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Cyrill Pürro

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Ein Video drehen und dieses mit Musik hinterlegen. Die Einfachheit ist augenmerklich, die Nachfrage unermesslich. Der Name des Trends: TikTok. Auch die Politik kommt bei so manchen Creator*innen der Plattform nicht zu kurz. Der Kanal „mitreden“, der mit seinen politischen Inhalten auf Kritik stösst, sticht dabei besonders heraus.

YouTuber aus dem deutschsprachigen Raum zeigen sich erzürnt die Entwicklungen auf der Plattform TikTok. Unter ihnen der YouTuber Tim Heldt, besser bekannt als „Kuchen-TV“. In seinem YouTube Video „mitreden – der nächste feministische Hetzkanal“ klärt er die Community über den Inhalt von „mitreden“ auf – und zerlegt ihn buchstäblich. Ab der vierten Minute des Videos geht der Influencer auf konkrete Beispiele ein, in der Fakten verfälscht oder überspitzt den Konsumenten rübergebracht werden. Auch die Filmindustrie kommt dabei unter die Räder.

Die böse, böse Filmindustrie

Victoria Reichelt ist eine der Schöpferinnen von „mitreden“. In einem ihrer Kurzvideos auf TikTok zum „Bechdel-Test“ geht sie auf Kriterien ein, die einen nicht-sexistischen Film ausmachen sollen. Dieser Test zeigt auf, wie Frauen in Spielfilmen dargestellt werden. Aussagekräftig ist der Test nicht, schon gar nicht wissenschaftlich belegt. Der Test dient einzig und allein dazu, auf die Unterpräsenz von Frauen in Spielfilmen hinzuweisen. Nicht aber, um dies wissenschaftlich und faktisch darzulegen. Er findet seinen Ursprung in einem Comic von Alison Bechdel aus dem Jahre 1985. Demnach sollte ein nicht-sexistischer Film folgende Kriterien aufweisen: Mindestens zwei Frauen müssen vorkommen, sie müssen miteinander sprechen und dabei darf das „Männer-Thema“ nicht angesprochen werden. Ist also ein Film gleich sexistisch, der diese Kriterien nicht erfüllt? Wohl kaum.

Filme wie Inception zeigen das Gegenteil. Da belegt nur eine Frau eine Nebenrolle, in ihren Dialogen geht es aber weder um Männer, noch sind andere sexistische Merkmale zu erkennen. Im Film trägt die Protagonistin massgeblich dazu bei, die Probleme der Handlung anzugehen und zu lösen. Sogar ein „männlicher“ Film, wie Fast und the Furios – Tokyo Drift widerspricht den Kriterien des Tests. Auch da ist eine Frau in der Nebenrolle für das Filmgeschehen wichtig und zeigt sich als selbstbewusste, starke Person, die ihrem eigenen Willen nachgeht und zudem sehr gut Autofahren kann. Über die äussere Darstellung des weiblichen Geschlechts im Film lässt sich natürlich streiten. Interstellar, In Time, 21 Jumpstreet oder sogar ein Kinderfilm wie Findet Nemo, wären weitere Beispiele, die dem Bechdel-Test widersprechen. Reichelt betont in ihrem Video, wie wichtig dieser Test sei: „Das ist ein Test, mit dem man ganz leicht herausfinden kann, wie stereotypisch Frauen in Filmen dargestellt werden.“ Diese Aussage ist also schlichtweg falsch.

So verallgemeinert Reichelt

Im nächsten Beispiel wird gleich nachgelegt. Reichelt fordert die Community dazu auf, über Situationen im Alltag nachzudenken, in denen die gesellschaftliche Ungleichstellung der Frau erkennbar wird. Dazu nennt sie die persönliche Erfahrung mit einem alten Mann. Dieser habe ihr gesagt, dass „Männer lieber Frauen mit richtigen Kurven mögen“. Solche Aussagen können in diesem Alter verletzend sein. Dem ist entgegenzusetzen, dass dieser Mann kaum als repräsentativ des maskulinen Durchschnittsbürgers angesehen werden kann, noch ist er das „Nonplusultra“, wie es „Kuchen-TV“ in seinem Video ausdrückt. Das auch Männer solchen Klischees ausgesetzt sind, wird von Reichelt nicht erläutert. Hier wird das Verhalten des männlichen Geschlechts klar verallgemeinert.

