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Olivia Glatz

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Meine Lehrerin meinte immer, sie gebe eine 1 für all diejenigen, die ihre Geschichte mit «Und da wachte ich auf und merkte, es war alles nur ein Traum» beenden. Sie sagte jedoch nie, dass dieser Satz nicht der Anfang sein kann. Denn manchmal, da hat man so Träume, die einen auch nach dem Aufwachen noch beschäftigen. Der Epilog der Nacht also. Fragmente der Träume: schwammig, verwaschen und unvollständig.

«Jetzt fängt das Leben richtig an» ein alter Hut, unumgänglich, am heutigen Tag, an dem die Verfasserin des Textes 18 Jahre zuvor, existentialistisch ausgedrückt, in den «Océan Néant» geworfen worden ist. Ich dachte mir: «man würde doch hoffen, diese 18 Jahre nicht «falsch» gelebt zu haben? Das wäre ja wohl eine Schande!». Der Spruch hat also einen Haken: Das «richtige Leben hat nun wirklich nicht erst jetzt, mit der Volljährigkeit, begonnen. Denn, ohne überheblich klingen zu wollen, viele würden wohl behaupten, dass sie es, gemessen an schulischen Leistungen und ausserschulischen Meisterungen, in diesen 18 Jahren schon recht weit gebracht haben. Dennoch spiegeln sich meine Gedanken zu dieser Aussage im Zitat von Simona Pfister, einer jungen Schweizer Journalistin, wider: «Ich habe es weit gebracht, auch wenn mir (jetzt) nicht klar ist, wo das liegt.»

Endlich war es wieder soweit! Letzten Samstag, am 9.8.25, fand das alljährliche Band-it Finale in Winterthur statt. Trotz der gleichzeitig stattfindenden Street Parade gab es schon am frühen Nachmittag eine Menschenmenge, die sich im Schatten des grossen Baumes auf dem Kirchplatz vor der Sonne schützte. Denn nach einem kalten und regnerischen Juli schien es, als wäre der Schweizer Sommer genau noch rechtzeitig für das Finale im Freien zurückgekehrt: Kein Wölkchen am Himmel, kurze Hosen und Glace schlecken war angesagt – die Kulisse also dieselbe wie letztes Jahr. Doch die Performer waren ganz andere, natürlich!

Wer noch nicht vom Band-it gehört hat: Es ist DER Musikcontest für junge MusikerInnen im Kanton Zürich, bei dem sie ihr Können zeigen und neue Kontakte knüpfen können. Seit 1989 haben über 2000 Bands am Zürcher Nachwuchsband-Festival teilgenommen. Für einige Artists war es das Sprungbrett in eine professionelle Musikkarriere, wie zum Beispiel für Faber, Evelinn Trouble, Sebass oder Pablo Infernal und in den letzten Jahren Cachita, Fräulein Luise und Lou Kaena. Vielleicht ist unter den diesjährigen Artists auch jemand dabei, von dem die Schweiz schon bald mehr hören wird!

DIZZY DISC

Den Auftakt machten Dizzy Disc, fünf Mädels aus Uster, die beweisen, dass Schulfreundschaften richtig coole Bands hervorbringen können. Gleich mit ihrem ersten Song entführten sie das Publikum in eine Indie-Pop-Folk-Welt voller authentischer Geschichten über das Erwachsenwerden: wie das Lieblings-T-Shirt nicht mehr passt oder wie man sich manchmal zurück in Zeiten wünscht, in denen vieles einfacher war. Seit über einem Jahr machen sie zusammen Musik, und man spürte bei jedem Ton: Diese Girls leben für die Bühne, sie interagieren mit dem Publikum, bringen es zum Singen und, trotz der Hitze, sogar zum Tanzen. Was ist aber genau Indie-Pop-Folk? Indie steht für Independent und bedeutet, dass man bewusst, aber sehr frei, verschiedene Stile und Elemente miteinander vermischt. Bei Dizzy Disc hört sich diese Mélange nach einer perfekten Mischung aus verträumten Melodien, ungewöhnlichen Instrumenten wie der Mundharmonika und ehrlichen Texten über die Höhen und Tiefen des (Jugend-)Lebens an. Dies kam im letzten Song «4 p.m.» am schönsten zur Geltung.

LEAHJOY

Man meinte, SZA wäre kurz auf den Winterthurer Kirchplatz gekommen: Mit ihren nur 20 Jahren bringt Leahjoy eine Stimme mit, die sofort unter die Haut geht. Ihre R&B-Interpretation war so gefühlvoll und persönlich, dass man jedes gesungene Wort richtig spüren konnte – Gänsehaut gleich beim ersten Song. Sie ist erst seit einem Jahr am Performen, aber schreibt schon seit längerem ihre eigenen Songs: kleine Geschichten aus ihrem Leben, die sie mit einer beeindruckenden Authentizität vorträgt. Auf die Bühne holte sie auch zwei Collab-Partner. Das Duett mit dem jungen Rapper BLUPRINZ aus Mellingen war unglaublich. Die beiden Stimmen ergänzten sich in ihrem starken Kontrast so gut, dass man meinen könnte, sie hätten schon seit Jahren zusammen musiziert. Mit viel Fuoco performten dann Leahjoy, ihre DJ La Candela und Aziza einen weiteren Song. Leahjoy zeigt ganz klar: Sie ist eine junge Künstlerin mit einer grossen Stimme und einem noch grösseren Herz für ihre Musik. Für Leahjoy geht es nach diesem Contest all-in in die Musikkarriere: Im September fängt sie in London ihr Musikstudium an.

601 Atemräuber: @Ethan Welty
Leahjoy: @Ethan Welty
Daetister: @Ethan Welty
Kerenitaa: @Ethan Welty

DAETISTER

Daetister kehrte als bereits bekanntes Gesicht zurück und zeigte erneut, warum er es verdient hat, ein zweites Mal im Band-it Finale zu stehen. Der Zürcher Singer und Songwriter Yves Daetwyler komponiert Alternative Rock mit einer ganz besonderen Note: Die eingängigen Melodien werden von einer Vielfalt an Instrumenten getragen, die zusammen ein einzigartiges Klangbild schaffen. Die kleine Panne, bei der eine Schraube aus der Gitarre fiel, brachte ihn und seine Band nicht aus dem Konzept, sondern zeigte noch besser, mit welcher Natürlichkeit und Echtheit sie auf der Bühne stehen. Ihre Musik lädt nicht nur zum Hören ein, sondern auch zum Nachdenken – genau so, wie gute Musik sein sollte.

ALTEA

Altea brachte nochmals R&B-Vibes nach Winterthur. Die aufstrebende Künstlerin, die bereits mit einem Pariser Label zusammenarbeitet, verschmilzt Afrobeat, R&B, Soul und Pop zu einem unwiderstehlichen Mix. Ihre Musik ist pure Lebenserfahrung – authentisch, berührend und voller persönlicher Geschichten. «Was für euch Dafalgan ist, ist für mich Musik.» Sie erzählt von ihrem Date, ihrem Schmerz und ihrem Herz. Sie tanzt, hat genau abgestimmte Choreografien und bewegt sich professionell im Bühnenlicht. Man sieht ihr an: Sie hat Spass und singt mit Leidenschaft und Können. Besonders ihre Ausschmückungen und Verzierungen bei vielen Schlusstönen lassen einen mit offenem Mund dastehen. Ihre Mischung aus Mundart-Soul mit internationalen Einflüssen zeigt, wie vielseitig Schweizer Musik sein kann. Sie ist ein Spiegelbild der multikulturellen Schweiz und wir staunen, was für schöne Kombinationen entstehen können, wenn man unterschiedliche Genres, Stile und kulturelle Elemente mischt.

CERAMIC DOVES

Holy Moly, dachte man sich nur, als die Performance zu Ende war: Power pur! Ceramic Doves brachten den Kirchplatz förmlich zum Beben. Die Ustermer Rockband lebt für elektrifizierende Live-Shows und kraftvolle Songs. Seit zwei Jahren rocken sie in ihren Vintage-Outfits die Bühnen und haben gerade ihr Debüt-EP «Ceramic Doves» aufgenommen. Für das Band-it Finale brachten sie drei neue Songs mit, bei denen die fünfköpfige Band ihr ganzes Temperament auslebte. Der letzte Song, «Painting Of My Love», handelt von einer zerbrochenen Liebe, die am Ende nur als Imagination im Kopf zurückbleibt, ein Bild der Liebe also. Alle Bandmitglieder waren voll in ihrem Element. Leadsängerin Dana brachte das Publikum zum Hüpfen, Tanzen und Mitsingen. Ihr Motto? Spass haben und loslassen – und genau das übertrug sich auf die mitvibende Menge!

KERENITAA

Mit Kerenitaa wurde es etwas ruhiger und emotionaler: Die Schweizer Künstlerin erzählt mit einfühlsamen Texten und sanften Melodien Geschichten über Verlust, Selbstfindung und das Loslassen. Sie bewegt sich somit in den Genres Indie-Pop und Dark-Pop. Trotz einer Angina brachte sie gemeinsam mit Tony Sonderegger an Schlagzeug und Bass ihre tiefe Musik live auf die Bühne. Inspiriert von Künstlerinnen wie Gracie Abrams und Billie Eilish steht ihre Musik ganz im Zeichen der Authentizität und der menschlichen Tiefen. Vor allem im Song «Minute Of Your Time» geht es um Liebe, die dann aber auf Freundschaft gekürzt wird: «In the end, I’m just a better friend.» Sie findet Worte für das, was viele von uns ebenfalls spüren, denken oder erlebt haben, sich jedoch nicht zu sagen getrauen. Ihre Musik widerspiegelt die Schönheit der Verletzlichkeit.

AMOS

«Wir sind nirgendwo glücklicher als gemeinsam auf der Bühne» – und das strahlte jedes einzelne der sechs AMOS-Mitglieder aus! Die Band lud das Publikum ein, in der Melancholie zu schwelgen und eingängige Melodien und Rhythmen zu geniessen. Die beiden Frontpersonen, Samuel und Iva, legten unglaublich schöne Duette hin: ihre Stimmen flossen ineinander und verwebten die Töne so miteinander, dass es richtig unter die Haut ging. Das Publikum lauschte in der Abendstimmung gebannt den vier Songs, welche die Band präsentierte. Der letzte Song «Castles Of Sand» trug einen an einen imaginären Sandstrand, der Sommervibe lag in der Luft und ging in die Ohren. Ihr Motto «Musik ist gut, wenn’s sich gut anfühlt» war Lebensgefühl pur und steckte definitiv an.

601 ATEMRÄUBER

Nach einer kurzen Pause mit viel Glockengebimmel der Winterthurer Stadtkirche ging es weiter mit der besten SchülerInnenband von 2025: 601atemräuber – frischer Sound direkt aus dem Bandworkshop der Kantonsschule Im Lee! Von rockigen Klassikern über groovige Pop-Covers bis zu tanzbarem Jazz brachten sie ein vielseitiges Repertoire mit. Das Besondere an 601atemräuber? Da sie eine Schulband sind, wechseln die Mitglieder jedes Jahr. Ein Teil der Band heimste den Titel der besten Schulband bereits letztes Jahr unter dem Namen «Sage Green» ein. Heute zeigten sie, dass sie trotz neuer Besetzung genau so gut eingespielt sind.

Amos: @Ethan Welty
Altea: @Ethan Welty
Ceramic Doves: @Ethan Welty
Dizzy Disc: @Ethan Welty

RANGVERKÜNDIGUNG

Sieben Acts, sieben Welten. Was am Samstagnachmittag auf dem Kirchplatz passierte, war mehr als nur ein Musikwettbewerb – es war ein stimmiger Sommertag in Tönen. Hier standen nicht nur MusikerInnen auf der Bühne, sondern junge Menschen mit ihren Träumen, Geschichten und dem Mut, diese vor Hunderten von Fremden zu teilen.

Die Jury hatte es nicht leicht. Wie vergleicht man die intime Verletzlichkeit von Kerenitaa mit der explosiven Energie von Ceramic Doves? Wie bewertet man die internationale Sophistikation von Altea gegen die authentische Direktheit von AMOS? Jeder Act war in seinem Genre zu Hause, aber alle vereint dasselbe: die Freude am Performen.

Doch wer gewann nun das Finale? Damit die Jury die Bands möglichst objektiv bewerten kann, arbeiteten sie mit drei Hauptkriterien: Musikalischer Gesamteindruck, Bühnenpräsenz, sowie Komposition und Arrangement. Nach ungeduldigem Warten erschien das Moderationteam Darian, Grâce und Leona auf der Bühne. Zusammen mit Salome und Elias von Fiddle Jammer gaben sie die GewinnerInnen bekannt: auf Platz vier Dizzy Disc, gefolgt von Ceramic Doves auf Platz drei und Altea auf dem zweiten Rang. Nach viel «Trommelwirbel» wurde es nochmals laut –  AMOS wurde auf die Bühne geholt und gewinnt das Band-it 2025!

Am Ende zählte jedoch nicht nur die beste Performance, sondern auch dieser besondere Moment, in dem Publikum und KünstlerInnen miteinander verschmelzen, man den Menschen die Freude an der Musik ins Gesicht geschrieben sieht und alle eine geniale Zeit haben.

Hast du das Finale verpasst?

Keine Sorge, denn die 1. – 4. Platzierten kannst du am 31. August nochmals erleben. Sie treten dann im Moods in Zürich auf, wo es für sie einen Videodreh und eine Abschlussparty gibt.

📆 Sonntag, 31. August 2025
 18.00 Uhr
📍 Moods, Schiffbauplatz – 8005 Zürich
🎫 Eintritt:
kostenlos

Beitragsbild: Olivia Glatz

Ich sitze am Gate 2 des Flughafens Lomé. Vor einigen Monaten wusste ich nicht einmal, dass es eine Stadt gibt die Lomé heisst, und schon gar nicht wo diese Stadt liegt. Jetzt, die Uhr viel Zeit nach vorne gedreht, nach einem Monat in der Hauptstadt Togos, Lomé, blicke ich auf einige der lehrreichsten, schönsten und interessantesten Wochen meines Lebens zurück. Es fällt mir schwer, Lomé hinter mich zu lassen. Es fühlt sich an, als hätte ich schon immer hier gelebt, als wäre dies mein ganz normales Leben. Doch ich weiss, dass es sich wie ein Traum anfühlen wird, wenn ich wieder am Flughafen Zürich sein werde, wo alles so sauber, ordentlich und perfekt ist. Wie weit weg sich die Schweiz doch angefühlt hat. Wie viele Erinnerungen ich in diesen Wochen geschaffen habe. Wie sehr ich mich entwickelt habe. Wie viel ich gesehen, gespürt und erlebt habe. Wo soll ich nur beginnen?

