Was wäre, wenn man die fünf Weltreligionen zu einem der kompliziertesten Themen interviewen könnte? Dem Tod. Naja, genau das habe ich getan. Herzlich willkommen zur Talk-Runde: Der Tod und die fünf Weltreligionen.

„Hallo und herzlich willkommen. Heute bei mir im Studio: Die fünf Weltreligionen Buddhismus, Hinduismus, Judentum, Islam und Christentum. Wir befragen sie heute zum Thema Tod“

Der Buddhismus

Hallo Buddhismus. Schön, dass du da bist
Namaste! Danke für die Einladung.

Der Tod bei dir, er spielt eine ziemlich zentrale Rolle, nicht wahr?
Ja, das ist so. Bei mir bereiten sich die Menschen ihr ganzes Leben lang auf den Tod vor. Er ist aber kein Ende des Weges. Ich finde, dass der Tod bloss ein neuer Abschnitt auf dem Pfad ist, den jeder Mensch geht. Etwa so, wie ein neuer Zustand. Samsara nennt man das: Der ewige Kreislauf des Lebens.

Samsara... kannst du das genauer beschreiben?
Ich regle das so, dass wer Gutes tut und gute Gedanken hat, nach der Wiedergeburt in eine tolle Umgebung kommt und in einen gesunden, funktionierenden Körper hineingeboren wird. Wer aber Schlechtes tut, wie zum Beispiel töten, landet im Elend oder wird als Tier wiedergeboren. Es ist ein Gesetz von Ursache und Wirkung, das sich Karma nennt.

Puna.. Punava... oder wie nennt ihr die Wiedergeburt?
Ahhh, du meinst wahrscheinlich Punabbhava. Die Buddhisten fürchten sich davor. Deswegen ist es das Ziel, sich im Leben auf das Nirwana vorzubereiten.

Das Nirwana? Was ist das? Und wie kommt man da hin?
Nur der Körper stirbt. Die Seele, so ist das Ziel, geht ins Nirwana. Das Nirwana ist das Paradies, der Zustand der Vollkommenheit. In ihm gibt es kein Leid. Keine Wut, Trauer oder Herzschmerz. Aber auch kein Glück oder Liebe. Der Weg dahin ist lang und zäh. Ich habe dafür ein System. Es nennt sich "Der Achtfache Pfad der Erkenntnis".
Dieser beinhaltet:
1. Bemühe dich um Weisheit und verhalte dich immer richtig.
2. Sei gelassen und friedfertig.
3. Lüge niemals.
4. Tue keinem Lebewesen Böses und stiehl nicht.
5. Schade niemandem und zerstöre nicht die Natur.
6. Gib dir Mühe und erfülle deine Pflichten, auch in der Religion.
7. Sei achtsam, denke und handle stets besonnen.
8. Konzentriere dich, denke nach und meditiere.


Schafft man es, diese Pfade einzuhalten, so erhält man die Erleuchtung und gelangt ins Nirwana

Der Hinduismus

      Hinduismus! Ich glaube, du und Buddhismus habt in Sache Tod viel gemeinsam, stimmt das?
Naja, die Basis ist etwa gleich, aber nicht alles stimmt überein.

Sehr interessant. Erzähl uns gerne davon.
Wie der Buddhismus habe auch ich den ewigen Kreislauf des Lebens, den ich aber Punarajati getauft habe. Für Hindus ist dieser Kreislauf sehr schlimm.

Und kann Punarajati durchbrochen werden?
Natürlich! Allerdings muss die Seele ihres Ursprungs bewusst werden und ihr göttliches Sein erkennen. Hat sie dies erkannt, ist sie befreit. Das ist Moksha, die Befreiung der Seele. Der Buddhismus kennt diesen Zustand auch, aber er nennt ihn Nirwana.

Und wie erhält man Moksha? Auch durch den achtfachen Pfad?
Nein! Ich habe drei Heilswege dafür:
Bhakti-Marga, der „Weg der Liebe“
Karma-Marga, der „Weg der Taten“
und Jnana-Marga, der „Weg des Wissens“



Das Judentum

Hallo Judentum! Erzähl uns gerne von deiner Ansicht
Mir ist es sehr wichtig, dass alle Juden wissen, dass sie alle nach dem Tod gleich vor Gott sind. Nachdem jemand gestorben ist, geht dessen Seele zu Gott und wird auf diesem Weg von allen Sünden befreit.

Wow! Klingt gut. Und diese Befreiung geschieht einfach so?
Nein, natürlich nicht. Der nächste männliche Angehörige des Verstorbenen betet nach dessen Ableben elf Monate lang das sogenannte Kaddisch, sowie es auch am Todestag gebetet wird. Natürlich ist das Kaddisch nicht das einzige Gebet, das gesprochen wird, aber das Hauptsächliche.