Wie aus Ameisen Elefanten gemacht werden

Welches Thema darf bei einem „Aufklärungskanal“ wie „mitreden“ nicht fehlen? Natürlich: die Sache mit der Jungfräulichkeit. Reichelt kritisiert, dass gesellschaftlich von „Jungfräulichkeit verlieren“ geredet wird. Frauen seien insbesondere dem Druck ausgesetzt, das erste Mal zu haben. Diese Aussage belegt Reichelt weder mit einer aussagekräftigen Quelle, noch wird genauer darauf eingegangen. Wenn es diesen Druck überhaupt gibt, sind Männer und Frauen von diesem gleichermassen betroffen. „Jungfräulichkeit bedeutet lediglich, dass man noch nicht berührt worden ist. Das wars, mehr nicht“, fasst „Kuchen-TV“ zusammen. Dies sei innerhalb von einer zehn sekündigen Googlesuche einfach herauszufinden. Zudem ist es jeder Person selbst überlassen, wann sie oder er ihr erstes Mal hat. Anders gesagt: Aus Ameisen kann man auch Elefanten machen.

„So viel Fehlinformation kann man in so wenig Zeit gar nicht packen“

Auch der Rassismus wird bei „mitreden“ thematisiert. Adelaide Arthur, auch bekannt als Lifestyle-Youtuberin mit dem Namen „Ashley Forsson“, stellt in einem ihrer Beiträge die Frage: „Wieso gibt es eigentlich keinen Rassismus gegen Weisse?“. Dazu hat sie gleich eine Antwort parat: „Das liegt daran, dass Rassismus ein System ist.“ Rassismus ist kein System, sondern eine politische Ideologie. In dieser Ideologie werden Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft in Klassen eingeteilt und als Minderheiten abgewertet, so Humanrights.ch. Die offizielle Definition des Dudens zum Wort Rassismus sieht zudem keine spezifische Hautfarbe vor, wie „Kuchen-TV“ ausführt. Arthur ändert also einfach einen Begriff in seiner Bedeutung um, ohne klare Belege aufzuweisen. Klar ist, dass in Europa Rassismus gegen schwarze Menschen vorherrscht und das ist leider noch immer ein Problem. Das heisst aber nicht, dass Rassismus nicht auch andersrum auftreten kann. „Kuchen-TV“ kommentiert Arthur’s Beitrag folgendermassen: „So viel Fehlinformation kann man in so wenig Zeit gar nicht packen.“

In einem anderen Video spricht Arthur darüber, dass es moralisch verwerflich sei, Aneignungen aus verschiedenen Kulturen zu vermischen. So kritisiert sie, dass Cornrows und Dreadlocks (Haarstil aus der Afro-Kultur) auch von weissen Frauen und Männern getragen werden oder dass das „Booty Shaking“ genauso von manchen Weissen zelebriert wird. Auch wenn der „Booty-Shake“ mit traditionellen Tänzen aus Afrika verglichen wird, findet dieser seinen Ursprung in der Hip-Hop Szene. Dieses Argument ist demnach schwach. Eigentlich will Arthur die Community auf Rassismus hinweisen und darüber aufklären. Doch unterbewusst passiert genau das Gegenteil. Sie verbietet der Zuschauerschaft indirekt, Kulturen miteinander zu vermischen. Bin ich also ein Rassist, wenn ich als Kongolese eine Älplertracht trage? Ist es rassistisch, als weisse Person Cornrows oder Dreadlocks zu tragen oder Spezialitäten aus Afrika, Asien, etc. zu geniessen? Nein, aber so bringt es „mitreden“ rüber, auch wenn dies nicht das Ziel war.

Fehlinformationen von Funk finanziert

Stünden hinter „mitreden“ nur meinungsäussernde Personen, kann man deren Verbreitung von Fehlinformationen gerade noch so hinnehmen oder zumindest ignorieren. Doch Victoria Reichelt, Adelaide Arthur und die Dritte im Gespann, Maria Popov, beschreiben sich als „Redakteurinnen, Journalistinnen und Moderatorinnen“. Dies ist über Linkedin und Instagram-Biographien herauszufinden. Genauere Recherchen zeigen, dass Victoria Reichelt beispielsweise auch für „Deutschland 3000“ arbeitet. Dies ist ein Kanal von Funk und Funk wiederum ein Contentnetzwerk von ARD und ZDF, welches mit dem Rundfunkbeitrag bezahlt wird. Adelaide Arthur ist ebenso bei Funk angestellt. Somit zahlen deutsche Steuerzahlerinnen und Steuerzahler den Gehalt von „Journalistinnen“, die im Netz Fehlinformationen verbreiten.