Der erste Eindruck

Ich denke an meine Abreise zurück, und erst nach einigem Studieren fallen mir die Abschiedsgrüsse meiner Familie am Flughafen Zürich wieder ein. Darauf bin ich in den Flieger nach Paris gestiegen, habe dort vergeblich versucht ein Kabel für meine Garmin Uhr zu finden. Meine Uhr, die meine Schritte, meinen Schlaf, mein Energie-Niveau, meinen Kalorienverbrauch und meine sportlichen Aktivitäten trackt. Da ich keines gefunden habe, beschloss ich, die Uhr abzulegen – so wie ich beschlossen habe alle Ordnung, Kontrolle und Struktur meines Lebens in der Schweiz abzulegen. Ich war bereit für das Abenteuer Lomé. Ich war bereit, in ein unbekanntes Land zu reisen, in dem ich nur zwei Personen kannte. Ich war bereit das Chaos, die Ungewissheit und das Unbekannte zu erkunden.

Im Flugzeug nach Lomé schaute ich den Film «Wicked», in dem Elphaba, die Hauptfigur, in die unbekannte Stadt «Emerald City» reist. Im Wicked-Film wird die Emerald City als monumentale, vertikale Fantasiemetropole dargestellt. Die Stadt wirkt grandios und traumhaft. Es wimmelt nur so von freudigen Menschen, grünen Pflanzen und schimmernden Lichtern. Noch wusste ich nicht, dass die fiktive Stadt Emerald City und Lomé absolute Gegensätze sein würden.

Ich wurde am Lomé Flughafen abgeholt, vom Vater der Familie, mit der ich die nächsten Wochen leben würde. Ich habe ihn und seine Tochter diesen Winter in den Bergen kennengelernt – ich war ihre Skilehrerin. Nun treffen wir uns nach einigen Monaten auf der anderen Halbkugel der Welt wieder. Wir fahren durch die Stadt, es ist schon dunkel. Die Strassen sind knapp beleuchtet. Während die «Emerald City» aus dem Film in die Höhe strebt mit ihren monumentalen Türmen und vertikalen Prachtbauten, breitet sich Lomé horizontal entlang der Atlantikküste aus, verwurzelt in der Realität des westafrikanischen Alltags. Mit der Realität wurde ich gleich konfrontiert, als wir an einem Unfall vorbeifuhren. Es lagen Menschen auf der Strasse; Autos und Motorräder waren komplett kaputt. Menschen standen herum, aber niemand half den Verletzten. «Mais personne ne les aide», sagte ich verzweifelt. «Non, c’est normal ici. C’est un grand problème», bekam ich zur Antwort. Was ich da zum ersten Mal sah, würde ich noch viele weitere Male sehen und zu hören bekommen: In Togo gibt es niemanden, nichts, der einem in Krisensituationen hilft. Du bist vollkommen auf dich allein gestellt. Dein Überleben liegt in deinen – oder, wenn du daran glaubst, in Gottes – Händen. Nach dieser Szene fühlte ich mich tatsächlich wie im Film.

Foto aus dem Autofenster, Lomé, Mai 2025: zu fünft auf dem Motorrad – in Togo ganz normal

Das Praktikum in der Juice-Fabrik

Ich war unendlich froh, dass ich als eine der wenigen Touristen im Land nicht ganz auf mich allein gestellt war. Ich lebte mich nämlich sehr schnell in das Familienleben meiner Gastfamilie ein. In der ersten Woche begleitete ich vor allem den Vater der Familie. Er ist der Gründer und Direktor seiner eigenen Juice-Firma. Er macht aus lokalen Früchten und Rohstoffen hochwertigen Juice, den er vor allem in Togo selbst verkauft. Ich ging an seine Meetings mit, war Teil der wöchentlichen Degustationen und bekam einen Einblick in den bürokratielastigen Alltag eines kleinen Unternehmens. Ich lernte das Leben eines Entrepreneurs kennen, der es in einem fremden Land geschafft hat, ohne Wissen, Wurzeln und Vitamin B ein erfolgreiches Unternehmen zu führen. Er ist einer der wenigen, der in Togo selbst produziert und die lokalen Rohstoffe nicht exportiert, sondern vor Ort in ein Produkt umwandelt.

In der ersten Woche ging ich ausserdem an einem Tag mit der «Commerciale» mit. Sie ist verantwortlich für die Beziehung zwischen dem Unternehmen und den Kunden. Jeden Tag besucht sie mit ihrem Motorrad verschiedene Kunden, fragt, ob es Probleme gab, welche Juices sich besonders gut verkaufen, ob der Kunde eine neue Bestellung aufgeben möchte. Zudem soll sie sicherstellen, dass die Juices den bestmöglichen Platz im Laden bekommen; sie achtet auf die Platzierung im Regal, auf die Präsentation der Flaschen und vergleicht mit der Konkurrenz. An einem Tag sah ich alle verschiedenen Arten von Kunden: Tankstellen, Restaurants, Hotels, Cafés, Minimarkts und grössere Lebensmittelverteiler – alle mit unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen. Doch das Ziel des Unternehmens ist immer das Gleiche: auf diese eingehen und eine möglichst lukrative Beziehung zum Kunden aufbauen.

Ich hatte mich ebenfalls dazu entschlossen, für einen Tag in der Produktion mitzuarbeiten. Am Morgen um 8 Uhr war ich da, in meiner weissen Arbeiteruniform. Auf dem Arbeitsplan standen 620 Liter Mangosaft. Der Tag begann damit, reife Mangos auszusortieren und diese zu waschen. Danach wurde jede einzelne Mango aufgeschnitten und auf ihre Qualität überprüft. Ungewohnt für mich, mit einem riesigen Messer um den Kern der Mango zu schneiden, betete ich still vor mich hin, dass ich ohne einen Schnitt davonkommen würde. Ich war umso erleichterter, als dann die Zentrifuge hervorgeholt wurde und ich helfen durfte, die Mangostücke oben in die Maschine zu leeren und dann mit Zufriedenheit zuzusehen, wie langsam Mangopüree auf der anderen Seite unten rauskommt. Dieser Vorgang wurde noch einige Male wiederholt, bis nur noch Mangosaft ohne Fasern übrigblieb. Der Saft wurde in riesige Kessel geleitet, wo er dann nach Geheimrezept zubereitet wurde. Über andere Leitungen gelangte der vervollständigte Saft dann zur Pasteurisierungsmaschine, worin er auf eine genaue Temperatur erhitzt wurde, bevor er dann in die Glasflaschen abgefüllt wurde. Als wir um die Mittagszeit schon beim Abfüllen waren, dachte ich, der grösste Teil sei geschafft. Irren ist menschlich: Das Abfüllen dauerte mehrere Stunden, und die Etikettierung hatte ich wohl ganz vergessen gehabt. Also verbrachte ich den Nachmittag damit, die Etiketten von Hand auf die Flaschen zu kleben.

Das Team war eingespielt: Jeder wusste, wann welcher Schritt zu erledigen war. Sie arbeiteten fleissig und geschmeidig. Für die erste Stunde empfand ich die Arbeit als eine Art Meditation. Ticktack, ticktack. Ticktack. Nach einiger Zeit wurde die dauerhafte Repetition mühselig. Mein Gehirn wollte eine andere Art von Stimulation. Doch das erlaubte ich ihm nicht. Ich arbeitete einfach wie die anderen Arbeiter schön weiter: Etikette nehmen, bepinseln, ankleben. Etikette nehmen, bepinseln, ankleben. Ticktack, ticktack, ticktack. Und so tickten die Stunden dann vorbei.

So hautnah mitzuerleben, wie eine Mango vom Baum zum Mangosaft in der Flasche wird, hat mir die Augen geöffnet. Mir wurde bewusst, wie unglaublich dankbar ich bin, nicht jeden Tag diese Art von Arbeit erledigen zu müssen; die Wärme und Schwüle macht die schon intensive körperliche Arbeit zu einer Herausforderung. Mental braucht es Stärke, mehrere Stunden lang auf einem Schemel zu sitzen und die gleiche Etikette auf hunderten von Flaschen anzubringen. Nie zuvor hatte ich mir genauere Gedanken darüber gemacht, wie viele Zwischenschritte und Überlegungen es braucht, um die Verwandlung einer Mango zu ermöglichen. Wenn ich jetzt im Laden oder zuhause ein Produkt in den Händen halte, kann ich mir mit Bildern, Emotionen und Erfahrungen vorstellen, wie viel es dafür gebraucht hat, dass ich es jetzt, so wie es vor mir steht, konsumieren kann.

Projekt mit Effekt

Nach einer Woche hatte ich also schon ein Bild, wie die Kundenbeziehungen, die Produktion und das Unternehmen aufgebaut waren und wie, was vonstatten ging. Ich wurde gefragt, was ich denn die restliche Zeit gerne machen wollen würde. Ich erklärte, dass die Säfte zweifelsohne unglaublich lecker schmecken und ich von diesen mehrere am Tag trinken wollen würde. Nun, in der Realität würde ich das als gesundheitsbewusster Mensch nie machen, da die Säfte von Natur aus viel Zucker enthalten. Ich würde meinem Körper keinen Gefallen tun.

Nun war mir auf diese Weise eine Idee gekommen. Mein Projekt: «Detox-Juices». Und genau das war es, was ich die restliche Zeit noch in Togo machte. Ich recherchierte diverse lokale und exotische Früchte, Gemüse, Kräuter, Gewürze und Pulver, die ich für die Detox-Säfte benutzen könnte. Es war unglaublich zu lernen, was es alles für Zutaten gibt, die ich von zu Hause gar nicht kannte: Kolanüsse, Zitronengras, Baobab, Hibiskus, Moringa, Tamarind – die Liste geht weiter.

Danach erstellte ich erste Rezepte nach unterschiedlichen Funktionen und Farben: rot, gelb und grün, mit je unterschiedlichen Wirkungen – der eine stimulierend, der andere reinigend, der andere verdauungsunterstützend. Ich ging an den lokalen Markt, um die Zutaten zu besorgen, und begann, erste Testversionen mit der Produktion herzustellen. Mit den Testversionen machten wir intern Degustationen, experimentierten mit den daraus gewonnenen Verbesserungsvorschlägen und Änderungen. Dieser Prozess wiederholte sich zig Male. Bevor ich dann abreiste, entwarf ich passende Etiketten, durfte die aktuellste der Testversionen meines Lieblingssaftes mit nach Hause nehmen und Freunden und Familie zum Probieren geben.

Die drei Detoxsäfte, Probeversionen

Das einheimische Togo

Während sich meine Engsten mit den Säften in etwa vorstellen konnten, was ich in Togo so gemacht hatte, gab es vieles, das ich ihnen nicht zeigen, sondern nur erzählen konnte: wie die Menschen so waren, welchen Eindruck Togo bei mir hinterlassen hat, was ich fürs Leben gelernt hatte.

Während meinem kleinen Praktikum in der Juice-Fabrik versuchte ich manchmal, mit den anderen Arbeitern zu sprechen, um etwas über sie und ihr Leben zu erfahren. Es war schwierig, sie zu erreichen. Die meisten trauten sich kaum, etwas über sich selbst preiszugeben, und erst nachdem sie ein wenig Vertrauen in mich geschöpft hatten, bekam ich eine zaghafte Antwort. Viele der Arbeiter waren nur einige Jahre älter als ich. Sie alle hatten begonnen zu studieren, aber nur wenige hatten tatsächlich einen Abschluss bekommen können. Stipendien gibt es nur wenige. Die Glücklichen, die sie erhalten, gehen ins Ausland studieren und kommen nur selten zurück in das Land. Für die Restlichen war in fast allen Fällen gegen Ende einfach kein Geld mehr da, um die Universitätsabgaben zu bezahlen.

So auch bei der Commerciale, mit der ich etwas mehr Zeit hatte zu sprechen, da ich mit ihr einen ganzen Tag unterwegs war. Sie sagte, im Vergleich zu ihren Freundinnen könne sie sich nicht beklagen. Viele in ihrem Umkreis haben schon Kinder, die Zeit, Energie und Geld in Anspruch nehmen. Sie dagegen wohnt allein, hat ein eigenes Motorrad (was als Luxus zählt) und hat ein stabiles Einkommen. Dieses Einkommen reicht meistens, um über die Runden zu kommen, doch manchmal muss auch sie von der Bank leihen, wenn zusätzliche Kosten entstehen. In ihrer Freizeit kocht sie gerne und schaut Netflix-Serien. Für Sport habe sie keine Energie, wenn sie nach Hause kommt. Ihr grösster Traum ist es, ins Ausland zu gehen – Togo zu verlassen. So wie alle in ihrem Land es sich wünschen.

An diesem Tag sah ich viele verschiedene Zonen von Lomé – von reich bis arm. Was mir schon die ganze Zeit sehr ins Auge gestochen war, war, wie gut alle togolesischen Frauen gekleidet und gestylt waren. Ich fühlte mich in meinen Jeans und einem unifarbenen T-Shirt wirklich sehr underdressed. Ich fragte mich oft: Wieso legen die Menschen hier so viel Wert auf ihr Äusseres, wenn sie kaum das nötige Geld aufbringen können, um die Grundbedürfnisse zu decken?

