Viele kennen es! Man betritt einen Laden, um sich sein neues Lieblingsprodukt zu holen, steht vor dem Regal und sieht nebenan die gleiche, aber nachhaltige Variante dieses Produkts. Um also etwas für das gute Gewissen zu tun, entscheide ich mich für das umweltfreundlichere dieser beiden. Doch habe ich gerade wirklich etwas Gutes getan oder habe ich mich durch die Versprechen auf der Packung blenden lassen?

Greenwashing – Was ist das genau?

Das oben genannte Beispiel erreichen Firmen durch sogenanntes Greenwashing. Unter dem Begriff versteht man den Versuch einer Firma, sich auf verschiedene Arten als umweltbewusst und nachhaltig darzustellen. So versuchen sie weniger ökologische Produkte oder Tätigkeiten in den Hintergrund zu stellen.

Das Vorgehen ist hierbei meist immer das Gleiche. Heute befinden wir uns in einer Zeit, in der die Nachhaltigkeit immer mehr zum Verkaufskriterium wird. Dementsprechend, müssen viele Firmen ihre Philosophie so anpassen, dass diese für den Kunden weiterhin attraktiv bleibt. Dies erreichen sie, indem das Unternehmen einzelne Produkte auf den Markt bringt, welche beispielsweise unter fairen Bedingungen hergestellt wurden. Auch durch die Beteiligung an einem Projekt, welches beispielsweise schlechten Arbeitsbedingungen oder dem Klimawandel entgegenwirken, tun sie hauptsächlich etwas für ihr Image.

Eigentlich ist das was Gutes, nicht?

Auch wenn grosse Konzerne einen Teil ihres Einkommens in die Produktion von vermeintlich nachhaltigen Gütern investieren, darf man dabei nicht vergessen, dass die normalen, nicht umweltfreundlichen Artikel weiterhin bestehen und verkauft werden. Ich unterstütze mit meinem Kauf zwar die Produktion von ökologischen Gütern, dennoch generiere ich weiterhin Gewinn, welches das Unternehmen in die Produktion ihres ursprünglichen Sortiments einfliessen lassen kann.

Auch bei den alternativen Produkten selbst ist Vorsicht geboten. Wer beim Einkauf auf die Bezeichnung „Bio“ oder „öko“ achtet, macht schon mal einen Schritt in die richtige Richtung. Diese Begriffe gelten in der Schweiz als geschützt und können nicht ohne weiteres zur Produktbeschreibung verwendet werden. Dennoch ist hier viel Spielraum gegeben, da die Gütesiegel, welche das biologische Produkt kennzeichnen, nicht immer die gleichen Kriterien berücksichtigen. Bio ist also nicht immer gleich Bio.
Eine Abänderung dieser beiden Wörter, die auf die Umweltfreundlichkeit des Produkts aufmerksam machen wollen, ist ebenfalls skeptisch zu hinterfragen, da deren Varianten meist nicht geschützt und frei verwendbar sind.

Was kann ich also gegen Greenwashing tun?

Obwohl dies mit viel Arbeit verbunden ist, ist das beste was du tun kannst, zu recherchieren. Dabei können die folgenden Punkte bereits einen groben Überblick über die Firmenphilosophie verschaffen:

  • Wie sieht die Geschichte der Firma aus und wie hat sie sich in den letzten Jahren entwickelt?
  • Was für Produkte stellt die Firma her und was für Projekte unterstützt sie?
  • Welche Tochterfirmen gehören zum Konzern oder umgekehrt, gehört das Unternehmen zu einer globalen Gruppe? – Gehört eine nachhaltige Firma zu einem Grosskonzern, so gehen die Gewinne weiterhin an letzteren und ich unterstütze weiterhin die Produktion von Gütern denen ich eigentlich umgehen will.
  • Eine gute Portion an kritischem Hinterfragen schadet nie – Wenn das Unternehmen beispielsweise auf die Erdölgewinnung setzt oder auf Plastikverpackungen angewiesen ist, wird es schwierig, sich gleichzeitig für eine nachhaltige Zukunft einzusetzen.

Von Heute auf Morgen das gesamte Einkaufsverhalten umzustrukturieren ist für viele schwer umsetzbar und im Allgemeinen fast unmöglich. Das Ziel ist es nicht, alle zum radikalen Umdenken anzustiften, sondern zum konstruktiven Nachdenken anzuregen. Denn wenn viele an vereinzelten Stellen ihren Konsum überdenken, erreichen wir bereits mehr als einzelne, die versuchen ihre Angewohnheiten mühselig zu ändern.

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