Die Wichtigkeit vom sachlichen Diskurs

Auf Rassismus und Sexismus aufmerksam zu machen, ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je. Die Gesellschaft kann sich aber nur weiter öffnen, wenn Frauen und Männer am gleichen Strang ziehen. Was bei aller Aufklärung aber nicht vergessen werden darf: Sie ist nur solange zielführend, wenn die darin enthaltene Informationen in ihrer Richtigkeit bestätigt sind. Oder einfach ausgedrückt: Fehlinformationen haben in einer Demokratie keinen Platz. Dazu müssen sich Conten-Creator*innen und Journalist*innen gleichermassen darüber bewusst sein, welche Inhalte sie veröffentlichen und welche Auswirkungen diese besonders auf die junge Zuschauerschaft haben können. Oben genannte Beispiele zeigen: man muss sich über Sachverhalte genauer informieren. Auch wenn das etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Das Kritikvideo des YouTubers Tim Heldt alias „Kuchen-TV“:

Fünf Jahre ist es her, als sich Jonny Burger einen lebensverändernden Jahresvorsatz gemacht hatte. 4,5 Jahre schaffte er es, sein tägliches Joggingtraining durchzuziehen – dann kam die Ansteckung mit dem Coronavirus. Trotzdem ist Jonny stolz auf seine Ergebnisse. Denn dieses Experiment tat ihm nicht nur körperlich gut, wie er im Interview erzählt.

Nach einer durchzechten Silvesternacht nahm sich der mittlerweile 25-jährige Jonny Burger am 01.01.2016 den Vorsatz, jeden Tag zu rennen. Denn er wollte fitter werden und mehr Sport treiben. So begann er zu laufen. Und das nicht unweit. Pro Tag legte er drei bis sechs Kilometer zurück. Mit dem Experiment aufzuhören, kam für Jonny nie in Frage – selbst bei Regen oder Schneesturm.

Jonny, wie kommt man eigentlich auf einen solchen Neujahrsvorsatz?

«Zugegeben, ich habe vorher nie wirklich Sport getrieben. Klar, ab und zu spielt man mit Freunden Fussball oder sonst eine Sportart. Wirklich ernst war es mir damit aber nie. Da ich zurzeit an der Uni Zürich studiere und beruflich im Büro Apps entwickle, hatte ich nie wirklich eine gute Balance. Das hatte seine Konsequenzen. Als ich dann nach der Silvesterparty auf den Jahreswechsel 2016 zwei Tage Erholung brauchte, realisierte ich: Ich brauche eine Veränderung. So startete ich Anfangs Januar mit dem Lauftraining und zog dieses vorerst einen Monat durch, bevor ich mit Freunden in die Ferien verreiste. Schon nur nach 30 Tagen habe ich gemerkt, wie gut mir das Training tut und nahm nach den Ferien das Training wieder auf, mit dem Ziel, künftig auch in den Ferien Sport zu treiben.»

Das Experiment hat dich also automatisch in allen Lebensbereichen begleitet.

«Genau, also selbst bei Reisen mit Freunden nach Barcelona oder an Open Airs bin ich etwas früher aufgestanden, um meine täglichen Kilometer machen zu können. Ich musste mich natürlich auch organisatorisch anpassen. Wenn beispielsweise nach der Arbeit ein Arbeitskollege für ein Feierabendbier gefragt hat, musste ich abwägen: mache ich zuerst mein Training oder geselle ich mich vorher dazu? Nach einer Zeit beginnt man seinen Alltag bereits am Morgen durchzuplanen, um zu überlegen, wann am besten Zeit für das Training besteht. Da gab es dann den ein oder anderen Freund, der mich quasi zur Vernunft bringen wollte und mir einredete, ich solle das Training doch für einen Tag sein lassen. Aber ich wollte weiterrennen.»

Du hast schon erwähnt, dass du vor dem Experiment nicht wirklich viel Sport getrieben hast. Wie hast du Muskelkater und Erschöpfung vorgebeugt?

«Die ersten Tage war ich sehr erschöpft, mit der Zeit ging es aber. Am Anfang habe ich nicht wirklich grosse Distanzen zurückgelegt, da waren es noch 2.5 bis 3 Kilometer. So konnte ich mich Tag für Tag steigern. Vom Muskelkater wurde ich aber trotzdem heimgesucht, vor allem nach längeren Trainingseinheiten.»

„Nach 500 Tagen muss ein sehr grosser Grund kommen, um das Ganze aufzugeben.

Jonny Burger, 25

Trotzdem hast du es durchgezogen, vom Februar 2016 bis zum Dezember 2020. Welche Strategie hast du angewandt, den Vorsatz bis dahin umzusetzen?