Als ich später dann auch noch erfahren habe, dass die togolesischen Frauen manchmal bis zu einem Drittel ihres Einkommens für ihre Haare aufwenden, wurde ich wirklich nachdenklich. Nach einem Monat in Togo kam ich zu einer möglichen Schlussfolgerung: genau deswegen – weil Menschen in Togo sonst nicht vieles haben, ist es ihnen wichtig, wenigstens das, was ihnen niemand wegnehmen kann, nämlich sich selbst, zu pflegen und zur Schau zu stellen. Es ist eine Art, die menschliche Würde aufrechtzuerhalten und eine Art, Respekt gegenüber sich selbst zu zeigen. Es ist eine Art zu sagen: Egal wie wenig ich habe – mit dem, was ich habe, mache ich das Beste daraus.

Ob das stimmt oder nicht, weiss ich nicht. Es ist eine meiner eigenen Thesen, um eine Antwort auf eine tief verwurzelte Tradition Togos zu finden.

Die Kleidung war zum Beispiel ganz anders gewesen in Kenia, wo sich die Menschen ähnlich wie in Europa anzogen. Schon bei meiner Ankunft war ich erstaunt, wie vieles sich in Togo von den Menschen, der Kultur und der Gesellschaft unterschied, die ich in Kenia kennengelernt hatte. Dort waren alle so offen, voller Energie und immer in Partystimmung. Das Leben war ein Tanz, Musik hörte man überall – egal ob auf den Strassen oder im Wohnzimmer der Oma. Sogar auf dem Weg zur Arbeit war Party angesagt gewesen: in den sogenannten Matatu-Bussen. Auch dort konnte das Leben hart sein, die Regierung korrupt und die Entwicklung nur langsam am Voranschreiten. Aber die Menschen hatten Lebensfreude – sie lächelten und feierten das Leben.

Es ist tadelswert, aber: In Togo hatte ich irgendwie dasselbe erwartet. Doch hier sah man den Menschen ihr hartes Leben an. Das Lächeln war in zusammengezogene Augenbrauen ausgetauscht worden. Das Lachen in Pusten und Seufzer. Die Lockerheit in Verspannung. Die Menschen, die ich auf den Strassen sah, wirkten meist energie- und freudelos. Einmal sah ich einen Vater, der seinen lachenden Sohn in die Arme schloss und lachte. Ich dachte mir, dass dies wohl eines der ersten Male war, dass ich in Lomé auf der Strasse jemanden von Herzen lachen gesehen hatte. Ich lernte, dass Ostafrika nicht Westafrika ist. Selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass Osteuropa nicht Westeuropa ist. Ost und West – in beiden Fällen unvergleichbar.

Das expatriierte Togo

Während die einen davon träumen, wegzugehen, erfüllen sich die anderen den Traum, hinzuziehen: Ein ganz anderes Leben als die Einheimischen lebten nämlich die Expats in Lomé. Ich lernte vor allem die französische Community von Expats in Lomé an einigen Partys und Anlässen kennen. In diesen Momenten fragte ich mich, wie ich einige Stunden davor noch mit Menschen gesprochen hatte, die kaum Geld für ihr Essen hatten. Ich sah den gegensätzlichen Lifestyle der Menschen, die ihr Land hinter sich gelassen hatten, um nach Togo zu kommen. Die Diskrepanz und Kluft der beiden Lifestyles: immens.

Mein Gastvater hatte mir schon von Anfang an gesagt: «Menschen, die hierherkommen, sind crazy. Sie müssen unabdingbar crazy sein, sonst wären sie nicht hier.» Das bedeutete indirekt, dass seine Familie – und auch ich – crazy waren, was man vielleicht so sagen kann. An vielen Anlässen wurde meine «Craziness» getestet. «Niemand kommt einfach so hierhin», wurde oft der Frage, wieso ich denn in Togo sei, nachgestellt. Ich sagte ihnen, dass ich mich so gut mit der Familie verstanden hatte, als ich sie in den Bergen als Skilehrerin angetroffen hatte, und neugierig geworden war, als die Tochter mir erzählte, sie lebe in einer Stadt namens Lomé.

Oft konterte ich daraufhin mit derselben Frage und bekam fast immer dieselbe Antwort: Europa sei ihnen zu langweilig geworden, sie hätten Lust auf ein Abenteuer gehabt. Denn das Leben in Togo ist für Europäer zweifelsohne ein Abenteuer. Vieles ist so anders.

Was ich mit «Vieles» meine: das Klima – die konstante Hitze mit der drückenden Schwüle. Die Politik – Togo ist auf dem Papier eine Demokratie, aber komischerweise wird der Präsidententitel familiär vererbt. Das Arbeitsethos – man macht so viel, dass man selbst über die Runden kommt. Nicht mehr, aber vielleicht weniger. Dazu gehört selbstverständlich der Mittagschlaf am Strassenrand – auch im Anzug erlaubt. Denn das Motto der Kleidung lautet: Egal wie heiss es ist, man zieht sich gut an. Ausser die Kinder – die rennen in nur Unterhose auf der Strasse herum.

Der Verkehr – der Stärkere überlebt. Die Strassen – sie sind lehmrot, nicht asphaltschwarz. Die Ampel – an manchen Kreuzungen machtlos, denn obwohl sie rot schreit, wird aufs Gas gedrückt. Man muss nur wissen, an welche Kreuzungen. Das Trinkwasser – in Plastiksäcken («Doch wie öffnet man es?», fragte ich mich. «Mit den Zähnen», bekam ich als Antwort). Die Mentalität – ein Tag nach dem anderen, denn es interessiert sowieso niemanden, was am Tag zuvor oder danach gemacht wird. Die Zeit – es gibt nur das Hier und Jetzt, alles andere ist irrelevant. Zuletzt ist auch die Freiheit eine andere.

In Europa verkörpert sich Freiheit oft in konkreten Rechten: der Macht des Wortes gegen die Obrigkeit, der Stimme bei Wahlen, dem Geld als Türöffner zu materiellen Wünschen, der Bewegung ohne Grenzen. Diese Freiheit sammelt Möglichkeiten wie Werkzeuge in einer Kiste – je mehr, desto freier der Mensch. In Togo hingegen entdecken viele der Expats eine Freiheit der Abwesenheit. Hier ist frei, wer sich von den unsichtbaren Fäden, die Familie und Gesellschaft um das Leben spinnen, lösen konnte. Frei von den Blicken der Nachbarn, frei von den Erwartungen der Eltern, frei von Verpflichtungen, die nie gewählt wurden. Es ist die Freiheit des Loslassens. Das gibt ihnen die Freiheit, ganz zu tun und zu sein, wie sie es sich wünschen – ungefiltert, unmoralisch und ungezügelt.

Und das schockierte mich von Anfang bis Ende immer wieder. Doch die Europäer in Togo sind an sich nicht einmal so viel anders als die Europäer in ihren Ländern. Sie haben einfach aufgehört, sich der Gesellschaft, in der sie gross geworden sind und aus der sie kommen, zu biegen. Sie sind aus dem beengenden Korsett gestiegen und haben es in ein luftiges afrikanisches Gewand eingetauscht. Sie haben ihre Uhren eingetauscht. Die Zeit hat sich für sie verändert. Für manche haben sich die Abstände zwischen dem Tick und dem Tack vergrössert. Für andere ist sie ganz stehen geblieben. Und für diese Menschen fühlt sich das nach Freiheit an. Und vielleicht ist es das in ihrer Welt auch.

Und somit stehen sich zwei Philosophien gegenüber: Die eine fragt, was sie nicht hat, aber haben will – die andere, was sie hat, aber nicht haben will. Die eine baut auf, die andere lässt los. Beide suchen wahrscheinlich, wie alle Menschen, dasselbe: Ort, Raum und Umgebung, in denen der Mensch er selbst sein kann, sich verwirklichen, sich frei fühlt. Doch ihre Vorstellungen und Wege dahin könnten unterschiedlicher nicht sein.

Als ich jedoch sah, in wie viel Geld und Luxus das Leben der Expats oft getränkt war, fragte ich mich, ob diese Menschen denn wirklich freier und glücklicher sind als die Einheimischen in Togo oder als die Europäer in Europa. Meine Gastfamilie – auf jeden Fall. Auch andere. Die, die ihren Weg gefunden haben. Die, die in ihrem Leben einen Sinn gefunden haben. Die, die sich im Spannungsfeld zwischen Sein, Besitzen und Tun orientieren gelernt haben.

Doch die meisten Expats waren in meinen Augen vor allem eines: lost. Und so fragte ich mich: Sind diese Partys, diese (ausserehelichen) Abenteuer und diese Extravaganz nicht einfach eine Fassade? Ein Aushängeschild, auf dem geschrieben steht: «Zero fucks given, life is good, I am free» – um genau das, ein freies, tolles Leben, vorzuspielen? Eine scheinbare Fülle? Ist es nicht, als wollten genau diese Menschen etwas beweisen? Wieso haben sie ein so grosses Bedürfnis nach Ansehen, Aufmerksamkeit und Bestätigung? Liegt darin nicht vielleicht die grösste Unzufriedenheit von allen? Wenn die Zeit – trotz glitzernder Rolex am Handgelenk – stehen bleibt, du stehen bleibst auf deinem Weg oder ihn gar nie gefunden hast? Wenn du dich von Ketten gelöst zu sein glaubst, aber diese dir unbewusst immer noch ins Handgelenk schneiden?

Das meine Togo

Sie sagten mir, sie wollten Abenteuer. Doch ihre Wahrheit ist – so glaube ich doch –, dass viele der Expats in Togo wohl eher vor etwas in ihrem Heimatland geflüchtet sind: verhedderte Beziehungen, belastete Familiengeschichten, gesellschaftlicher Druck, finanzielle Handschellen – oder vor sich selbst.

Ich sagte ihnen, ich war neugierig. Doch meine Wahrheit ist, dass auch mir mein Land zu viel wurde. Im Land der Uhren, das selbst aufgebaut ist wie eine – in dem alles wie die tausenden von Zahnrädern einer Uhr reibungslos und geschmeidig läuft. Wo die grösste Angst ist, dass diese Zahnräder mal langsamer laufen, dass ein Zahnrad nicht mithalten kann und das System versagt. Auch ich wollte kurzzeitig fliehen. Vor vielem. Meine Reise nach Togo war ebenfalls eine Flucht. Aber eine Flucht, vor der ich keine Furcht gehabt hatte. Ich hatte mich dort mit Menschen ausgetauscht, Menschen beobachtet, Menschen zugehört – und mich an Menschen gebunden. Dies hatte mich über Menschen gelehrt. Vor allem über mich als Mensch. Ich brauchte dies, um einzusehen, dass meine Flucht nur temporär war – und dass ich die Zahnräder eigentlich mag, wenn ich sie aus etwas mehr Distanz beim Ticken zuschauen kann. Nach Togo sah ich klarer. Ich sah die Uhr als Gesamtheit, mich als kleines Zahnrädchen in einem System. Ich sah, dass jeder Mensch wiederum seine eigene Uhr besitzt. Dass Zeit universell existiert und doch persönlich empfunden werden kann. Dass sie manchmal fliegt und manchmal stehen bleibt. Und dass dies in Ordnung ist, solange man sich dessen bewusst bleibt – und sie nicht für immer stehen bleibt.

Als ich wieder zuhause war, überrumpelte mich keine der Uhren mehr. Im Gegenteil: Ich hatte das Bedürfnis, meine Uhr wieder anzulegen, die Zahnräder wieder drehen zu sehen, den Fortschritt wieder messen zu können. Die Zeit, in der ich meine persönliche Uhr abgelegt hatte, war eine Zeit, in der ich meine Uhr und die Uhr, von der ich Teil bin, studieren konnte. Eine Zeit, in der ich Teile meiner Uhr neu zusammengebaut hatte. Eine Uhr, die jetzt anders tickt als bevor ich nach Togo ging. Eine Uhr, in der die grossen, komplizierten und schwer zugänglichen Zahnräder – wie Freiheit, Lebenssinn und Glück – ausgebaut worden waren. Eine Uhr, die viel verzahnter geworden ist, aber mir gleichzeitig etwas Orientierung, Klarheit und Weitsicht gegeben hat.

Denn ich habe eingesehen, dass ein Weglegen meiner Uhr nötig gewesen war, um einzusehen, dass ich das Ticken meiner Schweizer Uhr mag. Dass ich auf dem richtigen Weg bin – und manchmal nur etwas weniger auf meine Uhr schauen soll, um mich stattdessen umzuschauen, wo ich mich auf meinem Weg befinde. Denn dieser Weg ist vielleicht nicht immer perfekt wie eine tickende Uhr, aber es ist mein Weg. Und das macht ihn für mich wunderschön.

Ich auf einer Wanderung in Kpalimé, im Innern von Togo

Ich frag mich
Was passiert mit uns Jungen?
Rauch in unseren Köpfen und Lungen
Kein Herz auf den Zungen

Doch ein Herz für ein Bild, einen Beitrag,
auf dem man sich stellt als wär’s immer Freitag
alles immer übertrieben, geheuchelt gut
Zu viel Dopamin im Blut
in einer Welt, die nie ruht
in einer Welt aus einer endlosen Flut

Eine Flut aus Impressionen
Schnell kommen die Depressionen
bei diesen endlosen Prästationen
Bilder, Fotos, Pics und Snaps
Das Leben spielt in diesen Apps

Ein Spiel ist das Leben,
in dem wir nach Erfolg streben
Erfolg für uns scheint Geld abzuheben
Zu scheinen in jedem Lebensbereich
Besser zu sein im Vergleich

Gleich und doch ganz fremd
Wenn man an diese Generation denkt,
in der man einander kaum Zeit schenkt
und in der man vor seiner Realität rennt,
Leute nur von Insta her kennt,
wo man besser ist, intransparent
auch wenn es andere kränkt
denn alle sowieso abgelenkt
nur so wird man anerkennt

nicht im Moment
Moment festhalten,
Stories, Momente, alles gemacht
Doch war ich da? wirklich da?
hab ich mir gedacht

Ein Leben um Momente perfektionieren
Ohne überhaupt zu reflektieren
Nur um sich zu ameliorieren

Ein Leben um Statements machen
Ohne zu diskutieren
Die Zunge nicht im Zaum
Denn wir sind ja nur im digitalen Raum

Alles doch nur ein Traum
Träume die sind Schäume
Doch für die Instastory gehört ein Schaum dazu
Der Traum perfekt zu sein
In einer Welt ohne ein nein
In einer Welt mit Schein

Auf das Äussere liegt der Fokus
Neue Lippen, neuer Bizeps Hokus Pokus
Schönheitswahn
Oder, wenn du willst, Erlebniswahn

Wann ists genug
Von diesem künstlichen Glücksschub?
Alles nur ein Flug
In eine Dunkelheit die sich grub
Wo man Angst hat vor Betrug
Denn niemand, nichts ist echt
Wo bleibt unser Recht
Wo bleibt die Loyalität
Wo bleibt die Realität

Alles einfach weggefegt
Wenn nur das Äussere zählt
Und nicht was das Herz wählt
In dieser Generation so viel das fehlt
Das ist’s was mich so quält

In einer Generation der Qual der Wahl
Was sagt dir die Zahl
Die Zahl auf deinem Test
deiner Folger
Nachfolger von morgen
Was ist aus uns geworden
Die Welt voller Sorgen
Niemand mehr geborgen

Bilder, Fotis, Pics und Snaps
Stories, Momente, alles gemacht
War ich da, wirklich da, hab ich mir gedacht

Wer sind wir dann am Schluss, unsere Generation
Gibt’s da irgendwann eine Regeneration?

