In diesem dritten Beitrag zur Reihe digitalize() gehe ich dem Thema Face Recognition auf den Grund: Wie funktioniert und was kann diese Technologie? Welche Chancen und Gefahren bringt diese hervor? Das erfährst du in diesem Beitrag.

Im folgenden Artikel werde ich der Technologie der Gesichtserkennung auf den Grund gehen. Dafür zunächst einmal etwas zu groben Verständnis: Gesichtserkennungs-Software basiert auf dem Konzept der «Face Landmarks». Das sind 68 Punkte im Gesicht, rund um Augen, Nase, Mund und Kinn, welche ein Gesicht mit hoher Präzision identifizieren können. Möchte man in einem Bild Personen erkennen, werden diese Punkte mit dem Bild abgeglichen um festzustellen wo im Bild sich Gesichter befinden. Das Erkennen von Gesichtern basiert auf der Idee, dass «bekannte» Gesichter in einem ersten Schritt erlernt werden, also die Daten der Face Landmarks abgespeichert werden. In einem zweiten Schritt wird geprüft wo sich in einem Bild Gesichter befinden. Schliesslich werden die aufgefundenen Gesichter mit den bekannten Gesichter verglichen um festzustellen ob sich eine der bekannten Personen im Bild befindet.

Bildquelle: medium.com
68 Face Landmarks

Welche Chancen eröffnet diese Technologie?

Sicherheit

In Bezug auf Sicherheitsmechanismen bringen Facial Recognition Algorithmen einen grossen Vorteil: Gesichtsdaten sind im Allgemeinen exakt genug um eine Person eindeutig zu identifizieren. Durch die eindeutige Identifikation übers Gesicht können Aspekte wie Authentifikation und Integrität relativ «einfach» in einen Prozess integriert werden. So wird beispielsweise an einigen Flughäfen bereits FaceRec eingesetzt um eine automatische Passkontrolle zu ermöglichen. Diese bietet vergleichbare Sicherheit zu menschlicher Kontrolle, ist jedoch günstiger und vermutlich effizienter in der Bearbeitung.

Personensuche

Verschwindet eine Person unerwartet, ist dies häufig ein grosser Schock für die Angehörigen. Mittels Facial Recognition können Aufnahmen von öffentlichen Orten genügend präzise analysiert werden um zu erkennen, ob sich eine bestimmte Person auf einem Bild befindet. Wenn Suchkommandos Zugang zu genügend aktuellen Bilder haben, können Aufenthaltsorte viel stärker eingeschränkt werden und somit verschwundene Personen schneller aufgespürt werden.

Welche Gefahren zieht Face Recognition Software mit sich?

Gesichtsdaten

Ein Problem bei der Gesichtserkennung ist, dass diese keine Menschen und deren Gesichter erkennt, sondern lediglich Pixelkonstellationen. Diese Pixelkonstellationen sind per se auch nur Daten, welche gestohlen oder vorgetäuscht werden können. Sind diese Daten bekannt/gestohlen, können Sicherheitsmechanismen unter Umständen auf einfachere (Gesichtsdaten direkt ins System feeden) oder komplexere (3D Druck eines Gesichts) Art und Weise ausgetrickst werden. Bei der Nutzung von FaceRec Daten zur Gewährleistung von Authentifikation oder Integrität sollten deshalb unbedingt weitere Sicherheitsfaktoren hinzugezogen werden («Multi-Factor-Authentification»).

Mächtigkeit

Das Wissen, ob eine Person in einer Aufnahme eines Ortes ist, kann für die betroffene Person respektive andere Personen von zentraler Bedeutung sein. Facial Recognition ist ein sehr mächtiges Werkzeug, welches wie oben erwähnt, das Auffinden von vermissten Personen erleichtern kann, jedoch auch zur Vereinfachung von Stalking oder gezielten Überwachung genutzt werden kann. Die weitreichende Bedeutung des Einsatzes von Facial Recognition bei Aufnahmen von öffentlichen oder halbprivaten Räumen, stellt eine Herausforderung bezüglich einer sinnvollen Regulierung dar.

Selbstbestimmung

Facial Recognition Algorithmen haben an sich kein Wissen darüber ob die Person(en) im verarbeiteten Bild ihre Zustimmung zum Einsatz dieses Werkzeugs gegeben haben. Möchte eine Person generell oder in bestimmten Situationen nicht erkannt werden, können dies Algorithmen nicht erkennen. In einem repressiven Staatssystem können so beispielsweise politische Gegner identifiziert und verfolgt werden. Das Zustimmungsprinzip lässt sich in einen solchen Algorithmus kaum integrieren.

Wie einfach ist es, so etwas selbst zu nutzen?

Grundsätzlich ist die Anwendung von Facial Recognition Algorithmen relativ einfach, da bereits frei nutzbare Programme respektive Scripts bestehen, in welchen alle komplizierten Berechnungen bereits integriert sind. Auf dem GitHub Archiv des Entwicklers Adam Geitgey finden sich alle notwendigen Dateien, sowie ein Leitfaden zur Installation und Verwendung.

Damit hoffe ich die wichtigsten Fragen zum Thema Gesichtserkennungsoftware geklärt zu haben und falls weitere Fragen zu diesem oder anderen digitalen Themen bestehen, kannst du diese gerne in den Kommentaren stellen.

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