«Beim Rennen war es motivierend, die gelaufenen Kilometer und Stunden in Zahlen vor den eigenen Augen zu sehen. So tut es einem mehr weh, das Experiment aufzugeben und den Fortschritt in den Wind zu schiessen. Nach 500 Tagen muss ein sehr grosser Grund kommen, um das Ganze aufzugeben.»

Du hast es am Ende geschafft, 1763 Tage am Stück zu rennen. Wie hast du das gehandhabt, wenn du krank warst, es regnete oder schneite?

«Im Laufe des Experiments wurde ich zwei Mal krank, beide Male im Winter. Die Temperaturen damals sind etwa mit diesem Monat zu vergleichen, es war auch völlig verschneit. Da kam ich an meine Grenzen. Ich passte meine Strategie an und suchte mir für diese Tage den bestmöglichen Zeitpunkt aus. Es war für mich nie wichtig, die Kilometer möglichst schnell oder möglichst gut zu  meistern. Die Hauptsache war, dass ich jeden Tag eine Strecke absolviert hatte, egal wie.»

Wie veränderte sich deine physische und psychische Verfassung während des Experiments?

«Körperlich war es vor allem die Beinmuskulatur, die sich unproportional zu meinem restlichen Körper entwickelt hat. Mir war auch aufgefallen, dass ich viel mehr Appetit hatte und besonders mental hat es mich sehr verändert. Ich war glücklicher und standhafter. Es gab fast keinen Tag mehr, an dem ich wirklich «down» war. Da merkt man schon, welchen Inpact Sport auf die eigene Psyche haben kann.»

Wo lag dein Ziel zu Beginn des Projektes? Hast du mit 1000 Tagen gerechnet?

«Zu Beginn waren alle 100 Tage für mich Meilensteine und je höher die Zahl wurde, desto mehr konnte ich mich dazu anspornen, irgendwann auch die 1000 Tage zu erreichen. Bei der 1000er-Marke war ich dann so motiviert, dass ich den Weltrekord knacken wollte. Dieser liegt bei ganzen 50 Jahren hintereinander. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht wissen, dass im Jahre 2020 eine Pandemie grassieren wird.»

Dein Experiment endete, als du dich mit dem Coronavirus angesteckt hast. Gibt es nach der Pandemie eine Fortsetzung der 1763 Tage?

«Eine Fortsetzung des Experiments ist nicht vorgesehen. Ich bin sehr glücklich und zufrieden mit den Ergebnissen, die ich schlussendlich nicht nur bei mir sehe. Ich konnte auch Freunde dazu animieren, mit mir auf eine Tour mitzukommen, seitdem laufen die regelmässig. Jetzt jogge ich drei bis vier Mal die Woche, nebenbei mache ich Krafttraining, um die Beinmuskulatur etwas auszugleichen oder gehe mit Freunden zum Squash oder Tennis. Ich kann es nur empfehlen, in der Freizeit Sport zu treiben. Es muss kein «crazy» Projekt sein, wie jeden Tag zu rennen. Einmal die Woche etwas joggen, mit einer Gruppe Fussballspielen oder Ähnliches reicht da vollkommen aus. Die Hauptsache ist, dass man sich etwas bewegt und eine gesunde Work-Life-Balance hat.»

Das Gespräch führte Cyrill Pürro.

Eine ganze Woche alt ist das neue Jahr. Die ersten Vorsätze und Versprechen sind schon gebrochen, die erste Zigarette nach dem «Rauchverbot» geraucht, das erste Bier getrunken und vielleicht hat statt des vorgenommenen Lernens doch ein Netflix-Abend stattgefunden? Neujahr – Es bringt uns alle dazu, über unsere Leben nachzudenken und einen Neuanfang zu wagen. Doch wie sinnvoll sind solche Entscheidungen zum Jahreswechsel wirklich?

Alle kennen es: Die Frage beim Wiedererscheinen nach den Ferien bei der Arbeit oder in der Schule: «Und, was für Vorsätze für das neue Jahr hast du dir gesetzt?» Der eine beschliesst, weniger zu rauchen, die andere weniger zu trinken. Manche wollen mehr Sport treiben, andere wollen wieder etwas weniger Gewicht auf die Waage bringen. Solche Entscheidungen werden häufig dann getroffen, wenn sich das alte Jahr dem Ende neigt. Doch weshalb?

Neues Jahr, neues Glück

Viele betrachten das neue Jahr als Gelegenheit, sich zu ändern und einen Neuanfang zu wagen. Der Wille dazu ist beim Jahreswechsel ziemlich gross. Es bestehen schliesslich noch 365 Tage Zeit, die Vorsätze und Ziele zu erreichen. Die Sparte der Vorsätze ist gross. Bei manchen geht es um gesundheitliche oder soziale Aspekte, andere setzen sich Ziele, die sie im neuen Jahr erreichen wollen. Laut Statista wollten die meisten Deutschen  im Jahre 2018, den Stress abbauen und mehr Zeit mit der Familie und den Freunden verbringen. Auch der beliebte Vorsatz, mehr Sport zu treiben, fand grossen Anklang.

