

Erhöhte Anstrengung

Man sagt sich „Gib noch einmal Gas“. Hindernisse werden versucht zu beseitigen, indem man
größere Kraft aufbringt. Das Ziel wirkt noch attraktiv.

2. Phase
3. Phase

Verlust der Perspektive

Kann durch einer übermäßigen Involvierung in das blockierte Ziel führen.

Frust und Aggression

Frustration kommt auf
wenn verstärkte Bemühungen nicht zum erhofften Erfolg führen.

4. Phase
5. Phase

Verzweiflung und Erholung

Frust und Aggression nehmen zu und man verstimmt sich allenfalls depressiv (leichter Unmut bis zur Verzweiflung). Die emotionale Bindung an Dinge, die einem vorher wichtig waren, lösen sich.
Man ist wieder offen für neue Ziele.

Das Aufgeben von Zielen kann für gewisse Personen ein sehr nervenzehrender Prozess sein. Es ist eine Zeit, in der man zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit hin und her schwankt. Bei der Zielverfolgung ist man optimistisch und engagiert, wird immer wieder zurückgeschlagen und wieder demotiviert. Das wieder Aufraffen und Weitermachen ist schwierig und benötigt Kraft und Zeit, welche man investieren muss. Das Hin und Her von „Ich schaffe das“ und „ich schaffe das niemals“ ist während der Zielverfolgung immer stark in Takt und kann starken Stress erzeugen.

Aufgeben und Wissen, wann genug ist, sind deutliche Unterschiede

Aufgeben kommt nicht nur bei Zielen vor, sondern auch in Beziehungen oder Freundschaften. Es kommt vor, dass es Verbindungen gibt, von denen man irgendwann nichts mehr hat oder profitieren kann. Manchmal kommt es eben vor, dass wir Menschen aufgeben, wenn wir in Situationen uns selbst als unglücklich finden. Hierbei handelt es sich meistens um Verhältnisse mit Menschen, welche mit einem unter Spannungen stehenden Strang mit uns verbunden sind.

Wir sind nicht darauf vorbereitet, uns von Menschen zu distanzieren oder diese gehen zu lassen, die nur noch unseren persönlichen Wachstum behindert. Natürlich sind wir nicht darauf vorbereitet, denn unser Hirn, welches nach einem Routinen Bruch oder Sprung ins kalte Wasser, Angst in uns auslöst. Unser Hirn hat diese Gewohnheit, sich in denselben Aufgaben, Routinen und in der Gesellschaft von gewissen Menschen zu verweilen. Es fällt uns somit schwer, aus dieser Komfortzone zu schreiten. Diese Gewohnheiten und dieser Komfort lässt uns also glauben, dass wir noch ein bisschen mehr ertragen können und entscheiden „Ich warte noch ein bisschen, vielleicht ändert sich dann etwas“.

Besonders problematisch wird es zudem, wenn man durch das Verfolgen von Zielen dauerhaft Stress empfindet und es sogar bis zu körperlichen Beschwerden kommt wie ständig widerkehrende Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Ausschlägen, Panikattacken und so weiter.

Diese Situationen sind nicht nur ein Problem, sondern führen zu einer anhaltender, sich nicht ändernden Unzufriedenheit und Unglücklichsein. Das Zeil neu zu formulieren, also re-dimensionieren oder sich komplett zu distanzieren und „aufzugeben“ in solchen Situationen, ist ohne Zweifel gesund und mutig und keinen Grund, sich selbst fertig zu machen.

Geschrieben von:

monday ce n'est pas mon day.

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