Wir, zusammen mit der Natur
Wieder rein, authentisch, pur
Alle wieder pur und die Bäume grün
Ohne diese Geräte und das ständige Bemüh’n

Einfach ganz aus sich selbst zu blühen
Um wieder uns selbst zu sein
Die Stimme zu finden, vom inneren Kindlein
Zurück zu dem, was zählt
Und was dein Herz wählt

Weg von
Bilder, Fotis, Pics und Snaps
Stories, Momente, alles gemacht
Ich war, wirklich da, hab ich mir gedacht
Und am Schluss noch gelacht
Was passiert mit uns Jungen?

Der Dezember ist für viele eine stressige und intensive Zeit: Semesterprüfungen, Weihnachtsessen, Weihnachtsgeschenke, Jahresbilanz, Ziele für das nächste Jahr. Wir vergessen fast, die Zeit der Liebe richtig zu geniessen – auf jeden Fall ging es mir in den letzten paar Dezember oft so. Ich hatte so viel los, dass ich nicht mal richtig in Weihnachtsstimmung kam, ganz plötzlich war das letzte Türchen im Adventskalender auch schon auf und Heiligabend stand an.

Doch im Jahr 2024 war es anders für mich. Ich habe während meiner Zeit in Italien gelernt, das Leben etwas lockerer zu nehmen, einfach mal zu sein, den Moment geniessen. Vor allem in Sizilien schien es so, als wäre Zeit etwas Endloses, als würden die Uhren dort langsamer ticken. Vielleicht können wir emsigen Schweizer uns gerade jetzt in den dunkelsten Tagen des Jahres von den Sizilianern eine Scheibe abschneiden?

Denn sogar Goethe sagte einst nach seiner Sizilienreise: «Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele: hier ist erst der Schlüssel zu allem». Die grösste Mittelmeerinsel hat nicht nur Goethe restlos begeistert, sondern auch mich. Die sechs Wochen als Au-pair in einer palermitanischen Familie lassen sich nicht mit einem Wort beschreiben. Doch im Folgenden versuche ich, meine Erfahrungen, Gefühle, Eindrücke, Stimmungen und Kulturschocks mit einer kleinen Ansammlung von Wörtern zusammenzufassen.

Palermo: kurzweiliger Kulturschock und Könige

Nach idyllischen Tagen in Tropea, Kalabrien war es Zeit für mich, endlich mal länger als einige Nächte unter demselben Dach zu verbringen. Es war Zeit für Palermo. Mit dem Zug fuhr ich von Tropea nach Villa San Giovanni. Von dort aus die Fähre nach Messina und dann nochmals eine Zugfahrt nach Palermo. Am Bahnhof von Palermo holten mich meine Gastmutter und mein Gastbruder ab – tatsächlich stilecht mit einem Fiat Panda. Die Fahrt durch Palermo war meine erste Lektion in italienischer Fahrkultur: Ampeln sind Richtlinien, Vorschriften Empfehlungen, Zebrastreifen Rennstrecken. Meine Gastmutter erklärte mir schmunzelnd: «Wer in Palermo fahren kann, kann überall fahren». Das Haus hatte ich auf Google Maps schon etwas gestalkt, daher wusste ich, dass die Familie eher wohlhabend sein musste. Doch die Villa, vor der wir hielten, war noch imposanter als gedacht. Die drei-Meter Mauer mit Stacheldraht versehen, das elektrische Tor mit Handyapp zu öffnen. Mein Gastvater begrüsste mich herzlich und zeigte mir mein Zuhause für die nächsten paar Wochen: Es war ein kleines Cottage neben der grossen Villa. Nichts Besonderes, jedoch hatte ich meine eigene Küche und mein eigenes Bad. Nach einem grossen Putz fühlte ich mich allmählich im Cottage wohl.

Die ersten paar Tage lassen sich wohl am besten mit «gewöhnungsbedürftig» beschreiben. Ich lernte den italienischen Alltag kennen. Mittagessen: um 14 oder sogar 15 Uhr, jeden Tag Pasta. Abendessen: ebenfalls sehr spät. Kommunikationsart: laut und Schimpfwörter-lastig (unmöglich einen Streit von einer normalen Konversation zu unterscheiden). Busse: Fahrplan nach Lust und Laune der Busfahrer. Die Menschen: direkt aber herzlich, gastfreundlich, offen, gesprächig und lustig. Gefahren: Strassenüberquerung, Overeating (resistance is futile), bestimmte Quartiere im Süden der Stadt bei Nacht.

Ich pendelte mich langsam, aber sicher ein. Ich ging jeden Tag ins nahegelegene Fitnessstudio, lernte dort eine Menge «Palermitani veri» also echte Palermitaner kennen. Das Gym war eines der Besten, das ich je besucht habe: private Trainer, hochmoderne Geräte und die Musik genau mein Geschmack (Rap, R&B, Pop, Hip-Hop). Menschen allen Alters waren dort, manchmal mehrere Generationen. Nonna, Mamma und Bambino. Zudem ging ich an Veranstaltungen der Gruppen «Expats in Palermo» und Erasmus-Studenten: Paddel, Buchclub und Wanderungen. Ich traf auf so viele grossartige und herzliche Menschen, mit denen ich während meiner Zeit in Palermo immer wieder Ausflüge machte und zusammen die Stadt erkundigte.

Die Stadt Palermo hat nämlich so viel zu bieten. Einerseits alle Sehenswürdigkeiten, die von den unterschiedlichen kulturellen Einflüssen erzählen. Das wohl berühmteste Gebäude Palermos ist die Kathedrale. Diese wunderschöne Kirche ist mit ihrer normannisch-arabischen Bauweise und ihrem hübsch gestalteten Vorplatz ein wahrer Hingucker. In der Altstadt findet sich ebenfalls die Strasse Via Vittorio Emanuele, die in die schönste Kreuzung, der «Quatro Canti» endet.

Das Palazzo dei Normanni (auch Palazzo Reale genannt) wurde in allen Reiseführern ebenfalls als ein Must-Visit betitelt und ich stimme vollkommen zu, dass dies zutrifft. Seit 1947 ist der Palast Sitz des sizilianischen Parlaments und gehört seit 2015 zum UNESCO-Weltkulturerbe.[1]

Der Königliche Garten von Palermo, neben dem Normannenpalast gelegen, war ursprünglich ein privater Rückzugsort der normannischen Könige. Heute ist er eine grüne Oase mit exotischen Pflanzen, Brunnen und kleinen Pavillons. Im 19. Jahrhundert teilweise als Wildpark genutzt, dient er inzwischen als Naherholungsgebiet für Einheimische und Touristen (wie mich, die die schöne grüne Natur der Schweiz vermisste).[2]

Die Cappella Palatina im Normannenpalast, 1130 von Roger II. erbaut, gehört ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe und ein Meisterwerk normannisch-arabisch-byzantinischer Kunst. Ihre goldenen Mosaiken, islamisch verzierte Holzdecke und kulturelle Vielfalt machen sie zu einem der bedeutendsten Monumente Siziliens.[3] Wer wie ich noch nicht zu viel von Kirchen und Kultur hat, sollte sich unbedingt auch die «Chiesa del Gesù», «Chiesa San Cataldo», «Piazza Bellini» und «Piazza Pretoria» ansehen. Palermo ist ein lebendiges Museum unter freiem Himmel.

Als Ausgleich zur vielen Kultur und Kulinarik gingen meine Freundinnen und ich oft auch Wandern. Ein Must-Visit ist auf jeden Fall Palermos Hausberg «Monte Pellegrino». Von dort aus sieht man auf den türkisen Traumstrand von Mondello hinunter und kann die sonst so hektische Stadt voller Ruhe von oben aus Vogelperspektive betrachten. Da Palermo von Gebirgen und Bergen umarmt wird, finden sich viele Routen. Zum Beispiel gibt es ebenfalls auf dem «Monte Gallo» gute Wanderwege.

Der Höhepunkt – im wahrsten Sinne des Wortes – war unsere «spontane» Wanderung auf den Monte Gallo. Trotz der schlechten Wettervorhersagen spazierten meine Freundinnen und ich los. Es war ein anstrengender Weg nach oben, aber wir genossen die Stille und die Reinheit der Natur. Plötzlich auf dem Rückweg begann es, aus allen Kübeln zu schütten. Wir rannten den Berg hinunter nach Mondello, dessen Strassen schon völlig überschwemmt waren. Somit kamen auch keine Busse und wir warteten platschnass und bibbernd auf ein Taxi. Nach 40 Minuten kam es endlich und der Taxifahrer schüttelte nur lachend den Kopf, als wir von unserer Wanderung erzählen. Er machte italienische Musik an und begann von seinem Leben in Palermo zu erzählen. Sein Fazit: «Wenn man einen Job hat, lässt es sich in Palermo wie ein König leben. Hier bin ich geboren und hier möchte ich sterben». Diese Wanderung und Taxifahrt nach Hause werden mir für immer im Herzen bleiben.

Die Cappella Galatina von innen, Foto: Olivia Glatz

Taormina: Goethes Paradies mit Florence-grünem Daumen

Am Wochenende hatte ich immer frei und unternahm Ausflüge. Mein erster Ausflug war nach Taormina, die berühmte Hügelstadt an der Ostküste Siziliens. Sie liegt in der Nähe des Vulkans Ätna und der Grossstadt Catania. Taormina wird nach Goethe als der „Paradiesstreifen auf Erden“ betitelt, wobei Guy de Maupassant hinzufügt, dass es hier «alles gibt, was auf Erden geschaffen scheint, um Augen, Geist und Vorstellungskraft zu verführen». Ich hatte also grosse Erwartungen an diese Stadt.

Die 45-minütige Wanderung vom Bahnhof zum Hotel entpuppte sich als erste Offenbarung: Ein Panoramaweg, der sich wie ein Band zwischen türkisblauem Meer und zerklüfteten Felsen schlängelt, bot Postkartenmomente im Sekundentakt. Kleine versteckte Buchten und dramatische Steilküsten wechselten sich ab wie Szenen in einem perfekt inszenierten Naturtheater.

Nach dem Check-in ging ich gleich zum berühmten Naturschutzgebiet der Isola Bella. Diese kleine grüne Oase, die inmitten des kristallklaren Meeres schimmert und die durch einen Strandstreifen getrennt ist, wird von vielen als die Perle des Mittelmeers bezeichnet. Obwohl es viele Touristen hatte, war die Stimmung dort verzaubernd. Ich legte mich an den Strand sonnen und ging später die Insel erforschen. Dort lernte ich, dass die Geschichte der Isola Bella bis ins Jahr 1806 zurückreicht, in dem Ferdinando I. von Bourbon (König Siziliens) die Anlage Pancrazio Ciprioti, dem Bürgermeister von Taormina, schenkte. 1890 wurde sie von Florence Trevelyan gekauft, die sie aufwertete, indem sie ein Häuschen baute und seltene, wertvolle Pflanzen einpflanzte.[4]

Florence Trevelyans grünes Erbe setzt sich in der Villa Comunale fort, einem englischen Garten, der alte Olivenbäume und exotische Pflanzen vereint. Von der Terrassenpromenade aus schweift der Blick über die Küste bis zum majestätischen Ätna – ein Panorama, das den Atem raubt.

Das antike Theater, ein architektonisches Meisterwerk aus griechisch-römischer Zeit, thront wie eine Krone über der Stadt. Die in den Hang geschmiegenen Sitzreihen bieten nicht nur perfekte Akustik, sondern auch einen der spektakulärsten Ausblicke Siziliens. Noch heute erwacht das Theater beim internationalen Festival «Taormina Arte» zu neuem Leben, wenn Musik, Tanz und Theater die antiken Mauern mit zeitgenössischer Kultur erfüllen.

Die Kathedrale San Nicola auf der Piazza del Duomo ist ebenfalls einen Besuch wert. Auf dem Weg dorthin läuft man auf der berühmten «Corso Umberto». Hier finden sich eine Menge Restaurants, Souvenirläden, Kleidershops und daher auch Touristen. Obwohl ich Ende Oktober dort war, war Taormina für meinen Geschmack zu gut besucht. Durch die Berühmtheit und die Beliebtheit sind dementsprechend die Preise in Taormina auch unglaublich hoch (wir sprechen von 25-30 Euro für einen Teller Pasta, wobei man in anderen Teilen Siziliens dasselbe für 7 Euro bekommen hätte). Insgesamt teile ich also die Meinung mit Goethe und Maupassant, jedoch muss man schon ein erhebliches Budget für Taormina einplanen.