Wie gelingen Neujahrsvorsätze?

Klar ist, dass Vorsätze nur gelingen und man Ziele nur erreichen kann, wenn man sich darum bemüht. Man hat nicht innerhalb von wenigen Tagen fünf Kilo abgenommen, nicht in einem Monat aufgehört zu rauchen oder zu trinken. Daneben gibt es immer wieder Rückschläge, welche einem entmutigen können. Je kürzer das Jahr wird, desto schwieriger ist es, am Ball zu bleiben. Nach dem Gesundheitsblog.at machen Vorsätze nur Sinn, wenn sie «smart» sind, also keine zu grossen und unmöglich erscheinende. Auch hilfreich ist es, wenn man im Familien- und Freundeskreis nach Gleichgesinnten sucht, welche gleiche oder ähnliche Ziele verfolgen. Smarte Neujahrsvorsätze sind auch mit dem «SMART-Acronym» zu filtern. Dieses besagt, dass gute Neujahrsvorsätze spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminiert sein sollten. Wichtig ist auch, dass man sich dessen bewusst ist, dass die Ziele nur für sich selbst und nicht für andere erreicht werden.

Das neue Jahr als einziger «Neuanfang»?

Zu glauben, dass das neue Jahr als einziger Grund für einen Neuanfang darstellt, ist wiederum unsinnig. Das ganze Jahr über ist es möglich, sich neue Ziele zu setzen und diese zielstrebig zu erreichen. Auch ein Neuanfang kann immer wieder gewagt werden. Wenn man beispielsweise merkt, dass etwas an der aktuellen Situation geändert werden sollte, kann dies jederzeit getan werden. Klar macht es Sinn, sich zum neuen Jahr Gedanken zu machen, zu überlegen, was man erreichen möchte. Andererseits sollte dabei nicht vergessen gehen, in der Gegenwart zu leben und das Leben so zu nehmen, wie es eben kommt.

In Zeiten von Rap und Techno wird ein Musikgenre immer leiser: Rock. Doch immer mehr Nachwuchskünstler*innen der Generation Z wagen sich an die Klänge von Metallica und ACDC. So auch Niels Fingerle, der vor zwei Jahren die Band „Iron Heart“ gründete. Im Interview erzählt Niels von seiner Leidenschaft zur Musik und welche Erfolge er sich von „Iron Heart“ erhofft.

Seit Wochen werden die Strassen Weissrusslands von Protesten gegen die Regierung heimgesucht. Trotz Pandemie machen sich tausende Weissrussinnen und Weissrussen für mehr Mitbestimmung und Freiheit stark. Deutlich zu spüren ist: Die protestierende Menge hat genug von der «letzten Diktatur Europas». Einer gegen Alle – Wie sich Lukaschenko mit letzten Mitteln an der Macht hält.

Zusammenstösse mit Sicherheitskräften, wütende, protestierende Massen: Die Szenen in der weissrussischen Hauptstadt Minsk erinnern an den Euromaidan vor sechs Jahren in der Ukraine. Expertinnen und Experten warnen deshalb vor einem drohenden «Déjà-vu» in der ehemaligen Sowjetrepublik. Nach jüngsten Protesten am Wochenende verschwand nun auch Maria Kolesnikowa, eine der wichtigsten Oppositionsführerinnen gegen Lukaschenko. Wie die weissrussische Staatsagentur Belta verkündete, habe Kolesnikowa versucht, das Land illegal zu verlassen und halte sich nun in der Ukraine auf. Die vermeintliche Entführung der 38-Jährigen verschlimmerte die ohnehin angespannte Lage im osteuropäischen Land noch mehr.

Ausblieb des «weissrussischen Frühlings»

Staatschef Aljaksandr Lukaschenko nimmt schon seit dem Jahre 1994 den Platz als Staatschef ein. Verfolgung von Andersdenkenden, Unterdrückung der Opposition und Korruption waren und sind unter Lukaschenko an der Tagesordnung. Während in früheren Ostblockstaaten, wie Estland oder Polen, nach Zusammenbruch der UdSSR der wirtschaftliche Aufschwung und die Einführung der Demokratie Einzug hielten, wurde Belarus seine Vergangenheit vor der Machtübernahme Lukaschenkos nicht los. Innert kürzester Zeit hebelte Lukaschenko das neue Parlament aus und sicherte sich seine Position als «ewigen Präsidenten». Unter seiner Führung wurde die westliche Wirtschaftsweise abgelehnt, eine Umwandlung in die Marktwirtschaft ausgesetzt und das Land in internationale Isolation getrieben. Nach Lexas.de ist Belarus somit eines der ärmsten Länder Osteuropas.