Ich habe gehört, dass du ein eigenes Ritual für nach dem Tod eines Menschen hast. Es ist sehr lang, oder?
Ja also so lang ist es nicht. Am Anfang reissen die Angehörigen einen Riss in den Ausschnitt ihres Oberteils. Das symbolisiert den Herzschmerz.
Nach dem Tod eines Familienmitgliedes kommt das Schiwa-Sitzen. Sie sind für eine Woche von vielen religiösen Pflichten befreit und dürfen sich eine Woche nicht waschen und nicht arbeiten und sitzen zuhause entweder auf dem Boden oder auf einem Hocker. Das Essen bringen Nachbarn oder Freunde.
Schloschim ist die Trauerzeit und dauert dreissig Tage.

Und dann kommt das Kaddisch?
Richtig! Bis elf Monate nach dem Tod sagt der nächste männliche Verwandte in einem Minjan das Kaddisch. Ein Minjan ist immer reine Männer- oder reine Frauengruppe aus zehn Personen, die bei besonders wichtigen Gebeten zur Tora-Lesung zusammenkommen.

Was passiert denn nach dem Kaddisch? Ist das Ritual damit abgeschlossen?
Noch nicht ganz. Der Tag ein Jahr nach dem Todestag nennt sich Jahrzeit. Die Familie trifft sich am Grab und spricht Psalmen und erinnert sich zusammen an den Verstorbenen.
Denn ich lehre: "Solange über einen Menschen gesprochen wird, lebt er unter uns weiter.
"

Der Islam

Islam, auch bei dir ist der Tod kein Ende.
Ganz im Gegenteil. Klar ist das Ableben eines geliebten Menschen immer traurig, aber die Muslime finden Trost in dem Gedanken, dass die Seele irgendwann zu Allah aufsteigt. Bis dahin ist das Grab nur ein Aufenthaltsort.

Das heisst, dass die Muslime bis zum letzten Atemzug ein nach Allah orientiertes Lebens haben?
Richtig. Das Leben ist ein Geschenk Allahs.

Und wenn jemand stirbt, was bedeutet das für die Seele?
Für die Seele bedeutet es, dass sie nach dem Tod von zwei Engeln nach dem Glauben und den Überzeugungen befragt wird. Wenn der Verstorbene an Allah geglaubt und sein Leben mit guten Absichten geführt hat, so kommt die Seele in das Paradies. Ansonsten kommt sie in die Hölle.

Das heisst, dass die guten und schlechten Taten abgeglichen werden?
Nein, so funktioniert das nicht. Nur Allah weiss, wie der Verstorbene wirklich war und aus welchen Gründen er gehandelt hat. Die Sünden stehen nicht im direkten Verhältnis zu den positiven Taten.

Das bedeutet, Allah verzeiht?
Ja, die Muslime verlassen sich darauf. Sie glauben an seine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit und dass er vergibt.

Das Christentum

"Der Verstorbene ist heimgekehrt" - so lauten viele Todesanzeigen von Christen. Was ist damit gemeint?
Die Christen hoffen auf ein ewiges Leben bei Gott nach dem Tod. Siehst du eine Todesanzeige mit diesem Satz, so handelt es sich wohl am ehesten um einen Christ oder eine Christin. Sie glauben nämlich daran, dass sie nicht für immer tot bleiben, sondern irgendwann von Gott auferweckt werden.

Das ist sicherlich ein sehr kraftvoller Gedanke. Von wo kommt dieser Glaube?
Die Christen verdanken das ewige Leben Jesus Christus. In der Bibel steht, dass Jesus am dritten Tag nach der Hinrichtung auferstanden ist. Er hat den Tod für alle Menschen somit überwunden.

Schlusswort

Natürlich war dieses Interview nur fiktiv. Trotzdem ist es interessant zu sehen, wie andere Religionen anders mit dem Tod umgehen. Und ich denke, auch wenn man in gewissen Punkten auf einen gemeinsamen Nenner kommt, so hat jeder Mensch seine ganz persönliche Ansicht des Todes. Und das ist auch gut so.

Quellen:

Info zu den Religionen: Lexikon | Religionen Entdecken (religionen-entdecken.de) Titelbild: The way to the Sky by Dhencod on DeviantArt Bild 1: Dharma Wheel Vector Images (over 630) (vectorstock.com) Bild 2: Weiterleitung… (diaryofanish.blogspot.com) Bild 3: Symbols – Judaism (weebly.com) Bild 4: eid moon png 20 free Cliparts | Download images on Clipground 2022 Bild 5: Bezeichnung Bilder – Durchsuchen 43,702 Archivfotos, Vektorgrafiken und Videos | Adobe Stock

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