Isola Bella mit Blick auf Taormina, Foto: Olivia Glatz

Agrigento: alte Antike und harter Alltag

An einem weiteren Wochenende konnte ich drei Freundinnen von mir dazu überreden, in den Süden Siziliens zu reisen, nach Agrigento. Wir stiegen in Palermo in den Zug und fuhren drei Stunden durch die karge, hügelige Landschaft Mittelsiziliens. Angekommen am anderen Ende der Insel, machten wir uns gleich auf den Weg zur ersten Sehenswürdigkeit: die «Scala dei Turchi». Wie eine gigantische, naturgeschaffene Treppe aus schneeweissem Gestein steigt diese einzigartige Felsformation aus dem türkisblauen Mittelmeer empor und bietet einen atemberaubenden Kontrast zu den goldenen Sandstränden, wie wir auf den Instareels gesehen hatten.

Die Wanderung dorthin sollte drei Stunden dauern, auf Google Maps stand «Waldweg». Wir merkten jedoch schnell, dass «Waldweg» in Sizilien wohl eine andere Bedeutung hatte als in der Schweiz: Es war eine Autostrasse ohne Trottoir, mit Bäumen an den Seiten der Strasse. Irgendwer von uns kam auf die Idee, Hitchhikern auszuprobieren. Wir dachten uns, zu viert sollte es genug sicher sein. Einige Autos fuhren an uns vorbei, die Fahrer kopfschüttelnd ab diesen vier jungen Frauen, die allesamt den Daumen hochhielten und auf eine Mitfahrt hofften. Doch nach etwa einer Viertelstunde hielt ein grosser schwarzer Jeep mit getönten Scheiben. Wir waren im ersten Moment alle etwas skeptisch, bis der Fahrer die Scheibe herunterliess und fröhlich «Salite, salite» rief. Es war der Arzt von Agrigento und er entpuppte sich als einer der gutmütigsten Menschen, die ich auf meiner Reise getroffen hatte. Er ist schon mehr als siebzig Jahre alt, arbeitet morgens jedoch immer noch in seiner Praxis und nachmittags auf seinem Olivenfeld, wo er sein eigenes Olivenöl produziert. Obwohl er nicht zur Scala die Turchi musste, fuhr er uns bis dorthin und zeigte uns auf dem Weg die Westküste.

Nach einem schönen und fotoreichen Nachmittag an der Scala dei Turchi machten wir uns auf den Weg zurück nach Agrigento. Wir liefen die Küste entlang und nahmen dann das Taxi zu unserer gemieteten Wohnung. Der Taxifahrer konfrontierte uns mit der harten Realität des sizilianischen Lebens, als ich fragte, ob er gerne hier in Agrigento lebt: «Ich lebe nicht hier, ich arbeite nur. Für das Leben bleibt keine Zeit, auch wenn die Touristen kommen». Es brach mir das Herz zu hören, dass er kaum Zeit mit seiner Frau und seinem dreijährigen Sohn verbringen kann, weil er sich sonst nicht über Wasser halten könnte. Ich fühlte Unbehagen, weil ich hier sorgenlos in meinem Zwischenjahr reisen darf, während andere ums Überleben kämpfen. Gleichzeitig gäbe es ohne den Tourismus in Agrigento wohl wahrscheinlich kaum mehr Menschen, denn der Tourismus ist wie für ganz Sizilien, nebst dem Oliven- und Orangenanbau die grösste Einnahmequelle. Dieses zweischneidige Schwert hatte ich während meiner Italienreise schon oft gespürt, jedoch noch nie so konkret.

Am nächsten Morgen brachen wir früh auf, um Agrigento als faszinierendes Zeugnis der antiken Welt zu erleben. Das Herzstück Agrigentos bildet die einst mächtige Stadt Akragas, deren prachtvolles Erbe im weltberühmten Tal der Tempel fortlebt. In dieser weitläufigen archäologischen Stätte erheben sich majestätische griechische Tempel, die die Jahrtausende wie stumme Wächter überdauert haben. Genau diese Tempel wollten wir uns anschauen. Um uns den eineinhalbstündigen Weg zu sparen, probierten wir es wieder mit dem Hitchhiken. Kaum hatten wir die Daumen oben, hielt auch schon ein Auto. Wir waren mal wieder Glückspilze: Der Fahrer war ein Angestellter der Tempel und fuhr uns bis ganz dorthin. Wir waren vor allen anderen Touristen da und mussten nicht mal die 16 Euro Eintritt bezahlen. Die Tempel und Ruinen waren genauso imposant wie auf den Bildern. Wir verbrachten mehrere Stunden damit, alles in Ruhe zu bestaunen. Zurück in die Stadt gingen wir dann zu Fuss und besuchten noch die Kathedrale Agrigentos, die ebenfalls schön ist, aber mit der Scala dei Turchi und den Tempeln definitiv nicht mithalten kann.

Scala dei Turchi, Foto: Olivia Glatz

Cefalù: Goldenhour für die Romantiker

Als meine Familie mich besuchen kam, gingen wir nach Cefalù, weil es von vielen, als die schönste Stadt Siziliens beschrieben wird. Das malerische Küstenstädtchen Cefalù vereint auf spezielle Weise mittelalterlichen Charme, normannische Baukunst und mediterranes Lebensgefühl. Überragt wird die historische Altstadt von der imposanten normannischen Kathedrale, deren mächtige Zwillingstürme bereits aus dem Zug zu sehen sind. Das im 12. Jahrhundert erbaute Gotteshaus beeindruckt besonders durch seine prachtvollen byzantinischen Mosaiken, deren Höhepunkt der goldene Christus Pantokrator in der Apsis bildet.

Die verwinkelten Gassen der Altstadt laden zum Flanieren ein, während sich am Fusse des markanten Hausbergs La Rocca ein feinsandiger Stadtstrand erstreckt. Wer den Aufstieg auf den La Rocca wagt, wird mit einem atemberaubenden Panoramablick über die sizilianische Küste und das tiefblaue Tyrrhenische Meer belohnt.

Das Herz Cefalùs schlägt jedoch an der Piazza del Duomo, wo sich Einheimische und Besucher in den traditionellen Restaurants und Cafés treffen. Vor allem in den Sommermonaten verwandelt sich die Stadt in einen beliebten Badeort, der dennoch seinen authentischen Charakter bewahrt hat. Ende Oktober war die Stadt sehr angenehm leer, mit nur einigen wenigen Touristen. Die meisten Besucher sind tatsächlich Palermitaner, die sich vom chaotischen und lauten Trubel der Grossstadt erholen wollen.

Weil ich von Cefalù so begeistert war, besuchte ich dieses Städtchen sogar ein zweites Mal vor meiner Abreise. Die «Goldhour» ist in Cefalù mit den weissen, etwas verfallenen Häusern und der Kathedrale im Hintergrund ein Moment, von dem mein Gehirn ein imaginäres Foto für das Fotoalbum «schönste Erinnerungen» geknipst hat.

Fazit: Sicilia nel cuore

Zurück in der Schweiz, nach zwei Monaten unterwegs in Italien kann ich nun über diese Zeit reflektieren. Es gab sicher Herausforderungen: das Zusammenleben mit einer fremden, sizilianischen Familie mit einem völlig anderen Lebensrhythmus. Das Chaos des Südens ohne verlässliche Busse und einen Fahrstil, der dem eines Formel-1 Rennens ähnelt. Die Armut und Perspektivlosigkeit bestimmter Teile der Bevölkerung. Auch um die Zukunft dieser Insel mache ich mir grosse Sorgen. Wenn es immer wärmer wird, werden Ressourcen wie Wasser noch knapper und Naturkatastrophen wie Waldbrände zunehmen. Dies wird auch einschneidende Konsequenzen für den Tourismus haben. Die primäre Geldquelle Siziliens.

Trotz all dieser Überlegungen und Tatsachen kann ich nur sagen, dass Sizilien wirklich mein Herz erobert hat. Vor allem die Menschen, die ich dort kennengelernt habe, werde ich nie vergessen. Ich wurde zum Beispiel von einer Bekanntschaft spontan zum heiligen Sonntagsmittag mit der ganzen Familie eingeladen. Für die Gastfreundschaft, die ich erleben durfte, bin ich zutiefst dankbar. Ich bin durch das allein Reisen aber auch so gewachsen, habe eine andere Perspektive auf mein Leben bekommen und wurde nochmals daran erinnert, wie dankbar ich bin für das Leben, das ich leben darf. Diese zwei Monate in Italien gehören wohl zu den Besten meines Lebens. Sechs unvergessliche Wochen als Au-Pair in einer palermitanischen Familie haben nicht nur meine Sicht auf die Zeit, sondern auch auf das Leben grundlegend verändert. Ich kann jeder und jedem nur empfehlen, eine Interrail-Reise zu machen, am besten natürlich durch Italien bis nach Sizilien.

Das Leben in vollen Zügen zu geniessen, die Zeit nicht als Feind zu sehen und manchmal einfach im Moment zu verweilen. Vielleicht ist das genau die Lektion, die wir gestressten Schweizer in den kalten und dunklen Wintermonaten am dringendsten brauchen.


[1]Normannenpalast, in: Wikipedia, 19.12.2024.

[2] Parco Reale, in: Wikipedia, 19.12.2024.

[3] Cappella Palatina, in: Wikipedia, 19.12.2024.

[4] Isola Bella von Taormina, in: Sicily Adventure, 19.12.2024.

Ich hatte die grosse Ehre, beim Clubabend zum Thema «Vier Jahre Trump – ein politischer Ausblick» des Vereins «Club Applied History» dabei zu sein. Die ReferentInnen des Abends waren Prof. Dr. Claudia Brühwiler der Universität St. Gallen (HSG) und Prof. Dr. Christian Lammert der J.F.Kennedy-Institut, Freie Universität Berlin. Meine wichtigsten Erkenntnisse des Abends.

Nach der Amtseinführung von Donald Trump steht die Welt vor der Frage: Werden sich die USA aus ihrer globalen Führungsrolle zurückziehen? Während erste Dekrete bereits einen radikalen Kurswechsel andeuten, zeichnen sich drei mögliche Szenarien für die künftige US-Aussenpolitik ab.

Mit der Amtseinführung Donald Trumps am 20. Januar 2025 wird eine neue Phase der amerikanischen Politik beginnen. Die ersten Amtshandlungen zeigen bereits die Richtung an: massive Deregulierung, strikte Migrationspolitik und eine Neuausrichtung der internationalen Beziehungen. Die neue Administration hat vom ersten Tag an damit begonnen, die Politik der Biden-Jahre systematisch rückgängig zu machen. Mit etwa hundert vorbereiteten Executive Orders signalisiert Trump einen noch radikaleren Kurswechsel als in seiner ersten Amtszeit. Doch was bedeutet dies für den Rest der Welt, insbesondere für die Schweiz?

Comeback für den Isolationismus?

Die gegenwärtige geopolitische Transformation markiert möglicherweise das Ende einer Ära, die als «Pax Americana» in die Geschichte eingegangen ist. ExpertInnen der internationalen Beziehungen prognostizieren drei potenzielle Entwicklungspfade für die amerikanische Aussenpolitik, unter denen sich vor allem der «isolationistische Kurs» zunehmende Medienpräsenz verschafft. Der Kern dieser Prognose lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die USA als «leader of the free world» würde sich verabschieden und die «Pax Americana» sich in Luft auflösen.

Die «Pax Americana», die die internationale Ordnung seit 1945 prägte, basierte auf einem komplexen System multilateraler Institutionen und Allianzen. Nach den verheerenden Erfahrungen zweier Weltkriege etablierten die Vereinigten Staaten eine neue Weltordnung, die militärische Hegemonie mit demokratischen Grundwerten verband. Diese manifestierte sich in der Gründung wegweisender Institutionen wie der Weltbank, dem Internationalen Währungsfonds und den Vereinten Nationen. Ein besonderes Merkmal dieser Ära war die erfolgreiche Integration der ehemaligen Achsenmächte Deutschland und Japan in ein System friedlicher, wirtschaftsorientierter Staaten – ein historisch beispielloser Prozess der Transformation ehemaliger Gegner in stabile demokratische Partner.

Die amerikanische Hegemonie zeichnete sich durch die Förderung wirtschaftlicher Interdependenz und offener Märkte aus, was zu einer friedlichen Phase globalen Wohlstandswachstums führte. Selbst die damaligen europäischen Grossmächte wie Frankreich und Grossbritannien ordneten ihre geopolitischen Ambitionen dieser neuen Weltordnung unter. Trotz kritischer Episoden wie dem Vietnam- und Irakkrieg gewährleistete diese Ordnung eine relative globale Stabilität, wie es sie noch nie gegeben hatte.

Die jüngsten personellen Entwicklungen in der amerikanischen Administration, insbesondere die Ernennung Rick Grenells zum Nationalen Sicherheitsberater und Stephen Millers zum stellvertretenden Stabschef des Weissen Hauses, deuten auf eine fundamentale aussenpolitische Neuausrichtung hin. Besonders Miller ist bekannt für seine stark isolationistische und einwanderungsfeindliche Haltung, die er bereits in Trumps erster Amtszeit als Architekt der restriktiven Einwanderungspolitik demonstrierte. Politische Ankündigungen wie die «grösste Deportationsoperation» der amerikanischen Geschichte, die geplante Schliessung der Südgrenze zu Mexiko und Änderungen im Staatsbürgerschaftsrecht verstärken den Eindruck der Rückkehr des Isolationismus. Allerdings erscheint eine vollständige Isolation der USA als höchst unrealistisch. Die amerikanische Wirtschaft ist fundamental von der Arbeitskraft der Migranten abhängig – eine Tatsache, die sich besonders in Krisensituationen zeigt. Der Wiederaufbau von Los Angeles nach den verheerenden Waldbränden wäre beispielsweise ohne migrantische Arbeitskräfte kaum zu bewältigen. ExpertInnen gehen davon aus, dass sich Trumps angekündigte «grösste Deportationsoperation» der amerikanischen Geschichte hauptsächlich auf straffällig gewordene Migranten konzentrieren wird, statt auf die breite Masse der geschätzten elf Millionen Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus.

Diese selektive Umsetzung der Migrationspolitik spiegelt die komplexe Realität wider: Trotz rhetorischer Härte Trumps wird die praktische Politik durch wirtschaftliche Notwendigkeiten begrenzt. Die sich abzeichnende isolationistische Wende könnte zwar das Ende der liberalen internationalen Ordnung einläuten, wird aber durch ökonomische Interdependenzen und praktische Zwänge in ihrer Umsetzung deutlich eingeschränkt bleiben.