Doch da war etwas: Hoffnung machte sich breit, als eine neue Kandidatin der Opposition, Svetlana Tichanowskaja, auf die Bühne trat. Zusammen mit der neu gegründeten Partei «Gemeinsam» schenkte sie den Weissrussinnen und Weissrussen eine neue Perspektive der Freiheit und trat zum Wahlkampf im August gegen Lukaschenko an. Trotz des breiten Zuspruchs der Bevölkerung blieb ein weissrussischer Frühling – ein Aufbruch in eine neue Zeit – aus.

Ein Wirrwarr aus Widersprüchen und Ereignissen

Über 80% der Stimmen verzeichnete der Staatschef und verkündete sich selbst am 10. August als Sieger. Seither gehen zehntausende Menschen in Minsk auf die Strasse, in vielen Händen eine horizontale, weiss-rot-weisse Trikolore: die Flagge der Republik Belarus vor der Zeit Lukaschenkos. Vielen ist klar: die Wahl war abgekartet. Die Wahlkommission von Weissrussland gibt bekannt: Tichanowskaja komme auf 9,9% der Stimmen. Laut dem SRF widerspreche dies aber den Resultaten der Opposition, die von einem Rekordergebnis ihrer Kandidatin ausgeht. In einzelnen Bezirken soll Tichanowskaja nach dem Kurier bis zu 75% der Stimmen eingeholt haben. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rief die Behörden dazu auf, die Ergebnisse der Wahl zu prüfen und kritisierte zudem die gewaltsame Herangehensweise gegen Protestantinnen und Protestanten. „Die Bedrohung und gewaltsame Unterdrückung friedlicher Demonstranten hat in Europa keinen Platz“, gab von der Leyen auf Twitter bekannt.

„Die Bedrohung und gewaltsame Unterdrückung friedlicher Demonstranten hat in Europa keinen Platz.“

Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin

Zudem tauchte nach der Wahl ein Video in den sozialen Medien auf, welches Personen zeigt, die mithilfe einer Leiter eine Wahlstation in Minsk verlassen. Mit vollgepacktem Sack steigen die Unbekannten mithilfe der örtlichen Polizei aus dem Fenster. Über den Inhalt des Sacks lässt sich nur munkeln.

Osteuropa im «Maidaneffekt?»

Woche für Woche nimmt die Gewalt in Weissrussland zu. Sprengsätze kommen zum Einsatz, gegen die demonstrierende Menge wird brutal vorgegangen, wie Videos von der Deutschen Welle zeigen. Es ist ein Déjà-vu der Vorkommnisse im Jahre 2014 auf dem Maidan in Kiew, der ukrainischen Hauptstadt. Seit den Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften und der «orangen Revolution», befindet sich die Ukraine im Krieg gegen sich selbst. Die Auslöser der Proteste waren ähnliche wie in Minsk: Drang nach Freiheit, mehr EU- und Westpolitik und Loslösung von der sowjetischen Vergangenheit. Die Rufe nach Selbstbestimmung werden in ehemaligen Sowjetstaaten immer lauter und entwickeln sich allmählich zu einem «Maidaneffekt».

Wie die Situation ausgeht, ist unklar. Die Opposition betonte unter Tichanowskaja, dass eine Revolution nicht erwünscht sei, sondern ein friedlicher Übergang in die Demokratie. Solange sich beide Parteien hingegen nicht an einen Tisch setzen können, bleibt das Chaos real.

Verspätete Fallzahlen, Spekulationen über Ansteckungsorte, etc.: Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) geriet in den letzten Tagen stark in Kritik. Nun wird der Ruf nach Seriosität in der Bevölkerung lauter. Nicht nur die Politik – auch die Medien leiden unter dem ständigen Druck der bedürften Aktualität und des mangelnden Vertrauens. Dieses Misstrauen kann fatale Folgen mit sich bringen – ein Beispiel.

Österreich wurde im Mai letzten Jahres in die grösste Regierungskrise seit dem 2. Weltkrieg gestürzt. Tausende Menschen gingen in Wien auf die Strasse, innerhalb von wenigen Stunden wurde praktisch das ganze Land lahmgelegt. Auslöser dafür: Ein Skandal-Video des ehemaligen Vizekanzlers Hein-Christian Strache und des früheren Klubobmanns der FPÖ Johann Gudenus aus einer Finca auf Ibiza. Ein Funke, der zu einem landesweiten Flächenbrand führte.

