Es ist der Dienstag, 21. Februar 1922 als plötzlich der Kontakt zum Wetterwart-Ehepaar Heinrich und Magdalena „Lena“ Haas auf dem Säntis unterbrochen wurde. Sorgen bereitete dies keinem, denn zu dieser Zeit war es normal, dass die Telegrafen- und Telefonleitung durch Schneelast und starkem Wind immer wieder einmal beschädigt worden ist. Am Gipfel herrschen oft härteste Bedingungen mit hohen Windgeschwindigkeiten, Massen von Neuschnee und tagelanger Lawinengefahr. Das einzige, eher besorgniserrgende: Frau Haas beschwerte sich am Sonntag zuvor bei der Frau des Säntisträgersch Rusch über einen unbekannten, ungebetenen Gast. Niemand konnte erahnen, dass sich an diesem Dienstag ein Drama abgespielt hatte.

Noch am Vormittag des 21. Februars hatte sich Frau Haas beim Dienstchef des Telengrafebamtes St.Gallen beraten lassen, wie sie mit dem unangenehmen Gast am besten umzugehen hat. Das einzige was fest stand war, dass es sich um eine gebürtigen Bayer mit Names Gregor Kreuzpointner handelte. Kreuzpointner hatte sich 1919 mit Herrn Haas um den Posten des Säntiswartes beworben.

Am Mittwoch, 22. Februar 1922 machten sich Vater und Sohn Rusch zur Leitungskontrolle auf. Die beiden mussten jedoch wegen den extremen Schneeverhältnissen wieder umkehren, ohne die Leitung zu kontrollieren. Erst am darauffolgenden Samstag konnten sie sich zusammen mit dem Meglisalpwirt Dörig zum zweiten Mal zum Observatorium auf dem Säntis aufmachen. Unterwegs auf den Säntis fanden sie keine Beschädigungen an der Leitung, sondern nur eine alte Skispur, die vom Bergipfel hinunter ins Tal führte.

Das Ehepaar mit den beiden Töchtern. Die Töchter wohnten bei ihrer Grossmutter, da sie im Tal zur Schule mussten.
Quelle der Bilder: Photobibliothek.ch

Verwüstetes Zimmer und grausamen Funde

Oben auf dem Säntis angekommen erwartete sie niemand. Es stieg kein Rauch aus dem Kamin des Hauses des Ehepaars Haas und die Haustüre war nicht abgeschlossen. Alles was man hören konnte war das Gewinsel des Hundes „Sturm“. Diesen fanden sie eingeschlossen im verwüsteten Arbeitszimmer, in welchem der leblose Körper von Lena Haas in ihrem eigenen Blut neben dem Stehpult lag. Nach dem grausamen Fund machten sie sich Schlimmes erwartend auf die Suche nach Heinrich Haas. Vater und Sohn gingen das zweite Obergeschoss hinauf durch den Verbindungstunnel zum Gipfelplateau. Vor dem Windmesserhäuschen das bereits Erwartete: Heinrich Haas liegt tot davor.

Kreuzpointner wurde als Folge steckbrieflich als mutmasslicher Doppelmörder gesucht. Auf der Flucht nach seinem Verbrechen gelang es ihm noch den gestohlenen Schmuck von Lena Haas versilbern zu lassen. In Heiden (AR) übergab er unter mysteriösen Umständen die Tatwaffe, eine Browning Kaliber 7,65, an eine unbeteiligten Drittperson. Diese lieferte die Waffe der Polizei ab. Einige Woche nach der Tat, am 4. März 1922, wurde die Leiche Kreuzpointners gefunden. Er hatte sich in einem verlassenene Stadel unterhalb der Schwägalp aufgehängt. Mit seinem Selbstmord erging er gekonnt eines Geständnisses und der Todesstrafe, welche einige Kantone dazumals noch kannten. Kreuzpointners Leiche wurde zu Forschungszwecken der medizinischen Fakultät der Universität Zürich zugeführt, da keine der Gemeinden sich bereit dazu erklärte, ihn zu beerdigen.

Da sich Kreuzpointner durch seinen Selbstmord einem Strafverfahren entzogen hatte, konnte der genaue Tathergang und das Tatmotiv nie vollständig geklärt werden. Er war in finanziellen Schwierigkeiten und man vermutet, dass er Heinrich Haas für sein Unglück verantwortlich gemacht hat, weil dieser und nicht er drei Jahre zuvor den Posten als Wetterwart auf dem Säntis erhalten hatte.

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monday ce n'est pas mon day.

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