Die Chance den Film direkt am 22. Juni im Kino anzuschauen, liess ich mir nicht entgehen. Ich ging ohne Erwartungen ins Kino, klar hatte ich hier und da ein paar Kommentare gelesen und Aussagen aufgeschnappt, dennoch habe ich versucht, ohne Vorstellungen hineinzugehen. Voreingenommen war ich, da ich den King of Rock’n’Roll schon immer gemocht habe und seine Musik mich immer begleitet hat. Der Film hat mich emotional berührt und ausserdem spricht der Film ein paar schwierige Themen an. Noch einige Tage später denke ich über gewisse Szenen nach. 

Informationen zum Film 

Der Film dauerte 2h 39min und wird aus der Sicht von Talent Manager Colonel Tom Parker erzählt. Der Aufbau gefiel mir sehr. Zeitsprünge werden mit dem Jahr, hinterlegt mit Fotos oder Comics, angedeutet, welche sich dann in lebendige Bilder verwandeln. Teilweise gibt es Szenen, die im Splitscreen gefilmt wurden, also beispielsweise drei verschiedene Momente, die gleichzeitig laufen. Oft wird diese Art des Schnitts verwendet, wenn Momente aus Elvis‘ Gegenwart ihn an seine Vergangenheit erinnern. Dazu kam es immer wieder dazu, dass audio-technisch sehr viel auf einmal lief: Gesang, Stimmen und Konversation, das schrille Pfeifen eines Mikrofons, gelayered. Damit wird sehr gezielt der Eindruck vermittelt, wie überwältigend die Stimmung ist. Songs wie „Unchained Melody“, „Blue Suede Shoes“, „Hound Dog“ und „That’s Alright Mama“ werden gefeatured. Zusätzlich hat Austin Butler, welcher Elvis Presley verkörpert, das Lied „Trouble“ aufgenommen und Doja Cat mit ihrem Song „Vegas“ ist ebenfalls Teil der musikalischen Gestaltung. 

Etwas zum Colonel. Geboren Andreas Cornelius van Kuijk, reiste der Talent Manager Elvis Presley’s Anfang 20 illegal in die USA ein und verliess das Land bis zu seinem Tod kein einziges Mal mehr. Da er seinen Reisepass abgeben musste und somit keine Identität mehr besass, schuf er sich eine Neue. Er diente kurze Zeit im Militär, was er jedoch wegen psychischer Probleme abbrechen musste. Am Existenzminimum lebend, zog er mit einem Wanderzirkus umher, bis er sich den Titel des Colonel erkaufte. Den Sprung zum Musikmanager schaffte er kurze Zeit danach und wurde dann 1954 auf einen jungen Kerl aufmerksam. Elvis Presley. 

Elvis Presley with his manager, Colonel Tom Parker, signing a record contract with RCA Victor, October (1955) File Reference 33848-472THA Hollywood CA USA PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xCinemaxLegacyxCollection/ThexHollywoodxArchivex 33848472THA

Zusammenfassung

Eröffnet wird mit dem Talent Manager Elvis Presley’s, welcher sich im Krankenhaus aufhält. Er ist vollgedröhnt mit Morphinen, welche gegen seine Schmerzen helfen. Man sieht ihn wirres Zeug vor sich hin schwafeln und wie er durch die Casinos von Las Vegas irrt. Von dort aus springt man zeitlich zurück in die Fünfziger, zum Beginn von Elvis‘ Karriere. Zu der Zeit nahm er im Studio von Sam Phillips, dem Label Sun Records, seine ersten Songs auf. Sun Records ist im Film „Elvis“ als das Label der Schwarzen bekannt. Irgendwann wird der Colonel auf Elvis aufmerksam und nutzt Elvis Schwächen aus, um ihn für sich zu gewinnen. Die Lebensgeschichte, private Seiten sowie Elvis‘ professionelles Leben, werden gut im Film abgedeckt. Man lernt Priscilla Presley kennen, sowie auch deren gemeinsame Tochter Lisa Marie.