Korruption: Eine Sache, die man von der kleinen Alpenrepublik Österreich nicht erwarten würde. Doch genau deswegen erlebte das Land im letzten Jahr eine Regierungskrise, die bis in die europäische Union ihre Kreise zog. Das «Ibizavideo», unter anderem geleaked von den Journalisten Bastian Obermayer und Frederik Obermaier, zeigt ein Gespräch zwischen Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus in einer Finca auf Ibiza. Unter Alkoholeinfluss boten die damals führenden Politiker der FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs) der Nichte eines russischen Oligarchen korrumpierte Geschäfte an und zogen zusätzlich über andere Parteien und österreichische Persönlichkeiten her. Mittlerweile ist klar: Die Russin war «fake», das Treffen mit den Politikern abgekartet.

Eine schon lange umstrittene Koalition

Um genauer verstehen zu können, weshalb das Ibiza-Video im letzten Jahr einen derartigen Skandal auslöste, muss ein Blick hinter das politische System im Nachbarland her. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz gewann 2017 mit seiner ÖVP «Österreichische Volkspartei» die Nationalratswahlen, im Dezember wurde er zum Kanzler ernannt und ging eine Koalition mit der FPÖ ein. Die enge Zusammenarbeit mit der Rechtsaussen-Partei, gerade mit Heinz-Christian Strache, wurde schon von Beginn an aus allen möglichen Fraktionen angezweifelt. Die FPÖ, die durch ihr Parteiprogramm an die AfD in Deutschland erinnert, war schon zu diesem Zeitpunkt bekannt für ihre «rechten Ausrutscher». Kontrast.at veröffentlichte eine ganze Sammlung von rassistischen und NS-verherrlichenden Aussagen und Aktionen von Parteimitgliedern der FPÖ ab Dezember 2017. Von den insgesamt 76 Fällen (letzte Aktualisierung im November 2019), sind hier drei Beispiele aufgelistet:

20.01.2018: Das Wunschkennzeichen eines FPÖ-Funktionärs «88» (Neonazi-Code für «Heil Hitler») sorgte für Wirbel. Später dementierte der Funktionär jegliche Sympathie oder Nähe zum Nationalsozialismus, denn die «88» stehe für den 8.8.2010, an dem er mit seiner Frau zusammengekommen sei. (Quelle: Kontrast, ORF)

30.04.2018: Ein Referent der FPÖ, Robert Kiesinger, veröffentlichte auf Facebook ein Bild eines NSDAP-Kalenders mit der Bildunterschrift «Ostern bedeutet Leben». (Quelle: Kontrast, FPÖ fails)

20.04.2019: Heinz-Christian Strache teilte einen Beitrag der «Zaronews» mit dem Kommentar: «Nein, ich lasse mich nicht mundtot machen!». Die «Zaronews» sind dafür bekannt, den Holocaust als «grösste Lüge» und Hitler als «Retter» darzustellen. (Quelle: Kontrast, Kurier)

Vom Partyurlaub zum Krimi

Letzterer wurde zusammen mit «Yoshi» (wie Strache den damals FPÖ-Fraktionsvorsitzenden Johann Gudenus auch betitelt) im Juli 2017 auf ein Sushi-Essen in einer Finca auf Ibiza geladen. Die ominösen Sponsoren der Privatparty: Die angebliche Nichte eines russischen Oligarchen, welche Johann Gudenus schon aus früheren Zeiten bekannt war, sowie ein Übersetzer. Eingeladen wurden die beiden Politiker unter dem Vorwand, die russische Nichte habe viel Geld und wolle in die FPÖ investieren. Im Hinblick auf Straches Vizekanzleramt, welches er im Dezember desselben Jahres annahm, eine lukrative Möglichkeit, der eigenen Partei einen Ruck nach oben zu verleihen. Straches und Gudenus Plan: Die Nichte solle die Kronenzeitung aufkaufen, ganz mit den Worten: «Journalisten sind doch so oder so alles Huren!», so Strache im «Ibizavideo». Die Krone ist die grösste und einflussreichste Boulevardzeitung des Landes.

«Journalisten sind doch so oder so alles Huren!»

