Vielleicht hast du schon davon gehört, vielleicht kennst du eine Freundin, die darunter leidet, vielleicht liest du dieses Wort zum ersten Mal. Rund 1 von 10 Frauen im gebärfähigen Alter leidet unter Endometriose. Eine chronische Krankheit, die sich im weiblichen Menstruationszyklus bemerkbar macht. Doch was ist das überhaupt, und warum redet niemand darüber?
Der Name Endometriose leitet sich vom medizinischen Begriff «Endometrium» ab, was Gebärmutterschleimhaut bedeutet. Bei dieser chronischen Erkrankung bildet sich ausserhalb der Gebärmutter Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnlich sieht. Dieses Gewebe wird auch Endometriose-Herde genannt und kann sich an verschiedenen Organen im Bauchraum ansiedeln. Wie beispielsweise am Bauchfell, an den Eierstöcken, an der Gebärmutter selbst aber auch an der Scheide, dem Dickdarm und der Blase können diese Endometriose-Herden auftreten. Wenn sich die Endometriose-Herde. Wenn sich die Endometriose-Herde direkt an der Gebärmutter ansiedeln, nennt man das auch Adenomyose.
Gekoppelt mit dem Menstruationszyklus
Problematisch ist nun, dass diese Endometriose-Herde ebenfalls den hormonellen Veränderungen des Menstruationszyklus unterliegen. Das heisst, genau wie die Gebärmutterschleimhaut innerhalb des Uterus, bewegen sich auch deren Herde im Zyklus der Geschlechtshormone. Sie vermehren sich in der ersten Hälfte des Zyklus, bauen ihre Grösse aus und werden in der zweiten Hälfte mit der Periode abgestossen. Doch anders als in der Gebärmutter, kann das Gewebe zusammen mit dem Blut nicht abfliessen, sondern bleibt im Bauchraum. Das löst im Körper eine Entzündungsreaktion aus und führt im Verlauf der Krankheit zu Verwachsungen, Verklebungen oder Zysten. Es kann sogar sein, dass sich die Endometriose-Herde vergrössern, platzen und somit weitere Herde entstehen.

Unerträgliche Schmerzen
In einer SRF-Reportage berichten drei Frauen von ihrer schmerzhaften Erfahrung mit Endometriose. Sie beschreiben den Schmerz, wie ein oder mehrere Messer, die sich in ihren Bauch rammen. Viele Frauen berichten in ähnlicher Weise von ihren Schmerzen. Zum Beispiel von Bauchschmerzen, die sich anfühlen, als ob ihnen ein Organ herausgerissen würde. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Frauen ihre Erfahrungen mit der Welt teilen und sich mit anderen Betroffenen austauschen.
Grundsätzlich können die Beschwerden zu jedem Zeitpunkt während des Menstruationszyklus auftreten. Doch die meisten Frauen spüren vor allem in der zweiten Zyklushälfte, rund um die Menstruationsblutung, oder auch beim Eisprung Schmerzen am Unterleib. Dazu kommen Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs, bei einer Ansiedlung in der Scheidewand sowie Schmerzen beim Wasserlassen. Dies ist der Fall, wenn sich Endometriose-Herde an der Harnblase befinden. Die Symptome können unterschiedlich auftreten und sind abhängig davon, wo die jeweiligen Herde platziert sind. Deshalb kann es auch sein, dass eine Frau Endometriose hat, jedoch keine Schmerzen empfindet. Einfach aus dem Grund, weil sich die Herde am «richtigen» Ort im Körper angesiedelt haben.
Die Stärke der Schmerzen hingegen ist unabhängig von der Grösse und Anzahl der Endometriose-Herde.
Doch die Krankheit bereitet oft nicht nur Beschwerden im Alltag, sondern kann auch die Fruchtbarkeit beeinflussen. Aber was hat Endometriose mit der Fähigkeit zu tun, Kinder zu bekommen? Es kann sein, dass Endometriose-Herde an den Eierstöcken sitzen und eine Reifung von Eizellen be- oder verhindern. Eine andere Möglichkeit ist, dass die Eileiter durch Endometriose-Herde verklebt werden und die gereifte Eizelle nicht in die Gebärmutter wandern kann. So kann es unmöglich sein, schwanger zu werden.

Wenn du bis hierhin gelesen hast, fragst du dich vielleicht: Warum spricht man so wenig über Endometriose, wenn die Krankheit solche Folgen mit sich trägt?
Ein langer Leidensweg bis zur Diagnose
In der Schweiz sind zwischen 190’000 und 280’000 Frauen von Endometriose betroffen, ob wissentlich oder unwissentlich. Bis vor einigen Jahren wusste die Medizin kaum etwas über mögliche Therapieformen geschweige denn, wie man Endometriose rechtzeitig erkennen kann.
Oftmals, wenn Frauen sie mit Menstruationsbeschwerden zum Arzt oder zur Ärztin gehen, mit ihren Symptomen nicht ernst genommen. Ihre Beschwerden werden als «normale Menstruationsbeschwerden» abgestempelt, obwohl es sich vielleicht um Endometriose handelt. Die betroffenen Frauen gehen oft von Arzt zu Arzt, lassen viele Untersuchungen über sich ergehen und wissen am Ende immer noch nicht, woher ihre Beschwerden kommen. Manche haben eine Vermutung, dass es sich um Endometriose handelt, doch die meisten wissen gar nicht, dass es diese Krankheit gibt. Deshalb kann es bis zu 10 Jahren oder mehr dauern, bis sie Gewissheit haben und mit Endometriose diagnostiziert werden. In dieser Zeit leiden die Frauen sehr stark darunter und werden mit ihrem Leiden alleine gelassen.