Priscilla, gespielt von Olivia DeJonge, und Elvis, gespielt von Austin Butler, lernen sich in Deutschland kennen

Auf zwei Themen möchte ich gerne noch etwas weiter eingehen. Elvis‘ Einstellung zur Rassentrennung und seine Freundschaften zu schwarzen Künstlern, sowie den Einfluss den Colonel Tom Parker auf Elvis ausübte.

Die Ablehnung der Rassentrennung 

Im Alter von 13 zog Elvis mit seiner Familie in einen afroamerikanischen Stadtteil in Tupelo, da ihr Vermögen nicht ausreichte für die weissen Nachbarschaften. Trotz der Rassentrennungsgesetze wohnte Elvis des öfteren Gottesdiensten für Schwarze bei und sang den Gospel mit. Dort nahm er sehr schnell den Rhythmus und das Singgefühl seiner Mitmenschen auf; sporadische Ausflüge in das Nightlife Tupelos weckten ausserdem seine Freude am Blues. Für ihn hatte Gesang nie eine Farbe. Er verbrachte viel Zeit mit seinen neugewonnenen Freunden, unter anderem im Club Handy, wo er viele Freundschaften zu den dortigen Künstlern pflegt, unter anderem zu B.B. King. 

Es gibt eine entscheidende Szene, nämlich ein Konzert, welches Elvis geben soll, klassisch, ohne Hüftschwung im Anzug. Am selben Abend, auf der damaligen Rassentrennungskonferenz in New York, wird eine Ansprachen gehalten, in der es darum geht, die afrikanische Kultur aus den USA fernzuhalten. Elvis, der diese Kultur sehr angenommen hat, spricht zum Publikum und erklärt, dass er sich nicht ändern wird. Er will zwar seine Geliebten schützen, muss jedoch auch in sich rein hören. Niemand wird ihn kontrollieren. Anschliessen, singt er im Lederoutfit und tanzt, als gäbe es kein morgen. Einige Minuten später verhaftet ihn die Polizei, da er sich zu lange zu animalisch verhalten hat und den Regeln nicht gehorchen wollte. Die einzige Chance, nicht ins Gefängnis zu gehen, ist in Deutschland dem Militär zu dienen.

Presley im Militärdienst in Deutschland

Einige Jahre später, nach seiner Rückkehr aus Deutschland zusammen mit seiner Frau Priscilla, wird Martin Luther King erschossen. Dieses Attentat nimmt Elvis sehr mit. Er kann es kaum glauben, dass ein so bedeutender Mann umgebracht worden ist. Nicht nur für die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung war dieser Mann einer der wichtigsten Redner, sondern auch für den Glauben, dass es irgendwann in den USA wieder besser werden würde. Der Colonel sagte einmal, dass man entweder Showbusiness macht, oder in der Politik tätig ist, und nicht beides. Mit dem Song „If I can dream“ widersetzt sich Elvis dem und gibt damit sein einziges politisches Statement ab. Wie seine Mutter immer sagte, „if you can’t say it, sing it“. 

In dem Film wird es so dargestellt, als würde der Colonel seinen Sch¨ützling unterdrücken und ihn zwingen, seine Meinung und Haltung über und zu seinen dunkelhäutigen Mitmenschen nicht öffentlich kund zu tun. Mit kleinen Aktionen hier und da, beispielsweise Ausflüge in den Club Handy oder Liedtexte, versucht Elvis trotzdem seine Unterstützung auszudrücken.

Der kontrollierende Manager, Colonel Tom Parker

Was in dem Film sehr schnell auffällt, ist der manipulative Charakter von Elvis‘ Manager. Er benutzt das Erschaffen von schlechtem Gewissen, insbesondere im Bezug auf Gladys Presley, die Mutter von Elvis, um ihn immer wieder aufs Neue zu kontrollieren. Für Elvis ist die Familie das Wichtigste, er hat einen sehr engen Draht zu seiner Mutter. Als Elvis zur Welt kam, starb sein Zwillingsbruder bei der Geburt. Er hätten Jesse geheissen und immer, wenn die Sterne klar am Himmel zu sehen sind, betet die Familie für ihn. Laut Gladys hat Elvis die Stärke zweier Jungs in sich und ist deshalb etwas ganz besonderes. Das, zusammen mit dem Willen ganz schnell in der Musikgeschichte aufzusteigen, den Rock of Eternity hoch, stärkt Elvis zwar, macht ihn jedoch gleichermassen angreifbar. Er hat seine Familie, die sein Rückgrat stärkt, und eine unglaubliche Willensstärke sein Ziel, ein grosser Musiker zu werden, zu erreichen. Doch Tom Parker, der diese zwei Dinge über Elvis weiss, nutzt dies zu seinen Gunsten. 