Heinz-Christian Strache auf Ibiza, Juli 2017

Die Oligarchennichte zeigt sich begeistert. Doch der Partyurlaub wendet sich zwei Jahre später für «H.C. Strache» und «Yoshi» zum Krimi. Denn was die beiden nicht wissen: Versteckte Kameras in jeder Ecke der Finca filmen mit – und zwar alles, ganze sechs Stunden lang. In dieser Laufzeit erfährt der Zuschauer mehr als sogar den «H.C.Strache-Fans» lieb gewesen wäre. Das Angebot von korrumpierten Geschäften, in diesem Fall der Aufkauf der Kronenzeitung und der Zuspielung von öffentlichen Aufträgen für die Russin, gleichzeitig der versuchte Eingriff in die Pressefreiheit und das Herziehen über österreichische Politiker. Auch Sebastian Kurz wurde zum Opfer der Schimpftiraden und der höhnischen Sprüche.

Ein gefundenes Fressen

Auch wenn Strache während des Treffens Vermutungen anstellte, dass es sich bei allem um eine Falle hätte handeln können, bot er der Russin immer wieder den Aufkauf der Kronenzeitung an. Nach österreichischer Gesetzgebung eine korrupte Handlung und somit strafbar, wie Bastian Obermayer und Frederik Obermaier in ihrem Buch «Die Ibiza-Affäre» schildern. In diesem Buch erklären die beiden auch, weshalb es erst zwei Jahre später zur Veröffentlichung des Skandalvideos kam. Die sechs Stunden, von denen nur wenige Minuten an die Öffentlichkeit gingen, seien den Journalisten kurz vor der Europawahl zugespielt worden. Vor «Ibizagate» war auch Strache zur Wahl aufgestellt, ein gefundenes Fressen also.

«A bsoffene Gschicht»

Die kurzen fünf Minuten des eigentlich sechs stündigen Videos schlugen nach ihrer Veröffentlichung Wellen. Etliche Medien berichteten über das Enthüllungsvideo, tausende Österreicherinnen und Österreicher begaben sich auf die Strasse und demonstrierten gegen die Koalition zwischen ÖVP und FPÖ. Der Song der Vengaboys «We`re going to Ibiza» aus dem Jahr 1999 war innerhalb von wenigen Tagen wieder auf dem ersten Platz der österreichischen Charts und hallte tagelang durch die Strassen Wiens, während die Demonstranten eine Auflösung der Regierung und Neuwahlen forderten. Zu diesen kam es dann auch. Trotz den Vorwürfen, Bundeskanzler Sebastian Kurz hätte zu lange «weggeschaut» und die «Ausrutscher» der FPÖ ignoriert, wurde dieser wiedergewählt. Die Koalition mit der FPÖ beendete er mit den Worten «Genug ist genug».

Strache selbst trat zurück und entschuldigte sich öffentlich für seinen Fehltritt. «Es war a bsoffene Gschicht», rechtfertigte er die korrupten Aussagen seinerseits. Es sei viel Alkohol geflossen und nichts davon sei wirklich ernst gemeint gewesen. Die Prahlerei um den Kauf der Kronenzeitung war reines «Matchogehabe», um die Russin zu beeindrucken. Auch Gudenus trat aus allen Ämtern zurück.

Offene Fragen bleiben

Wer die Initianten des Videos waren und die sechs Stunden Videomaterial den Journalisten geliefert hatten, ist heute klar: Wie die Neue.at berichtet, habe Straches Bodyguard über Jahre belastendes Material über ihn gesammelt. Im Schatten bleibt aber, welche Person wirklich hinter der angeblichen russischen Oligarchennichte steckt. Es kursieren sogar Gerüchte darüber, dass auch der Satiriker Jan Böhmermann seine Finger im Spiel hatte. Vor der Veröffentlichung machte Böhmermann Anspielungen auf das Video, so sagte er am Tage zuvor in seiner Sendung: «Morgen wird Österreich brennen.»


Die Reihe «Tize klärt auf»: Jeden letzten Montag im Monat erscheint auf Tize ein neuer Bericht über brandaktuelle, häufig diskutierte und spektakuläre Themen in allen möglichen Bereichen, dargestellt mit Analysen, Aufzeichnungen oder Interviews – von der jungen, für die junge Generation.

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Der Schrei nach Gleichberechtigung wird in der Welt immer lauter. Frauen formieren Bewegungen, kämpfen um ihre Rechte und stehen für ihr Geschlecht ein, sei es in der Politik oder im Kampf gegen den Sexismus. An vielen Orten mit Erfolg: Die Stimme der Frau wird gehört, der Frauenstreik im letzten Jahr ging als die «grösste politische Aktion seit dem Generalstreik von 1918» in die Schweizerische Geschichte ein. Doch um mehr als nur gehört zu werden, muss ein Ruck durch unsere Gesellschaft gehen – und dabei darf eines nicht vergessen werden: Der Mann.