Trump vs. Xi Ping?

Das zweite Entwicklungsszenario der amerikanischen Aussenpolitik zeichnet sich durch eine strategische Neuorientierung mit deutlichem Fokus auf die asiatisch-pazifische Region ab, wobei der Technologiekonflikt mit China exemplarisch an der TikTok-Kontroverse erkennbar wird.

Die jüngsten Entwicklungen um die Video-Plattform TikTok illustrieren paradigmatisch die Verzwicktheit dieser Auseinandersetzung. Nach dem vom US-Kongress 2024 erlassenen Gesetz gegen soziale Netzwerke unter der Kontrolle «feindlicher» ausländischer Mächte steht der chinesische Eigentümer ByteDance unter erheblichem Druck. Die temporäre Selbstabschaltung der Plattform am 19.01.2025, die 170 Millionen amerikanische Nutzerinnen und Nutzer betraf, verdeutlichte die weitreichenden Implikationen dieser verschärften technologiepolitischen Positionierung.  

Besonders aufschlussreich ist in diesem Kontext die potenzielle Rolle des Tech-Milliardärs Elon Musk, der als möglicher Käufer der Plattform gehandelt wird. Seine Ernennung zum Leiter des neu geschaffenen «Department of Government Efficiency» (DOGE) gemeinsam mit Vivek Ramaswamy könnte eine fundamentale Neuausrichtung der amerikanischen Technologiepolitik gegenüber China signalisieren. Die Besetzung dieser neuerfundenen Schlüsselposition mit ausgewiesenen China-Kritikern deutet auf eine strategische Verzahnung von technologischer Innovation und nationaler Sicherheit hin.

Die TikTok-Problematik steht dabei symbolhaft für einen breiteren geopolitischen Ansatz: Die USA streben eine systematische wirtschaftliche und technologische Entkopplung von China an, verbunden mit massiven Investitionen in die eigene Innovationskraft. Diese Politik manifestiert sich in verschärften Exportkontrollen für Halbleiter und KI-Technologien sowie in der gezielten Förderung amerikanischer Technologieentwicklung. Durch die tiefgreifenden wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen beiden Nationen und dem TikTok-Chaos wird jedoch fraglich, inwiefern Trump und seine China-Falken tatsächlich gewillt sein werden, die ökonomischen Kosten dieser Politik in Kauf zu nehmen.

Grosse Klappe, nichts dahinter?

Das dritte Szenario geht von einer pragmatischen Kontinuität aus: Trotz drastischer Rhetorik bleiben die grundlegenden Strukturen amerikanischer Aussenpolitik weitgehend bestehen. Ähnlich wie in Trumps erster Amtszeit könnte die Realität weniger disruptiv ausfallen als die Ankündigungen vermuten lassen. Historische Erfahrungen zeigen, dass oft eine Diskrepanz zwischen politischer Rhetorik und tatsächlicher aussenpolitischer Praxis existiert. Obwohl Trump mit seinen vielzähligen und drastischen Vorsätzen, scheinbar viel vor hat: «eine kohärente Trump- Strategie gibt es nicht und kann es nicht geben bei einem Präsidenten, der grösste Freude daran hat, mit Kontinuitäten zu brechen und genau das Gegenteil dessen zu tun, was altgediente Politikprofis und Experten ihm dringend empfehlen.», wie es Ulrich Speck für die NZZ treffend ausdrückt.

Trump hat zwar keine durchschaubare Strategie, macht dieses Szenario jedoch nicht unbedingt wahrscheinlicher. Denn mit Trump 2.0 haben wir eine neue, erfahrenere Version vor uns. Trump konnte die etablierte Ordnung während seiner ersten Amtszeit nicht grundlegend verändern, was vor allem seiner Unerfahrenheit in der Politik zuzuschreiben sein könnte. Er verfügte kaum über ein Netzwerk in Washington, und seine Administration bestand grösstenteils aus traditionellen Republikanern sowie Karrierebürokraten, die bemüht waren, seine radikalsten Impulse zu zügeln.

Mittlerweile ist er jedoch besser vorbereitet und von loyalen Unterstützern umgeben, die bereit sind, seinen Anweisungen uneingeschränkt zu folgen. Dies könnte dazu führen, dass die Vereinigten Staaten zu einer revisionistischen Macht werden. Trump hinterfragt grundlegende Prinzipien der bisherigen internationalen Ordnung, darunter freien Handel, multilaterale Allianzen und den Multilateralismus als Ganzes. Die demokratischen und humanen Werte, auf die die USA einst gründete, scheinen zu schwinden. Während Russland und China lange als die Hauptakteure galten, die mit militärischen Mitteln und wirtschaftlichen Einflusszonen die liberale Weltordnung zu untergraben suchten, übernimmt Trump nun diese Rolle. Nach seiner Wahl bemerkte Putin nicht umsonst begeistert: „Vor unseren Augen entsteht eine völlig neue Weltordnung.“

Ausblick

Die kommenden Tage und Monate werden zeigen, inwieweit die von Trump angekündigten Massnahmen tatsächlich umgesetzt werden können. Die radikalen Personalentscheidungen und ersten Amtshandlungen deuten auf einen fundamentalen Bruch mit bisherigen Konstanten hin. Ob sich daraus ein dauerhafter isolationistischer Kurs entwickelt oder ob die USA unter Trump eine selektive Grossmachtpolitik mit Fokus auf die Eindämmung Chinas verfolgen werden, bleibt abzuwarten. Dabei sind mehrere Faktoren entscheidend: Erstens, die rechtliche Durchsetzbarkeit der Executive Orders. Zweitens, die Reaktion des Kongresses und der Justiz. Nicht zuletzt brauchen viele der von Trump ernennten Minister immer noch die Zustimmung des Kongresses. Natürlich werden die Internationalen Reaktionen und deren Rückwirkung auf die US-Politik, Trump nicht ungehemmt in seinem Vorhaben vorschreiten lassen. Schliesslich werden durch das sich allbewährende ‚Actio-und-Reactio-Gesetz‘ die Entwicklung globaler Krisen und Konflikte sowie Regierungswahlen die USA und deren Rolle in der Geopolitik natürlich ebenfalls beeinflussen. Für Europa und die internationale Gemeinschaft bedeutet dies eine Phase erhöhter Unsicherheit, die neue strategische Antworten erfordert. Der Fokus der europäischen Politik sollte offensichtlich auf einer kooperativen, zukunftsorientierten Strategie liegen, die die USA als verlässliche Alliierte auf jeden Fall ausschliesst. Denn mit Trump als Leader der einstigen westlichen Beschützerin, scheint Ordnung, Vertrauen und Kooperation, definitiv massiv in die Brüche zu gehen. Es wird Zeit, dass Europa sich eingesteht, dass leider schwierige, einsame Zeiten bevorstehen könnten.  

Referenzen/Weiterführende Informationen

  • Speck: Isolationismus, «China zuerst» oder Durchwurschteln? Drei Szenarien einer Trump-Weltpolitik, in: NZZ, https://www.nzz.ch/pro/isolationismus-china-zuerst-oder- durchwurschteln-drei-szenarien-einer-trump-weltpolitik-Id. 1815038, heruntergeladen am 15.01.2025.
  • NZZ-Redaktion: Die USA nach den Wahlen: Fox-News-Moderator Pete Hegseth stellt sich den Fragen des Senats-Trump will ihn zum Verteidigungsminister machen, in: NZZ, https://www.nzz.ch/international/die-usa-nach-den-wahlen-die-neusten-entwicklungen-ld.1856621#subtitle- wie-geht-es-bis-zur-amts-bergabe-weiter-first, heruntergeladen am: 15.01.2025.

In der Schweiz wirbelt Frau Holle ihren Schnee mit unermüdlicher Hand über das Land, deckt Dächer und Strassen in makelloses Weiss. Die SBB-Schlitten fallen aus, dafür kann man den richtigen Schlitten aus dem verstaubten Ecken holen und den Schnee wie in den guten alten Zeiten geniessen. Ein Szenario, das kaum weiter entfernt sein könnte von der Wärme und Sonne, die ich in den letzten zwei Monaten entdeckt habe.

Wer meine Reiseberichte verfolgt hat, weiss, dass ich auf Interrail-Tour durch Italien war. Ligurien, Cinque Terre, Florenz, Neapel – und dann: Tropea, die Perle Kalabriens, ein Ort, der Herkules selbst einst Erholung versprach. Der Legende nach nannte man ihn „Herkuleshafen“, und wenn ich ehrlich bin, ich verstehe warum. Tropea ist nicht nur schön – es ist Magie, in Stein und Meer gegossen. Es fühlt sich nicht nur wie eine Legende an. Viel mehr wie eine Wahrheit, in goldene Farben getaucht und von den Wellen des tyrrhenischen Meeres umrahmt. Kleiner Spoiler: Ich verstehe absolut, wieso Herkules genau diesen Ort ausgesucht hat, denn: es ist der schönste Ort, an dem ich je Ferien gemacht habe.

Bereits die Anreise nach Tropea weckte hohe Erwartungen. Der Zug von Napoli nach Tropea glitt wie ein Pinselstrich entlang der türkisfarbenen Küste. Die Aussicht aus dem Zugfenster hätte kaum besser sein können (ausser, die Fenster wären noch etwas sauberer gewesen). Der Bahnhof – ein kleines, pastellgelbes Häuschen mit einer analogen Glocke, die schrill und ungeduldig läutete, sobald sich ein Zug näherte, schien aus einer anderen Zeit zu stammen, was wahrscheinlich sogar eine Tatsache ist. Denn hier in Tropea ist, im Gegensatz zu den Cinque Terre zum Beispiel, nichts EU-gesponsert. Als ich den schweren Koffer über die Gleise hob und die ersten Schritte in die Stadt wagte, fühlte ich mich wie in eine andere Welt versetzt. Ich lief eine schräg nach unten führende Strasse entlang zu meinem Bed and Breakfast, checkte ein und machte mich bereit für eine Stadterkundungstour.

Die Stadt: Eine Königin auf ihrem Thron

Tropea thront wie eine Königin auf ihrem Felsen, etwa vierzig Meter über dem Meer. Die Gässchen winden sich wie Serpentinen durch die Altstadt, führen unweigerlich zum Belvedere der Piazza del Cannone. Dort öffnete sich der Blick auf das Meer – vor mir lag das tyrrhenische Meer, das Blau und Grün leuchtete, und in der Ferne erkannte ich die Umrisse des Vulkans Stromboli und der Liparischen Inseln. Zudem sieht man ebenfalls auf die berühmte Kirche «Santa Maria dell’Isola», die wohl eher einem Schloss gleicht. Kein Wunder also, dass dieses Bauwerk auch «Castello Vecchio» also «altes Schloss» genannt wird. Es stand ausser Frage: Den Sonnenuntergang wollte ich von diesem Schloss aus her bestaunen.

Die Kirche erhebt sich majestätisch auf einem Felsen, als wäre sie einem Märchen entsprungen. Der Himmel war in Rosa und Orange gefärbt, die Sonne strahlte wie ein Goldstück und tauchte alles in ein magisches Licht. Vor einem Gittertor musste ich, wie viele andere Romantiker, Halt machen, denn das Schloss öffnete für die Öffentlichkeit erst später. Es fand nämlich eine Hochzeit statt. Andere hätten sich vielleicht darüber geärgert, aber für mich war ein Bonus: Ich fühlte mich wahrhaftig wie in einem Disney-Film, als das Hochzeitspaar nach einiger Zeit, begleitet von Musik und Applaus, heruntergeschritten kam. Obwohl die Situation etwas schräg tönt, war es in diesem Moment einfach nur magisch. Die Sonne strahlte im goldenen Licht, der Himmel war rosa-orange gefärbt, der Mond zeigte sich auch schon und das Meer glitzerte wie tausend Sterne. Nachdem auch Nonna und Nonno wieder sicher unten waren, wurde das Gittertor für die Touristen geöffnet und ich konnte endlich nach oben gehen. Ich betrachtete die Sonne, den Himmel und das Meer, bis es dunkel war. Danach ging ich in die Kirche, die noch von der Hochzeit mit Unmengen an Blumen geschmückt war. Ich dankte den höheren Mächte, still für dieses wunderbare Leben, das ich leben darf. Vor Dankbarkeit kamen mir einige Tränen.

Irgendwann wurde dieser magische Moment abrupt davon unterbrochen, dass mein Magen zu knurren begann. Ich hatte seit dem Morgen nichts mehr gegessen. Eine kleine Trattoria lockte mich mit einem verführerischen Versprechen: Ravioli al pistacchio. Die cremige, nussige Füllung schmolz auf der Zunge und wäre wohl für alle Liebhaber der trendigen Dubai-Schokolade ein Traum. Obwohl ich schon recht satt war, überredete mich der Kellner dazu, ein «Tartufo al Cioccolato» zu probieren. Es sind keine Trüffelpilze, wie man denken könnte, sondern so etwas wie ein Eisküchlein. Absolut köstlich. Der krönende Abschluss war ein Limoncello, vom Haus offeriert.

Türkisblaues Meer mit argentinischer Bekanntschaft

Am nächsten Tag ging es weiter mit essen. Das Frühstück wurde im idyllischen Innenhof serviert. Es gab alles, was das Herz begehrt: von «Cornetto al Crema Bianca» bis hausgemachte Kuchen und Muffins. Für ein solches Frühstück hätte ich in der Schweiz wohl den gleichen Betrag bezahlt, wie eine Nacht hier im Bed & Breakfast.

Ich beschloss, eine Verdauungswanderung zu machen und wollte den kleinen Hügel hinter Tropea besteigen. Leider musste ich schnell feststellen, dass es unmöglich war, zu wandern. Es gab nur die Autostrassen, auf denen man sich aufs Überleben fokussieren musste und somit die Natur leider nicht geniessen konnte. Aber wie auch wandern in Italien, wenn es im Italienischen nicht mal ein Wort dafür gibt? Ich schlenderte also einfach entlang der Via Lungomare und buchte spontan eine Bootstour für den Nachmittag. Nach einem Panino Caprese in der Altstadt, holte ich meine Badesachen und ging hinunter zum Herkuleshafen. Dort fand ich eine kleine Gruppe, die ebenfalls bereit war für die Tour zum Capo Vaticano. Bald darauf tuckerte das kleine Boot mit dem Sommerhit «30°» von der Sängerin ANNA aus der Bucht. Das Wasser hatte eine Farbe, die ich noch nie gesehen hatte. Die beiden Kapitäne Domenico und Federico setzten den Anker und alle, die wollten, konnten ins Wasser springen.

