Minimalismus ist nichts Neues. Man kennt ihn aus der Kunst, der Architektur oder als in den letzten Jahren immer mehr aufkommenden Lifestyle. Der fade Beigeschmack, dass Minimalismus gleich Verzicht ist, besteht aber weiterhin. Wieso Minimalisten mit ihrer Philosophie gar nicht so falsch liegen und was die konkreten Auswirkungen für einen sind, seht ihr unten.

Wie oft steht man vor dem eigenen Schrank und denkt sich: „Das ziehe ich sicher bald mal wieder an.“. Doch bald ist wieder ein Jahr vergangen und es hängt immer noch an der gleichen Stelle. Genau diesen Konflikt vermeiden Minimalisten. Diese beschränken sich bei ihrem Hab und Gut nur auf das Nötigste, ohne dabei zu viel Ballast mit sich mitzutragen.

„Auf die paar Sachen mehr kommt es nicht drauf an…“

Eine europäische Familie besitzt im Durchschnitt um die 10’000 Sachen im eigenen Haushalt. Bei einem Minimalisten steht die magische Zahl bei etwa 100 Gegenständen. Gemäss Schätzungen des World Wide Fund of Nature (WWF) liegt die mittlere Gebrauchsdauer pro Jahr von täglichen Gegenständen wie Akku-Schrauber bis hin zur Katzen-Transportbox zwischen 15 Minuten und 3 Stunden. Umgerechnet sind das in etwa 0.003% bis 0.03%.

Wenn man diese Zahlen hört, kommt die Frage auf, ob man den Akku-Schrauber wirklich braucht oder ob man diesen für das Aufhängen des Bildes im Wohnzimmer nicht schnell hätte ausleihen können. Genau das denken sich auch unterschiedliche Händler wie Sharely, Pumpipumpe oder Leihbar, die online oder an einem Standort unterschiedlichste Gegenstände ausleihen. Somit tust du etwas für die Nachhaltigkeit, sparst aber gleichzeitig auch einiges an Geld.

Durch weniger zu mehr?

Was jedoch ein Mythos bleibt, ist, dass man durch die Beschränkung auf das Nötigste automatisch reich wird. Hier gilt nämlich das Motto „Alles kann, nichts muss“. Es gibt kein richtig oder falsch beim minimalen Lebensstil und dementsprechend sieht dieser Lifestyle für jeden ein wenig anders aus.
Denn nebst den Kosten für all das materielle Eigentum, das du besitzt, kommen die fixen, alltäglichen Kosten hinzu. Wohnst du beispielsweise in einer Wohnung mitten in der Stadt, führst einen nachhaltigen und ökologischen Lebensstil, gehst gerne mit Freunden aus oder hast Kinder, wirst du auf andere Ausgaben kommen als jemand, der auf dem Land wohnt, immer nach dem besten Angebot sucht und sich auch gerne mal zum Grillieren trifft, statt in das neu eröffnete Restaurant zu gehen, von dem alle reden.

Aus den Augen aus dem Sinn?

Was oftmals in Zusammenhang mit dem Minimalismus gebracht wird, ist der psychische Ballast, der von einem abfällt. Dabei gibt es verschiedene Aspekte, die man hierbei betrachten kann:

  • Wer weniger hat, muss sich um weniger kümmern – Keine Sachen, die kaputtgehen, die man suchen muss oder die einem die ganze Wohnung füllen und ein Gefühl des Eingeengtseins vermitteln.
  • Die Wertschätzung von Dingen und das Bewusstsein für diese ändert sich – Ich setze mich mehr mit dem auseinander, was ich wirklich brauche und lasse mich so weniger auf Impulseinkäufe ein.
  • Auch wenn dies manchmal unterbewusst passiert, vergleicht man sich weniger mit dem, was andere haben und tun. Es bleibt also mehr Zeit, sich auf sich selbst zu konzentrieren und an sich selbst zu arbeiten.

Dinge sollten dazu da sein, mir einen Mehrwert zu geben. Aber ich sollte nicht da sein, um den Dingen Wert und Zeit zu geben.

Cédric Waldburger, schweizer Startup-Investor & Essentialist

Sich von heute auf morgen von den meisten Sachen zu trennen, die man besitzt, ist nicht einfach. Sich dennoch von Zeit zu Zeit mit dem auseinanderzusetzen, was man hat und was man wirklich braucht, schadet aber nie und gibt dir im Nachhinein das tolle Gefühl etwas für sich selbst getan zu haben. Ein paar Ideen, wie du dabei vorgehen kannst, findest du hier.

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