Austin Butler im Anzug auf einem der Comeback-Auftritte Elvis‘

Mit der Zeit versucht Tom Parker das Image seines Schützlings zu verändern. Die Dinge, die den Künstler ausmachen, das „mädchenhafte“ Make-up, die gegelten Haare, die farbigen oversized Anzüge und der Hüftschwung. All das will der Colonel abschaffen. Es sei zu vulgär und würde nicht nur das Publikum, hauptsächlich Frauen, wahnsinnig machen, sondern auch die Regierung besorgen. In den Augen der Gesellschaft ist Elvis ein „weisser Mann, der sich wie ein Dunkelhäutiger bewegt und auch so singt“. Deshalb lässt Parker ihn in Fracks und lockeren Shirts auftreten. Doch die Kontrolle, die Tom Parker über Elvis ausübt, reicht viel weiter, als nur über die Kleidung Elvis‘. Es geht so weit, dass er nicht einmal nach Europa auf Tournee gehen kann, da sonst „seine Sicherheit gefährdet würde“.

Der Colonel mit Elvis Presley

Einige Jahre später, finden wir uns im Hotel International in Las Vegas wieder. Dort wird sehr schnell deutlich, dass der Colonel den Ruhm von Elvis nur so wegen seiner eigenen Schulden so sehr pusht. Obwohl Tom Parker sich selbst mehr als die Hälfte von Elvis Presley’s Einkommen in die Tasche steckt, ist er hoch verschuldet. Der Colonel hat Gespräche mit dem Besitzer des Hotels und handelt einen Deal aus, Elvis für das Hotel zu gewinnen. Vegas soll zu Elvis‘ Home Base werden. Die Einnahmen, die Elvis damit machen werde, würden die Schulden des Colonel innert fünf Jahren abdecken. Eine Weile lang kann der Colonel dies geheim halten, doch, nach einiger Zeit, deckt Elvis auch diesen Betrug auf, woraufhin er seinen Manager feuert. Doch als Reaktion darauf zeigt Tom Parker ihm, dass Elvis mit dieser Aktion Schulden in der Höhe von mehreren Millionen Dollar hätte, weshalb der Künstler sich gezwungen sieht den Colonel zurückzunehmen. Nur wenige Monate später stirbt Elvis.

Austin Butler als Elvis Presley am Klavier

Im Film wird erwähnt, dass Colonel Tom Parker der Grund für Elvis Presley’s Tod sei. Er habe ihn so viel und hart arbeiten lassen, bei Schwächeanfällen mit Drogen aufgeputscht und nie zur Ruhe kommen lassen, dass er daran gestorben sei. Das Buch „The Colonel: The Extraordinary Story of Colonel Tom Parker and Elvis Presley“ geschrieben von Alanna Nash, deckt ähnliche und weitere Theorien wie diese auf und bespricht sie im Detail.

Conclusion

Den Film zu schauen fand ich sehr bewegend. Vor allem die letzten Szenen haben mich emotional sehr berührt. Auch wenn die Geschichte meiner Meinung nach nicht wirklich auf einen Höhepunkt hinzielt, war es zu keinem Zeitpunkt langweilig. Emotionen wie Trauer, Frust, Wut, Liebe und Leidenschaft begleiteten mich durch die zweieinhalb Stunden und wer sich für Elvis Presley als Künstler und Person interessiert, oder die Musik mag oder vielleicht einfach auch einen guten Film schauen will, sollte diesen hier definitiv auf seine Liste setzen.

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