Ich kam aus dem Wasser und sah eine junge Frau, die sich zu meinen Sachen gesetzt hatte. Auch sie war eine Solotravellerin und scherzte, dass sie mit all diesen Pärchen an Bord in mir eine Artgenossin gesehen hatte. Wir begannen zu plaudern, und es stellte sich heraus, dass sie aus Argentinien war und Filmproduzentin ist. Ich schmunzelte über den Zufall, dass hier alles irgendwie mit Filmen zu tun hat. Den Rest der Bootsfahrt verbrachten wir damit, uns über unsere bisherigen Erfahrungen auszutauschen und wir verabredeten uns für später, um gemeinsam Abend zu essen.

Tartufo, Tropea = Traum

Einige Stunden später fanden wir uns in einem winzigen Restaurant mit nur sechs Tischen, ich mit «Paccheri al ragù» und sie mit «Braciola di maiale» auf dem Teller. Es lief ein Fussballmatch im Fernsehen, Lecce versus AC Milan. Zwei Typen in unserem Alter fieberten eifrig mit und fragten uns, für welche Mannschaft wir seien. Um sie zu provozieren, sagten wir für Lecce und so kamen wir ins Gespräch. Die beiden sind aus Milano und gönnen sich ebenfalls noch einige Tage Sonne hier im Süden, bevor es wieder zurück an die Universität und zur Arbeit geht. Als wir alle merkten, dass der Besitzer langsam etwas zu auffällig viel gähnte, bezahlten wir und gingen zur Hauptgasse «Corso Vittorio Emanuele». Dort überzeugte ich meine argentinische Bekanntschaft, ebenfalls das Eisküchlein, das «Tartufo», zu probieren. Ich schlenderte den Rest des Abends mit meinen drei neuen Freunden durch Tropea und dachte, wie schön es ist, einfach mit wildfremden Menschen eine so tolle Zeit geniessen zu können.

Den verbleibenden Tag verbrachte ich lesend am feinkörnigen Strand und genoss die Sonne auf meiner Haut. Ich war schon fast etwas trübselig, als ich dann am darauffolgenden Tag, zum kleinen Bahnhof Tropeas stiefelte und in den Zug stieg. Ich hatte diesen kleinen Ort durch Instagram-Reels gefunden und kann zusammenfassend sagen, dass diese nicht zu viel versprechen. Ende September war es nicht zu heiss, aber trotzdem sommerlich warm. Es war nicht überlaufen, wie so manch anderer Ort in Italien. Und trotzdem nicht ausgestorben. Die Menschen, die Altstadt, die Strände, das Meer, das Essen, die Sehenswürdigkeiten, aber vor allem einfach die ruhige, magische Stimmung – Tropea hat mein Herz. Wer für nächsten Frühling eine Reisedestination sucht, macht mit Tropea auf jeden Fall nichts falsch.

Als ich auf dem Weg nach Hause im Zug war, sass eine Mutter neben mir und schrie ihr verunsichertes, ängstliches Kind an. Die Menschen im Abteil warfen ihr und dem Kind kritische Blicke zu – die Situation war allen unangenehm. Gedanken wie «Sie muss ihre Wut unter Kontrolle bekommen», «das arme Kind» oder «kann dieses Geschrei endlich aufhören» schwirrten ganz automatisch in meinem und den Köpfen der Mitreisenden herum. Doch obwohl Wut oft sehr negativ behaftet ist, muss sie nicht immer nur destruktiv sein.

Wut, als menschliche Emotion, wird in der Gesellschaft als etwas Schlechtes, Unangemessenes und Schwaches angesehen – dies manchmal auch zu Recht. Denn die Wut kann durchaus zu impulsiven, unkontrollierten Handlungen und Verhaltensweisen führen, die für das Umfeld oder einen selbst schnell zum Verhängnis werden können.

Man vergisst jedoch oft, dass uns ein konstruktiver Umgang mit Wut, sei es auf individueller oder gesellschaftlicher Ebene, im Verlaufe der menschlichen Geschichte gelegentlich grosse Schritte weitergebracht hat.

Prävention eines Vulkanausbruchs

Für uns Menschen ist es wichtig, manchmal sogar nötig, seiner Wut freien Lauf zu lassen und auch mal lauter zu werden, denn Emotionen – egal ob von der Gesellschaft als positiv oder negativ abgestempelt – müssen gefühlt und verarbeitet werden. Werden sie dies nicht, so fressen sich Menschen die Emotionen in das Innere hinein und lassen diese im Kern des Gemüts blubbern. Über eine längere Zeitspanne kann sich die Emotion der Wut als Beispiel zu Frust umwandeln, welche das Gemüt wie eine dreckige, klebrige Magmaschicht umhüllt, bis sie zu Lava wird. Zu einem bestimmten Trigger-Zeitpunkt kann dieses Lava dann eruptionsartig herausströmen, im schlimmsten Fall sogar in der Präsenz von Menschen, die mit dem eigentlichen Entstehen der anfänglichen Magmaschicht gar nichts zu tun hatten und demnach zu Unrecht mit der Situation konfrontiert werden. 

Besonders in Sozialisationsinstanzen kann dies zu grossen Problemen führen. Wenn eine Lehrperson, zum Beispiel, im privaten Leben von ihrem Partner verlassen wurde und die daraus entstehende Wut nicht verarbeitet hat, kann die Lehrperson im Berufsleben möglicherweise durch einen kleineren Zwischenfall getriggert werden. Wenn sie dann einer Schülerin oder einem Schüler ungerechtfertigterweise mit Wut begegnet, kann sich dies nicht nur auf die zwischenmenschliche Beziehung negativ auswirken. Es kann vor allem auch das Selbstvertrauen des Kindes schwächen, weil es das Gefühl hat, einen grösseren Fehler gemacht zu haben. Wäre die Lehrperson konstruktiver mit der Situation umgegangen, hätte sich die Wut nicht in ihr aufgestaut.

Indem, dass man also manchmal einen, im Vergleich gesehenen, kleineren Wutausbruch hat, können grössere Vulkanausbrüche der Wut im falschen Umfeld verhindert werden.

Wut als Katalysator

Die Lehrperson könnte allerdings ihre im privaten Umfeld entstandene Wut als Katalysator für Selbstentwicklung und -erfüllung verwenden. Die durch Wut entspringende, meist negative, emotionale Energie kann nämlich in positive Energie umgewandelt werden. Diese kann genutzt werden, um an sich selbst zu arbeiten und eine bessere Version von sich selbst zu werden. Wut bedeutet nämlich, dass einem etwas an anderen Menschen, einer Situation oder an einem selbst nicht passt. Durch das Bewusstwerden seiner Wut und dem, was die Wut ausgelöst hat, kann man, wenn man dies auch möchte, etwas aus den vergangenen Konfrontationen mit Wut lernen und etwas an sich, seinem Verhalten oder seiner Reaktion auf eine wutauslösende Situation ändern.

Dieser Effekt der Wut kann besonders gut bei der Verbesserung der physischen und psychischen Gesundheit eines Menschen genutzt werden. Als Beispiel, wenn ein Mensch von seinem Partner verlassen wird und nach der Trennung wütend auf den Partner und/oder auf sich selbst ist, kann er seine Wut dafür nutzen, um zu analysieren, wie es zu dieser Situation gekommen ist und was in einer nächsten Beziehung zu optimieren wäre. Somit kann ein positives Ergebnis durch Reflexion und Veränderungswunsch das Resultat der Emotion Wut sein.

Streiterei als Verhandlungsmöglichkeit in Beziehungen

Diese Möglichkeit ergibt sich jedoch auch schon vor einer Trennung, in Beispiel eines Paares. In Beziehungen, egal in welcher Form, muss nämlich auch ab und an mal gestritten werden. Wer nicht streitet, baut mit der Zeit einen Groll gegen seinen Partner auf und dies führt, fast unvermeidlich, zu einem viel grösseren Konflikt, als dass es hätte sein müssen. Keine Beziehung ist perfekt und alle haben mal etwas, das sie stört. Das Wichtige ist, dass man dies frühzeitig kommuniziert und dafür muss man seine Gefühle auch mal laut werden lassen. Durch Streitereien kann nämlich Raum für Diskussionen und Verhandlungen geschaffen werden, welche zu einer gemeinsamen Lösung führen können. Kommt es jedoch zu keiner gemeinsamen Diskussion, sondern nur zu einem Schreikampf, wurde die Wut nicht konstruktiv als Katalysator genutzt.

Es kann das Gleiche passieren, wie bei unzähligen Paaren, die sich nie oder selten gestritten haben und leise alle ihre Beschwerden in sich hineingefressen haben. Bis zu dem Punkt, als einem der beiden der Kragen geplatzt ist und es zur Trennung, wenn nicht sogar zur Scheidung, kommt. Im Nachhinein bereuen Paare ihre Handlungen und reflektieren, dass vielleicht alles nicht so geendet hätte, wie es ist, wenn man seine negativen Emotionen, darunter Wut, kommuniziert hätte.

Wut als Weg zur politischen Veränderung

Nicht nur auf privater Ebene kann Wut konstruktiv als Raum für Diskussion und Verhandlung genutzt werden, sondern auch auf einer höheren Ebene, der Gesellschaftlichen. Politisch motivierte Proteste und Demonstrationen sind nämlich ebenfalls eine positive Weise der Wutauslebung. Sie sind das Resultat der jahrelangen Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Unterdrückung, was die Betroffenen wütend macht. Die Probleme werden so lange ignoriert, bis sie durch die Auslebung der Wut ihre Wichtigkeit erhalten. Jahrelanger Frust aufgrund von Benachteiligung und Ignoranz der Wichtigkeit der verschiedensten Themen wie die Diskriminierung von POC, Queer People oder Diskriminierung aufgrund von finanziellen Unterschieden. Die sind der Leitfaden unserer progressiven Politik.

Die Wut wird in Aktion umgewandelt, man geht auf die Strassen, um gehört zu werden, um eine Veränderung zu machen. Politiker und Aktivisten halten Reden, welche der Öffentlichkeit die Probleme erklären, in der Hoffnung, dass diese ihre Aufmerksamkeit wecken. Je lauter, desto besser, je mehr Menschen präsent sind, desto einschlagskräftiger. Eigentlich sind alle sozialpolitischen Fortschritte durch Aufstand hervorgerufen worden. Sei es durch Proteste oder politische Reden. Es passiert (fast) keine Veränderung ohne das Ausleben von Wut und Empörung – zumindest in der Politik nicht.

Das Frauenstimmrecht ist ein gutes Beispiel für Wutauslebung und ihre positiven Folgen in der Politik. Die Frauen gingen auf die Strassen und protestierten für ihre Rechte. Eine Wut hat sie dazu gebracht, eine Wut auf die Ungleichheit unter den Geschlechtern. Frauen haben das physikalische Energiegesetz genutzt und die Wut in Veränderung umgewandelt. Die vorher genannten Themen sind alle Bewegungen, welche in den letzten Jahren massiv an Medienpräsenz gewonnen haben. Als Fallbeispiel die «Ehe für Alle» Bewegung. Queere Menschen werden seit Jahren unterdrückt und in der Gesellschaft nicht gleichbehandelt wie Cis Menschen. Durch Proteste und das Heben der Stimmen wurde in der Schweiz vor zwei Jahren die Ehe für alle angenommen und ist somit ein weiteres Beispiel für den positiven Einfluss von korrekt-ausgelebter Wut. Wäre die Wut nicht so verwendet worden, wären wir wahrscheinlich gar nicht weitergekommen. Die Wut ist die treibende Kraft in sozialpolitischen Progressen.

In der Geschichte gibt es weitere zahlreiche Beispiele für Vorschritte in unserer Gesellschaft, welche durch Wut ins Rollen gebracht wurden. Ein Beispiel dafür ist der Sturm auf die Bastille, welcher die Französische Revolution ausgelöst hat. Eine Revolution kommt zustande, wenn in einer Gesellschaft sehr viel Unzufriedenheit herrscht und keine Verbesserung des Lebensstandards in Sicht ist. Die Arbeitenden und dem Adel unterworfene Menschen in Frankreich beherbergten genau diese Gefühle zur Zeit vor der Revolution. Sie mussten nämlich jahrelang alle ihre Einnahmen als Steuern dem König abgeben. Die Situation verschärfte sich zunehmend, als die Bewohner von Frankreich am verhungern waren, währenddessen der König den Bau seines eigenen Palastes von Versailles mit ihren Steuereinzahlungen finanzierte. Die jahrelang aufgestaute Wut gegen den Adel resultierte im Sturm auf die Bastille. Die Ausbeutung des gewöhnlichen Menschen vom Adel und Klerus kam mit dem Sturm auf die Bastille und der darauffolgenden Revolution endlich zu einer Veränderung.

Es ist aber auch möglich, Wut in einer friedlichen Weise auszudrücken. Laute Proteste gibt es zu Häufen, doch sie sind nicht die einzigen Proteste, die nennenswert sind. Ihr stilleres Gegenstück, die stillen Proteste, wie Gandhi sie initiiert hat, werden oft überschaut. Doch in ihrer Wirkung sind sie mindestens genauso effektiv. Die Wut Gandhis und seiner Anhänger, ausgelöst durch das britische Regime, brachten sie auf friedliche Weise zum Ausdruck. Durch gezielte stille Proteste verschafften sie sich die Aufmerksamkeit vieler und durch ihre passive Vorgehensweise gewannen sie ihren Respekt. 