In der Schweiz gibt es eine Endometriose-Vereinigung, die Frauen bei Endometriose und Adenomyose unterstützen. Auf ihrer Website gibt es unter anderem einen Selbsttest, den man gratis durchführen kann. (Hier geht es zur Website: Endo-Help | Endometriose Hilfe, Anlaufstellen & Wissen)
Der erstes Schritt ist meistens, dass man mit seinem Frauenarzt oder seiner Frauenärztin über die Beschwerden spricht. Durch das Abtasten des Bauches sowie durch einen Ultraschall kann Endometriose diagnostiziert werden. Manchmal reicht das jedoch nicht und es müssen weitere Untersuchungen, wie ein MRT, durchgeführt werden. Doch eine definitive Diagnose ist erst durch eine Bauchspiegelung möglich und bis eine solche durchgeführt wird, dauert es meistens zu lange.
Endometriose bei Männern?
Zum Glück bekommt Endometriose immer mehr Aufmerksamkeit. So ist die medizinische Forschung gezwungen sich mit der chronischen Krankheit auseinanderzusetzen. Es gibt sogar Studien, die zeigen, dass Männer ebenfalls von Endometriose betroffen sein können. Doch die Anzahl der dokumentierten Fälle ist sehr gering. Obwohl sich die Krankheitsbilder ähneln, ist die Ursache bei Männern und Frauen unterschiedlich. Man geht davon aus, dass ein erhöhter Östrogen-Spiegel im Körper mit der Entstehung von Endometriose zusammenhängt. Das ist bei Männern zum Beispiel bei einer hormonellen Behandlung von Prostatakrebs der Fall.

Es gibt mehrere Theorien, die erklären wie und warum diese Krankheit bei Frauen entsteht. Nichtsdestotrotz kann keine davon bestätigt werden. Höchstwahrscheinlich spielt das weibliche Geschlechtshormon Östrogen eine grössere Rolle bei der Entstehung.
Dennoch setzt sich die Forschung immer mehr mit dem Thema Endometriose auseinander. Es gibt mittlerweile Speicheltests, die eine schnellere Diagnose ermöglichen. Diese sind in der Schweiz für ungefähr 800 Franken erhältlich. Trotzdem bieten sie keine klare Diagnose, da nicht festgestellt werden kann, wo sich die Endometriose-Herde befinden oder wie gross diese sind. Sie werden deshalb bis jetzt nur als ergänzende Methode eingesetzt.
Mit der Krankheit leben
Wenn man einmal die definitive Diagnose von Endometriose hat, gibt es verschiedene Methoden, um die Schmerzen und die Endometriose-Herde in den Griff zu kriegen.
Zum einen gibt es die Möglichkeit, seine Ernährung umzustellen. Vor allem mediterrane Kost soll hilfreich sein, um den Alltag besser zu bewältigen, da sie viel Gemüse beinhaltet und leicht verdaulich ist. Doch das kann man nicht als generelle Lösung anwenden. Hier kann zum Beispiel eine Ernährungsberatung helfen, die individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse eingeht.
Bisher gibt es keine Therapie, die Endometriose komplett heilen kann. Trotzdem können mit der gezielten Einnahme von Schmerzmitteln zumindest die Schmerzen gelindert werden. Da die Symptome von Patientin zu Patientin unterschiedlich sind, wird die Art des Schmerzmittels individuell bestimmt. Es gibt auch die Möglichkeit, Hormonpräparate einzunehmen, wozu unter anderem auch die Antibabypille dazugehört. Dies natürlich nur, wenn kein Kinderwunsch besteht. Denn die eingenommenen Hormone, unabhängig davon, um welches Präparat es sich handelt, unterdrücken das Hormon Östrogen oder wie die Antibabypille den Eisprung.

Eine weitere Methode ist die gezielte Entfernung der Endometriose-Herde. Bei einem operativen Eingriff, auch laparoskopische Entfernung genannt, werden die betroffenen Zellen entfernt. Doch es ist nicht garantiert, dass man nach der Operation völlig schmerzfrei ist. Deshalb ist auch dies nicht die ideale Lösung für jede Frau.
Schliesslich gibt es noch die sogenannte Hysterektomie, bei der die Gebärmutter bei einem operativen Eingriff komplett entfernt wird. Diese Möglichkeit wird jedoch nur empfohlen wenn kein Kinderwunsch besteht.
Keine abschliessende Heilung
Doch nur mit dem Einnehmen von Schmerzmitteln oder einer Ernährungsumstellung, ist die Ursache von Endometriose noch lange nicht behoben. Auch wenn man sich einer Operation unterzieht, um die Herden zu entfernen, können jederzeit neue entstehen. Deshalb ist Endometriose auch nicht heilbar.
Zum Schluss möchte ich Dir die Dokumentation über Endometriose empfehlen, die ich vorhin erwähnt habe. Es gibt mittlerweile zahlreiche Dokumentationen, die über Endometriose berichten und Frauen portraitieren, die Erfahrungen mit dieser Krankheit machen. Wenn es Dich also näher interessiert, ist hier der Link zur SRF-Doku: Verdacht Endometriose – Wenn der Zyklus zum Horror wird – Puls – Play SRF