An diesem und den anderen aufgeführten Beispielen, ist deutlich zu sehen, dass es durchaus möglich ist, ohne Gewalt und ohne Vulkanausbruch seine Wut seinem Partner, seinem Umfeld oder sogar der Welt zu zeigen. Dadurch kann man sowohl auf das Individuum als auch auf eine Gesellschaft bezogene, lebenswichtige Veränderungen ermöglichen.

Dieses Essay wurde in Zusammenarbeit mit Anju Beerli, Jasmin Imfeld und Sona Garg geschrieben.

Schweizerischer Besuch für die Cinque Terre

Im ersten Teil meiner Serie «Interrail in Italien» habe ich über meine Erfahrungen und Eindrücke der beiden Städte Florenz und Napoli geschrieben. Nach einer Woche Arbeit in der Schweiz ging meine Interrail-Reise in Italien weiter. Diesmal keine Grossstädte, sondern Fischerdörfchen. Und zwar wollte ich endlich die wohl berühmtesten Fischerdörfchen ganz Italiens sehen, nämlich die «Cinque Terre» an der schroffen ligurischen Küste mit den fünf Ortschaften Monterosso, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore. Die farbigen Häuser, die pittoresken Schiffe, die rauen Steinwände – sind die «fünf Erden» den Hype wert? Ein Einblick in den zweiten Teil meiner Zugreise durch Italien.

Als ich am Montagmorgen früh in den Zug stieg, hielt ich meinen Regenschirm etwas bibbernd in der Hand. Ich war froh, die regnerische Schweiz für den Moment hinter mir zu lassen und hoffentlich Energie tanken zu können. Meine Batterien hatten nämlich schon seit einigen Tagen einen roten Balken (eine Woche als Lagerbegleitung ist eine unglaublich wertvolle Erfahrung, bei der jedoch der Panda-Style mit blauen Ringen unter den Augen als unerwünschte Begleiterscheinung kommt). Die Zugfahrt von Zürich nach Genua verbachte ich demnach schlafend. Beim Umsteigen in Genua hörte ich neben mir Menschen, die ebenfalls froh schienen in die Wärme und Sonne fahren zu können. Es waren Schweizer, ein älterer Herr mit seinem Sohn für die alljährlichen gemeinsamen Italienferien.

Zusammen warteten wir auf unseren Zug. Der Herr tat sich äusserst schwer mit dem Warten: Er lief alle fünf Minuten zum Bildschirm, der die Gleisnummer bekannt gibt. Der Sohn und ich lächelten still, als der Herr erklärte, er habe kein Vertrauen in das italienische Zugsystem. Nach dem vierten Mal zum Bildschirmlaufen, rief er ganz aufgeregt und ja, sogar stolz: «Gleisänderig, mir stönd komplett uf em falsche Gleis!». Einige Touristen sahen ihn etwas verdutzt an, doch wir nahmen unsere Koffer und konnten gerade noch in den richtigen Zug springen. Zum Glück hatte ich diese beiden getroffen, sonst hätte ich vielleicht sogar in Genua übernachten müssen, weil ich am falschen Gleis gestanden bin.

Französische Riviera à la italiana

Als ich mich von meinen schweizerischen Bekanntschaften verabschiedet hatte und meinen Fuss auf den Bahnsteig von Santa Margherita/Portofino setzte, zog ich erst mal meine Jacke aus und genoss den lauwarmen Wind, der mir um die Nase strich. Da war es wieder: La dolce vita italiana. Da die Unterkünfte in den Cinque Terre, wie die Italiener sagen, «un occhio della testa» kosten (also für eine Studentin wie mich nicht gerade erschwinglich sind), hatte ich mich entschieden, hier in Santa Margherita zu logieren. Meinen Koffer polternd und ruckelnd, machte mich auf den Weg zum Zimmer, das ich auf Airbnb gefunden hatte.

Nachdem ich mich in meinem einfachen, aber sehr sauberen Zimmer eingerichtet hatte, zog ich los, um nach dem vielen Sitzen mir die Beine zu vertreten und vor allem, um Santa Margherita, die «Perle der Tigullien», zu erkunden. Mein erster Eindruck war, dass mich dieses Städtchen sehr an Hafenstädte der französischen Côte d’Azur erinnerte. Das italienische Saint Tropez. Die elegant gebauten Gebäude, die hohen Palmen und die pompösen Jachten gehörten zum Setting. Doch davon sollte ich später noch mehr sehen.

Ich lief weiter entlang der Küste, etwa eine Stunde. Mein Ziel: Portofino. Der «feine Hafen» also. Und ob es das war: Luxusmarken wie Louis Vuitton, Alexander McQueen und Dior setzen hier die Klasse. Ein bisschen weiter unten am Hafen sah ich auch, wieso: Jachten an Jachten reihten sich nebeneinander. Die eine schicker und monströser als die andere. Ich kletterte einige Treppen hoch und fand eine ruhige kleine Piazza, von der aus ich den Sonnenuntergang bestaunen konnte. Als ich wieder nach unten kam, hatte sich eine Band auf dem Hafenplatz installiert und Klarinettenlaute machten die romantische Stimmung einer Hafenidylle komplett. Als Soloreisende fühlte ich mich ehrlich gesagt schon etwas fehl am Platz, doch auch ohne romantische Begleitung konnte mich diese kleine Bucht verzaubern. Ich nahm den (EU-gesponserten) Bus zu meinem Zimmer und ging früh schlafen.

Ein Tag – fünf Fischerdörfchen (plus ein Marathon)

Am nächsten Morgen standen die fünf Städtchen auf dem Plan. Ich war früh auf den Beinen, um die Touristenmassen zu vermeiden. Ob mein Plan aufgegangen ist? Leider nein. Schon in der ersten Stadt, Monterosso, hörte ich mehr Englisch und Deutsch als Italienisch. Monterosso ist vor allem für seinen prachtvollen Sandstrand bekannt, das wusste ich schon bevor ich dort war. Wie sich herausstellte: viel mehr hat Monterosso (mir) nicht zu bieten. Es gibt eine Strandpromenade mit den üblichen Souvenirshops, ein paar halbherzliche Cafés und einige farbige Häuser natürlich. Von Monterosso etwas enttäuscht, stieg ich wieder in den Zug und fuhr weiter nach Vernazza. Doch auch hier: die Hauptgasse, Ähnlichkeiten mit einem Pilgerweg. Bedauerlicherweise. Ich ging zum kleinen Hafen und betrachtete die hin und her wippende Fischerboote. Dort fand ich einen kleinen Turm, auf den man steigen konnte gegen zwei Euro Eintritt. Die Aussicht von diesem Turm aus: rosa und gelbe Häuschen, die ligurische Küste und eine grosse EU-Flagge. EU hat ordentlich Geld in die Infrastruktur gepumpt, um diesen Orten die Infrastruktur zu ermöglichen, die für den Tourismus unerlässlich ist. Chapeau vor der EU. Mein Fazit jedoch: Vernazza wäre wohl sehr charming und idyllisch, aber für mich zu viele Menschen.

Nächster Halt: Corniglia. Ich kam an und sah erstmal wieder eine riesige Menschenmenge auf der Strasse stehen. Wie sich jedoch herausstellte, warteten die alle auf einen Bus, der sie auf den Hügel hochfahren würde. Zum Glück mache ich gerne Sport und so lief ich eine lange Treppe hoch in das Dörfchen. Es war zu meiner Freude viel weniger überfüllt als Monterosso und Vernazza. Ich stiefelte die kleinen Gässchen entlang, sah mir die Aussicht der Küste von einer Terrasse her aus, bis mein Magen sich knurrend zu Wort meldete. Ich entschied mich für eine kleine Osteria in der Hauptgasse. Kaum war ich drinnen, sah ich eine etwa 50-jährige Frau allein an einem Tisch sitzen. Sie winkte mich zu sich rüber, als sie hörte, dass ich ebenfalls nach einem Tisch für eine Person gefragt hatte. Ihr Name war Jeanette, eine Amerikanerin mit italienischen Wurzeln, die für die wohlverdienten Ferien zusammen mit ihrem Mann in ihr Heimatland gereist war. Ihr Mann chillte zu dieser Zeit im Hotel; ihm wären die Treppen zu anstrengend gewesen, wie sie lachend erklärte. Jeanette und ich verstanden uns gleich auf Anhieb prächtig. Wir schwatzten über alles Mögliche: die Italienreise, die Familie, die Schulsysteme, die Migration (ihre Vorfahren von Italien in die USA und meine Mutter von Schweden in die Schweiz), aber auch Politik, viel Politik. Jeanette sorgt sich nicht nur um die Zukunft ihres eigenen Landes, sondern um die der ganzen Welt. Es war hochspannend, die ganze politische Lage mal von jemandem erklärt zu bekommen, der kein Beobachter von aussen ist, der die ganzen Ereignisse hautnah miterlebt hat und der erzählen kann, wie es ist, wenn sein Land von einer immer tiefer werdenden Kluft gespalten wird.

Nach einem langen Mittag verabschiedete ich mich mit einer festen Umarmung von Jeanette. Ich lief die kleinen Gässchen entlang, um nach einem Ort zu suchen, wo ich meine Postkarten schreiben kann. Einige Treppen weiter sah ich ein offenes Türchen und schlüpfte hinein. Glückstreffer: ich hatte die wohl schönste Terrasse von Corniglia gefunden. Obwohl ich mir recht schnell sicher wurde, dass dieser unglaubliche Ort wohl privat sein musste, konnte ich mich einfach nicht losreissen von diesem Anblick. Es ging nicht. Und solange sich niemand beklagte, beschloss ich zu bleiben. Ich setzte mich auf das Bänkchen und genoss einfach den Moment. Es war die bezaubernde Idylle, für die ich gekommen war. Ich atmete den Duft der Oleanderblüten ein, spürte die Sonne auf meiner Haut, hörte die Wellen. Nach einer langen Zeit setzte ich mich an den Tisch und schrieb die Postkarten für meine Familie und Freunde. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn es das Paradies gibt, sieht es wohl so aus wie hier. Auf jeden Fall hoffe ich das.

Nach einigen Stunden lief ich die vielen Treppen wieder herunter und fuhr mit dem Zug nach Manarola. Hier fand ich eine Piazza mit einer wunderschönen Kirche, die man kostenlos besuchen konnte. Ich ging hinein und betrachtete die vielen Wandbilder, Verschnörkelungen und Statuen. Kurz darauf beschloss ich, trotz meiner Fussausrüstung, die Wanderung in das fünfte und für mich letzte Städtchen, Riomaggiore, zu wagen. Google Maps gab an, dass es nur eine knappe halbe Stunde gehen würde. Ich machte mich auf den Weg. Wobei «Weg» nicht das richtige Wort ist; ich machte mich auf die Treppen, denn der ganze Weg bestand nur daraus. Ich traf einige schwitzende und keuchende Menschen und merkte bald, dass diese Wanderung nun wortwörtlich echt kein Spaziergang war. Nach 30 Minuten hatte ich nicht mal die Hälfte der Treppen. Ich war immer noch auf der Seite von Manarola. Nach anderthalb Stunden erreichte ich endlich Riomaggiore. Tipps einer aus Erfahrung sprechenden Person: nicht in Sandalen in den Cinque Terre wandern. Nicht Google Maps vertrauen. Viele Snacks einpacken. Als Belohnung für meine grossartige sportliche Aktivität begann es zu regnen. Yey. Ausgehungert, verregnet und erschöpft blieb ich nicht lange in Riomaggiore, obwohl dieses Dörfchen auf Instagram wohl das Gehypteste von allen war. Ich kaufte das wohlverdiente Sandwich und wartete auf meinen Zug, der mich nach Santa Margherita brachte.

Pittoresk aber mit Klaustrophobie-Warnung

Am nächsten Morgen wollte ich eigentlich eine weitere Stadt namens Canoli besuchen, doch es regnete und ich war von den gestrigen 28’000 Schritten ausgelaugt. Ich blieb den Tag über in Santa Marghetita, stiefelte in den Gässchen herum, ging in ein paar kleine Lädelchen und kaufte für meine Familie Mitbringsel.

Nach drei Tagen an der ligurischen Küste war es Zeit für mich, nach Hause zu fahren. Ich reflektierte im Zug über die Orte, die ich in diesen Tagen besucht hatte. Als ich nämlich meine Interrail-Reise plante, war von Anfang an klar gewesen: Cinque Terre – hier muss ich hin. Dass ich nicht die Einzige mit diesem Gedanken sein kann, war mir klar, aber dass die Touristenmassen auch im September noch eine solche Dimension annehmen würden, das hätte ich nicht gedacht. Meine ehrliche Meinung: Ich bin froh, die Cinque Terre nicht nur durch Instareels zu kennen, sondern mit eigenen Augen gesehen zu haben. Die Dörfchen sind die Definition von pittoresk. Die farbigen, etwas heruntergekommenen Häuser, in Steinwände gebaut, die sich trotz der Schroffheit der Küste behaupten können, sind etwas Einmaliges. Das Grün der Hügel, das Türkis des Meers, das Pink der Oleanderblüten: Die Farben sind wirklich so gesättigt wie auf Bildern.

Und doch glaube ich nicht, dass ich so schnell nochmals kommen werde. Obwohl ich selbst Teil dieser Masse bin: Die Touristen nehmen der Region den Charme. Schön und gut, dass die EU so viel Geld in die Infrastruktur investiert hat, um den Tourismus anzukurbeln. Die Kurbel wurde aber zu gut geölt. Ich habe Angst, dass den Cinque Terre dasselbe Schicksal wie Mallorca oder Benidorm droht: nämlich, dass die Kurbel so schnell dreht, dass sie abspringt und kaputtgeht. «Overtourism» ist in meinen Augen auf für die Cinque Terre ein reales Problem, aber es ist ein zweischneidiges Schwert: Die lokale Bevölkerung lebt von den Touristen. Sie sind ihre Einnahmequelle. Doch ich glaube, wenn es so weitergeht, werden immer mehr und mehr meine Meinung teilen: Einmal gesehen, das reicht völlig, lieber verschanze ich mich an einen anderen, stilleren Ort im Land der Pizza. Vielleicht habe ich an meinen nächsten Reisezielen, Tropea in Kalabrien und Palermo auf Sizilien, mehr Glück.